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Falschmeldung über Attentat : Die Trolle schrecken vor nichts mehr zurück

2018 in Emskirchen: Hunderte demonstrierten unangemeldet gegen den „Drachenlord“. Bild: dpa

Ein deutscher Youtuber wird fälschlicherweise als Attentäter von Norwegen präsentiert. Was steckt hinter dem perfiden Spiel um den „Drachenlord“?

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          Ein übergewichtiger Mann schießt mit Pfeil und Bogen auf eine Garageneinfahrt. Sein Name ist Rainer Winklarson. Das Foto geht am Mittwochabend um die Welt, es soll den Attentäter von Kongsberg in Norwegen zeigen, der am Mittwochabend fünf Personen tötete. Medien verbreiten die Nachricht. Doch Rainer Winklarson gibt es nicht. Der Mann auf dem Foto heißt Rainer Winkler, ist 32 Jahre alt und stammt aus Altschauerberg in Mittelfranken. Bekannter ist er unter seinem Pseudonym als Youtuber: „Drachenlord“. Mit dem Attentäter von Norwegen hat er nichts zu tun.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Sein erstes Video veröffentlichte Winkler 2012. Seitdem kann man ihm auf Youtube beim Computerspielen zusehen, beim Headbangen zu Metal-Videos oder beim Kommentieren seines Alltags. In einigen Videos sitzt er oberkörperfrei in seinem Zimmer, spricht über Sexualpraktiken, beschimpft seine Zuschauer oder äußert sich rassistisch. Die Videos verbreiteten sich rasant. Mittlerweile hat er mehr als 150.000 Follower. Viele davon machen sich über ihn lustig oder nutzen Videosequenzen, um ihn in Parodien zu beleidigen.

          Internationale Medien übernahmen die Falschmeldung

          Eigentlich ist es sehr ruhig in dem 40 Einwohner zählenden Gemeindeteil Altschauerberg des Markts Emskirchen, in dem Winkler lebt. Doch im August 2018 verabredeten sich mehr als 800 Personen, um gemeinsam den „Drachenlord“ aufzusuchen. Durch den großen Ansturm entwickelte sich die Veranstaltung zu einem Medienereignis. Die Polizei musste eingreifen. Immer wieder versuchten Menschen seitdem, gewalttätig gegen Winkler zu werden. Online bekam er Spitznamen wie „Lustlord“, „Lügenlord“ oder „Ragelord“.

          Der Youtuber reagierte darauf und beleidigte seine Zuschauer ebenfalls immer heftiger. Genau diese Videos verbreiteten sich dann besonders stark – und befeuerten den Hass seiner Gegner weiter. 2019 wurde Winkler selbst gegenüber Besuchern vor seinem Haus gewalttätig. In der kommenden Woche steht er in Nürnberg wegen des Verdachts der Beleidigung und gefährlichen Körperverletzung vor Gericht. Er soll eine Person mit einer Taschenlampe geschlagen und dadurch verletzt haben. Es gibt auch Debatten darüber, ob ihm seine Youtube-Lizenz entzogen werden sollte.

          Einige User bezeichnen den Konflikt zwischen Winkler und seinen Feinden als „Drachengame“. Die Accounts, die sich diesem „Spiel“ verschrieben haben, sind nun auch für die Verbreitung des Bildes verantwortlich, das ihn als angeblichen Amokläufer von Norwegen zeigte. Winklarson habe seine Taten vorher angekündigt und auf seinem Youtube-Kanal auch seine Schießkünste unter Beweis gestellt, hieß es zu dem Bild am Mittwochabend in einem Tweet. Der eigentlich gut informierte Twitter-Account „Terror_Alarm“ verbreitete die Nachricht. Zahlreiche internationale Medien übernahmen die Falschmeldung. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa wies immerhin darauf hin, dass der Name Rainer Winklarson von der Polizei nicht bestätigt worden sei. Der tatsächliche Verdächtige von Norwegen war direkt nach der Tat ver­haftet worden. Es ist ein 37 Jahre alter Däne. Winkler hat zu den Falschnachrichten bisher nichts gesagt.

          „Entfesselte Hasskultur im Internet“

          Für das perfide Spiel der „Drachenlord“-Gegner gibt es Vorbilder: Der amerikanische Comedian Sam Hyde wurde mehrfach Opfer vergleichbarer Falschmeldungen, sogar CNN und BBC News verbreiteten nach einem Amoklauf Fotos von ihm als vermeintlichen Täter. Christian Scherg, Experte für Cybermobbing, nennt den Fall Winkler eine Zuspitzung, die die „entfesselte Hasskultur im Internet“ sichtbar mache.

          Die „Troll-Armeen“ schreckten „vor nichts mehr zurück“. Doch auch Winkler trage dazu bei, dass roten Linien überschritten würden. Wegen dessen Provokationen wäre es zu einfach, ihn als Opfer von Cybermobbing zu bezeichnen. Lars Grässer und Aycha Riffi vom Grimme-Institut haben sich in einer Studie mit dem Fall auseinandergesetzt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Winkler ein Einzelfall sei, der jedoch die allgemeine Verrohung und den Hass in den sozialen Medien sichtbar mache.

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