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Arabische Kriminelle in Deutschland : Das regeln wir unter uns

Wer sind hier eigentlich die Angeklagten?

Zweiter Prozesstag: Ein Anwalt attackiert den Staatsanwalt, der versucht haben soll, seinen Mandanten zu beeinflussen. Wie sich herausstellt, hat der Verteidiger die Fakten nicht richtig dargestellt. Aber vorübergehend sieht es so aus, als stehe der Vertreter der Anklage am Pranger. Das Gericht schmettert den Antrag ab.

Dritter Prozesstag: Nidals zwei jüngere Brüder, die die Aussage verweigern werden, können erst am Nachmittag vernommen werden. Vorher zitieren die Verteidiger zwei Zivilpolizisten in den Zeugenstand, die im Zuschauerraum gesessen hatten. Der Verdacht: Sie könnten polizeiliche Zeugen mit Informationen versorgen, um den Prozess zu beeinflussen. Plötzlich befinden sich die Beamten im Kreuzverhör. Schneidende Fragen, Anwälte mit erhobenem Zeigefinger und Oberlehrerblick. Wer sind hier eigentlich die Angeklagten?

In einer Prozesspause baut sich der Beschuldigte Abdallah K. vor den Polizisten auf. Er grinst breit: „Die haben Sie ja richtig in die Mangel genommen“, sagt er. Der Ermittler verteidigt sich: „Das ist eine schöne Art, vom eigentlichen Prozessgeschehen abzulenken. Das machen Anwälte ja gern.“

Die Familie fühlt sich allein wegen ihres Namens verfolgt

Beides stimmt. Der Punktsieg geht aber an die Strafverteidiger. Dass die Polizei Prozesse beobachtet, ist zwar legitim. Aber wer wie diese Beamten an den Ermittlungen beteiligt war und deshalb als Zeuge in Frage kommt, darf nicht in der Hauptverhandlung sitzen. Selbst schuld, wer sich diese Blöße gibt. Schwerer noch wiegt die symbolische Niederlage: Repräsentanten des Rechtsstaats mit dem Rücken zur Wand, und das über Stunden, vor Publikum. „Die sind auch nicht so sauber, wie sie aussehen“, triumphiert einer der Angeklagten. „Die sind Lügner“, kommentiert ein Bruder aus dem Zuschauersaal.

In der Vergangenheit sind Mitglieder der Familie R. wiederholt mit spektakulären Einbrüchen in Verbindung gebracht worden. Jetzt fühlen sie sich allein ihres Namens wegen verfolgt. Die Angeklagten sind zwischen 27 und 42 Jahre alt; kräftige Körper, kantige Stirnen und gerundete Bäuche. Ein Koch, ein Autolackierer, zwei haben keinen Beruf gelernt. Drei sind Familienväter, einer davon sitzt in Untersuchungshaft, weil er geschossen haben soll. Die Hemden sind gebügelt, das Deutsch wird besser, je jünger sie sind. Der Älteste tritt Journalistinnen gegenüber unverschämt auf. Die anderen machen einen sympathischen Eindruck und geben sich verbindlich.

Der Bruder will vor Gericht etwas loswerden

Einer der älteren Brüder, der nichts mit der Schießerei zu tun hat, Betreiber einer Shisha-Bar, steht in der Mittagspause vor dem Gerichtsgebäude. Seit 27 Jahren lebe man in Neukölln, sagt der Mann, seine Brüder und Nidal seien gemeinsam aufgewachsen. Aber Nidal habe aus heiterem Himmel angegriffen. Ein jüngerer Araber tritt hinzu, offenbar will er ihn stoppen. Auf Deutsch ruft er: „Es gibt keinen Streit mehr. Die Sache hat sich erledigt. Ein Unschuldiger sitzt drinnen. Er hat nicht geschossen.“

Aber der Bruder will etwas loswerden: „Als Ausländer sieht man von Kripo als böse an. Weil wir sind Großfamilie. Aber nicht alle von Familie R. sind Kriminelle. Es gibt gut, es gibt schlecht.“ Auch die Deutschen seien nicht alle Nazis gewesen. Und niemand dürfe auf ewig für seine Vergangenheit verantwortlich gemacht werden.

Ein blutiger Streit ist kein Einzelfall

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