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Tugce-Prozess : Wie hart schlug Sanel M. zu?

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte Sanel M. vor Gericht Bild: dpa

Die tödlichen Kopfverletzungen Tugce Albayraks wurden eher durch den Aufprall auf den Boden als durch den Schlag von Sanel M. verursacht – das legen zumindest bisherige Aussagen nahe. Ein Detail, das zunächst übergangen wurde, könnte Klarheit schaffen.

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          Im Prozess um die getötete Tugce Albayrak soll nun doch der Anästhesist gehört werden, der bei der Notversorgung der Studentin Fehler festgestellt haben will, die allerdings nach seiner eigenen Einschätzung den Tod der Studentin nicht verursacht haben. Die Aufmerksamkeit der Prozessparteien weckte am Mittwoch ein Detail aus der schriftlichen Stellungnahme des Anästhesisten, das zunächst übergangen worden war.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Demnach hat der Arzt des Offenbacher Klinikums in der Nähe von Albayraks rechter Schläfe ein „unterirdisches Hämatom“ festgestellt. Dies könnte Rückschlüsse auf die Vehemenz des Schlages zulassen, durch den Albayrak zu Boden gestürzt war. Die bisherigen Aussagen von Zeugen haben nahegelegt, dass die schweren Kopfverletzungen eher durch den unkontrollierten Aufprall Albayraks als durch den Schlag des Angeklagten Sanel M. verursacht wurden.

          Eine Situation wie viele andere

          Am Mittwoch sagten vor dem Landgericht Darmstadt weitere „neutrale“ Zeugen aus, die weder dem näheren Umfeld Albayraks noch dem Freundeskreis des Angeklagten zugerechnet werden können. Ihnen gemeinsam war, dass sie die Situation in dem Offenbacher McDonald’s nachts zwischen drei und vier Uhr, also kurz vor dem Schlag, als für Offenbacher Verhältnisse nicht außergewöhnlich konfliktträchtig wahrnahmen.

          Ein im Sicherheitsgewerbe tätiger junger Kampfsportler, der zusammen mit seinen Begleitern auf nachdrückliche Art („Ruhe jetzt, sonst schmeiß’ ich Euch raus“) beruhigend auf die Gruppe um M. eingewirkt hatte, sagte, er sei „schon 100.000 Mal in meinem Leben in so einer Situation gewesen“. Er war es auch, der auf der Toilette beim Händewaschen war, als Albayrak den beiden auf der Damentoilette sitzenden minderjährigen Mädchen angeblich zur Hilfe eilte und darüber mit dem Angeklagten in Konflikt geriet.

          Der Kampfsportler griff an dieser Stelle ein, nach seinen Angaben rein verbal. Er widersprach Darstellungen von Albayraks Freundinnen, wonach er den Angeklagten im Schwitzkasten von der Toilette aus in den Restaurantraum gezogen habe. Er sagte außerdem, die jungen Männer hätten etwas mehr beleidigt als die Frauen, „60:40 oder 70:30“, aber die Frauengruppe habe „nicht unbedingt dafür gesorgt, dass die Situation nicht eskaliert“.

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