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Armbrust-Fall von Passau : Die Pfeile gingen mitten ins Herz

Das Zimmer in Passau hatten sie kurzfristig, erst Stunden vor ihrer Ankunft, reserviert. Hinweise darauf, dass sie sich im Alkoholrausch oder nach dem Konsum von Drogen zu der Tat entschlossen hatten, gibt es nach ersten Untersuchungen von Blut- und Urinproben bislang nicht. Die drei Gäste, die von anderen Reisenden als „auffällig“ beschrieben wurden, sollen sich nach ihrer Ankunft am Freitagabend mit Wasser und Cola auf ihr Zimmer zurückgezogen haben, wie die „Bild“-Zeitung schreibt. Die Frauen waren ganz in schwarz gekleidet, der Mann trug nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Anzug.

Der Mann betrieb ein Mittelalter-Geschäft

Dass die drei einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Bezug zu Rittertum und Mittelalter-Folklore haben müssen, legt die Tätigkeit des Mannes nahe: Im rheinland-pfälzischen Hachenburg hat er am Ortsrand im Gewerbegebiet ein Mittelalter-Geschäft namens „Milites Conductius“ betrieben. Der gleichnamigen Facebook-Seite zufolge verkaufte er dort Met, Weine, Messer und Schwerter. Abends kam dort eine Nähgruppe zusammen, um mittelalterliche Kleidung („Gewande“) zu erstellen. Die Lokalzeitung „Westerwald-Post“ beschrieb „Milites Conductius“ im Juli vergangenen Jahres als einen Verein, der alles biete, „was das mittelalterliche Herz begehrt“. Auf der zum Geschäft gehörenden Facebook-Seite wurden seit Juli 2018 regelmäßig Beiträge veröffentlicht: Sie geben Einblick in die Welt von Menschen, die vom Mittelalter fasziniert sind. Die jüngste Veröffentlichung stammt vom Mittwoch vergangener Woche – zwei Tage, bevor der Mann und seine Begleiterinnen in der Pension in Passau eintrafen: „Einige Eindrücke vom Mittelalterflohmarkt in Büdingen am Wochenende. In einer sehr schönen, historischen Stadt mit aktivem Mittelalterverein, klasse!!!“

Das Geschäft in Hachenburg bot auch „historische Kampfkünste, Brauchtumspflege, Spirituosen, Gewandung, Waffenkammer und Rüstungen“ an. Als Profilbild dient ein Ritter in voller Montur, als „Banner“, wie es auf der Seite heißt, ein Totenkopf, auf dem ein Raubvogel sitzt. Bei den Bewertungen heißt es, im Geschäft gebe es „eine wohlschmeckende Auswahl an Met und eine gute, freundliche Beratung“. Verkauft wurde ein „Odin-Trunk“, bei dem es sich offenbar um Honig-Bier handelt, außerdem „Kirsch-Met“ sowie „Beeren-Weine“.

Angepriesen werden die Messer und Säbel, die in „Handarbeit“ und unter Verwendung ausschließlich „traditioneller Techniken“ hergestellt würden. Möglich sei auch eine „persönliche und individuelle Herstellung von Messern und Schwertern speziell nach ihren Wünschen“. Dienstags um 16 Uhr fand sich, im vergangenen Jahr mehrmals, in dem Geschäft eine Frauengruppe für einen „Mittelalter Nähtreff“ zusammen. Um 18 Uhr gab es das „Schwertkampftraining“.

Geteilt wurde auf der Seite auch ein Video eines Wettkampfs in Neuseeland, bei dem sich Männer mit Schwertern und in voller Rittermontur bekämpfen. Fünf Prozent der Teilnehmer müssten am Ende ins Krankenhaus, heißt es darin. Von der Facebook-Seite wurde mehrmals auch auf verschiedene Veranstaltungen mit Bezug zum Mittelalter verwiesen. Etwa auf einen „Wikinger-Mittelaltermarkt“ im Hunsrück oder auf das „Mittelalterspectaculum“, eine Veranstaltung an wechselnden Orten, bei der die Teilnehmer sich mittelalterlich verkleiden und „Ritterturniere“ mit Wettkämpfen abhalten, Tänze aufführen, „Dudelsack-Workshops“ abhalten und vieles mehr.

Die Begeisterung für das Mittelalter ist seit Jahren ungebrochen. Vor allem das „live action role playing“ (Larp) findet immer mehr Anhänger. Im Netz kann man nicht nur die passenden Requisiten wie Schnallenstiefel, Gewänder aus Sackleinen oder Pfeil und Bogen bestellen. Es werden zudem viele Orte für Rollenspiele angeboten, bei denen sich Männer und Frauen aller Altersgruppen treffen können, um Phantasy-Geschichten mit mittelalterlicher Anmutung nachzuspielen.

Aber nirgends ist davon die Rede, dass man sich mit mittelalterlichen Waffen zum gemeinsamen Suizid verabredet.


Hilfe bei Suizidgedanken

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

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