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Mord in Illerkirchberg : Ein Begräbnis und ein verzweifeltes Dorf

Trauernde in Illerkirchberg am Tatort eines Messerangriffs auf zwei Schülerinnen Bild: dpa

An der Trauerfeier für die getötete Jugendliche nehmen mehr als 1500 Menschen teil. Viele Trauergäste machen die Kommunalpolitiker mitverantwortlich für die Tat.

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          Zwei Tage nach ihrem gewaltsamen Tod ist die 14 Jahre alte Ece S. in Oberkirchberg südlich von Ulm beigesetzt worden. Die Beerdigung fand nach muslimischem Ritus auf dem Friedhof in Oberkirchberg statt. An der Trauerfeier nahmen mehr als 1500 Menschen teil. Viele gehören zur alevitischen Gemeinde und dem Freundeskreis der Familie.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Familie konnte am offenen Sarg auf dem Friedhof von dem Mädchen Abschied nehmen. Normalerweise soll ein muslimisches Begräbnis noch am Todestag stattfinden, was hier aufgrund der staatsanwaltlichen Ermittlung nicht möglich war. Die Obduktion ergab, dass Ece S. nach Stichverletzungen verblutete.

          Große Anteilnahme bei der Begräbnisfeier

          Die Trauergemeinde war so groß, dass Teile der muslimischen Begräbnisfeier auf den Parkplatz vor dem Friedhof verlegt werden mussten. An der Beerdigung nahmen auch der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) und die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier teil, die selbst in Oberkirchberg, einem Ortsteil von Illerkirchberg, aufgewachsen ist. Viele Mitschüler legten am Grab Blumen nieder. Eine Freundin der Verstorbenen hielt eine kurze Ansprache.

          Nach der Beerdigung machten viele Trauergäste noch einmal am Tatort halt, der etwa 1,5 Kilometer vom Friedhof entfernt im Tal liegt. Sie entzündeten am Tatort vor dem baufälligen kommunalen Flüchtlingsheim Kerzen und legten Blumen nieder. Viele türkischstämmige Frauen und Männer machten die Kommunalpolitiker mitverantwortlich für den Mord. „Es war bekannt, dass die Asylbewerber immer mal wieder Mädels und auch die Kinder des gegenüberliegenden Kindergartens belästigt haben“, sagte eine Mutter mehrerer Kinder aus Ulm. Es gibt auch zahlreiche gegenteilige Darstellungen: Flüchtlingshelfer berichten, dass sich die Asylbewerber aus Eritrea unauffällig verhalten hätten.

          Der mutmaßliche Täter, ein 27 Jahre alter Asylbewerber aus ­Eritrea, befindet sich mittlerweile im Haftkrankenhaus Hohenasperg. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Mordes und versuchten Mordes erlassen. Die Ermittler der Kriminalpolizei versuchen gerade das persönliche Umfeld des Verdächtigen aufzuklären. Er selbst macht von seinem Recht Gebrauch, die Aus­sage zu verweigern. Die Vernehmung der ebenfalls schwer verletzten Mitschülerin von Ece S. konnte noch nicht abgeschlossen werden. Weiterhin ist unklar, ob sich Opfer und Täter kannten. Es wird aber für möglich gehalten, dass die beiden Schülerinnen auf dem täglichen Schulweg entlang des Asylbewerberheims immer mal wieder belästigt worden sind.

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