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Artenschutz : Südafrika will den Nashorn-Schwarzmarkt fluten

Wilderer-Opfer: Getötetes Nashorn im Distrikt Waterberg 350 Kilometer nordwestlich von Johannesburg Bild: dpa

Südafrika will mit dem Verkauf von 16 Tonnen Hörnern von natürlich gestorbenen Rhinozerossen den Schwarzmarkt fluten. Das Land erhofft sich einen Preissturz und damit die Eindämmung der Wilderei.

          Die südafrikanische Regierung plant den Verkauf von 16 Tonnen Nashorn, um der Wilderei von Rhinozerossen in ihrem Land die Spitze zu nehmen. Bei dem von den Wildschutzbehörden gehorteten Horn handelt es sich um Hörner von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Südafrikaner wollen mit ihrer Aktion den Schwarzmarkt für Nashorn überschwemmen, damit die Preise drücken und so hoffentlich die Wilderei von Nashörnern eindämmen. Auf dem Schwarzmarkt erzielt ein Kilogramm gegenwärtig bis zu 50.000 Dollar. Nashorn wird vor allem in Asien als Heil- und Potenzmittel konsumiert.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Wie das für Wildschutz zuständige Wasser- und Umweltschutzministerium in Pretoria mitteilte, ist eine einmalige Versteigerung der Hörner rund um die 2016 in Südafrika stattfindende Cites-Konferenz (Washingtoner Artenschutzabkommen) vorgesehen. Die Behörden rechnen mit einem Erlös von bis zu elf Milliarden Rand (knapp eine Milliarde Euro), der den Naturschutzbehörden zugutekommen soll. Der Handel mit Nashorn ist gemäß den Richtlinien des Washingtoner Artenschutzabkommens seit 1977 verboten. Die südafrikanische Regierung will deshalb bei den Cites-Mitgliedstaaten eine Ausnahme erwirken, wie sie 2008 Südafrika, Namibia, Botswana und Zimbabwe für den Verkauf von Elfenbein gewährt worden war.

          Grenzzaun könnte wieder errichtet werden

          Ob der Plan allerdings aufgeht, der Wilderei durch Preisverfall den Garaus zu machen, will nicht einmal die zuständige Ministerin prophezeien. „Wir wissen nicht, was passieren wird“, sagte Wasser- und Umweltschutzministerin Edna Molewa, „aber so wie jetzt kann es nicht weitergehen. Wir stellen immer mehr Geld für die Armee zur Verfügung, für die Polizei und für die Wildhüter. Wir verhaften jeden Tag Wilderer, und am nächsten Tag sind neue Wilderer unterwegs. Wir müssen uns wirklich etwas Neues einfallen lassen.“

          Südafrika und vor allem der Kruger-Nationalpark sind zum Zentrum der Nashornwilderei auf dem Kontinent geworden. Seit Januar wurden am Kap 461 Rhinozerosse gewildert, so viele wie noch nie zuvor. Knapp 300 der getöteten Tiere wurden im Kruger-Park gefunden. Dort tobt inzwischen ein Krieg, bei dem seit 2008 insgesamt 280 Wilderer von Wildhütern und Soldaten erschossen wurden. Über die eigenen Verluste machen die Behörden keine Angaben. Die Situation ist jedenfalls derart kritisch geworden, dass die Parkverwaltung den pensionierten südafrikanischen Generalmajor Johan Jooste zum Kommandanten der 550 Ranger im Kruger ernannt hat. Der hochdekorierte Jooste gilt seit seiner Zeit im südafrikanisch-angolanischen Krieg als Spezialist für den Buschkampf.

          Die Verzweiflung ist inzwischen so groß, dass Südafrika nicht einmal mehr davor zurückschreckt, den Grenzzaun zwischen dem Kruger-Park und Moçambique wieder zu errichten und ihn wie zu Apartheidzeiten unter Starkstrom zu setzen. Der Zaun war bei der Gründung des grenzüberschreitenden Limpopo-Frontier-Parks, der den Kruger-Park mit den Schwemmgebieten des Limpopo-Flusses in Moçambique verbindet, eingerissen worden, um die Migration von Elefanten zu erleichtern und nebenher ein politisches Signal an das Nachbarland zu senden. Seither aber ist der Kruger-Nationalpark für die mehrheitlich aus Moçambique stammenden Wilderer offen wie ein Scheunentor. Entlang der Grenze gibt es in Moçambique ganze Dörfer, die von der Wilderei leben. Südafrika beherbergt 18.000 Breitmaulnashörner und 2600 der seltenen Spitzmaulnashörner. Das sind mehr als 90 Prozent aller in Afrika lebenden Rhinozerosse. Zwar werden in Südafrika nach wie vor mehr Nashörner geboren als gewildert. Doch sollte die Wilderei wie bisher weitergehen, wäre 2016 der Wendepunkt erreicht.

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