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Argentinien : Gastland des Drogenbosses

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Henry de Jesús López Londoño alias „Mi Sangre“ war einer der meistgesuchten Drogenbosse des Kontinents. Bild: REUTERS

In Buenos Aires ist der kolumbianische Drogenboss „Mi Sangre“ festgenommen worden. Dass er sich in Argentinien aufhielt, ist kein Zufall. Das Land ist ein Rückzugsgebiet für Rauschgiftbanden geworden und wird auch als Transitland für Drogen immer wichtiger.

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          In Argentinien habe er sich mit Frau und Sohn niedergelassen, um ein ruhiges Leben zu führen und mit Autos Handel zu treiben, sagte Henry de Jesús López Londoño alias „Mi Sangre“ (Mein Blut) bei seiner Festnahme. Tatsächlich aber war der Kolumbianer unentwegt in Südamerika unterwegs. „Mi Sangre“ ist einer der am meisten gesuchten Drogenhändler Lateinamerikas, er hat Verbindungen zu den inzwischen aufgelösten kolumbianischen Paramilitärs und dem mexikanischen Kartell „Los Zetas“. Argentinien hatte er sich nicht ohne Bedacht als Rückzugsgebiet ausgesucht. Es war für ihn von allen Ländern in der Region dasjenige, in dem er am wenigsten befürchtete, gefasst zu werden.

          Im Mai war Londoño in Argentinien schon einmal festgenommen, doch aus Verfahrensgründen wieder freigelassen worden. „Mi Sangre“, der auch die Decknamen „El Salvador“ und „Carlos Mario“ trug, besaß gefälschte Pässe verschiedener lateinamerikanischer Länder. In Argentinien hatte er sechs Wohnsitze in geschlossenen Siedlungen und auf Landgütern. Er bewegte sich in Luxusfahrzeugen. In diesen hatten die argentinischen Fahnder Ortungsgeräte angebracht.

          Kolumbianische Polizeikräfte unterstützten Argentinien nun bei der Suche nach dem Drogenboss. „Mi Sangre“ wurde beim Abendessen in einem Restaurant der Stadt Pilar im Norden von Buenos Aires festgenommen. Er muss sich sicher gefühlt haben, denn an dem Abend hatte er keine Leibwächter dabei. Außer Kolumbien sind vor allem die Vereinigten Staaten auf seine Auslieferung erpicht.

          Der 41 Jahre alte, von den Sicherheitskräften als extrem gefährlich bezeichnete Drogenhändler stammt aus einem Armenviertel in der kolumbianischen Stadt Medellín. Dort erwarb er sich das Vertrauen von Anführern der paramilitärischen Gruppen, die sich nach ihrer Auflösung zu Rauschgiftbanden gewandelt haben. Er stieg zum Chef der „Urabeños“ auf und brachte den Drogenhandel unter seine Kontrolle. Für das Kartell der „Zetas“ in Mexiko wurde Londoño nach Auskunft der kolumbianischen Polizei zu einem der wichtigsten Kokainlieferanten.

          Die Regierung bekämpft die Drogenkriminalität nicht entschlossen

          Offenbar wegen des immer stärkeren Fahndungsdrucks hat „Mi Sangre“ Kolumbien vor einem Jahr verlassen und sich Argentinien als Gastland erwählt. Bei seinen Reisen nach Ecuador, Venezuela, Uruguay, Paraguay, Brasilien, Panama und Mexiko, bei denen er sich als Geschäftsmann ausgab, entging er mehrfach der Festnahme. Argentinien, das im südamerikanischen Rauschgifthandelsnetz lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielte, ist inzwischen zu einem wichtigen Konsumland und zu einer immer bedeutenderen Basis für den „Export“ von Drogen vor allem aus Kolumbien und Peru nach Europa geworden.

          Capos wie „Mi Sangre“ können sich nach Ansicht von Fachleuten in Argentinien vergleichsweise sicher fühlen, weil die Regierung der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner den illegalen Rauschgifthandel nicht entschlossen genug bekämpft und die öffentliche Diskussion über die wachsende Kriminalität im Land tabuisiert. Die Drogenhändler aus Kolumbien, Peru, Bolivien und anderen Produktionsländern haben in Argentinien auch deshalb leichtes Spiel, weil die Polizeikräfte vor allem in den Provinzen anfällig für Korruption und auf vielfältige Weise in kriminelle Machenschaften verstrickt sind.

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