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Ansbach : Amokläufer gesteht - auch heute kaum Mitleid

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Mit Kapuze und Brille erschien der Angeklagte vor Gericht Bild: APN

Der Amokläufer aus Ansbach hat am ersten Prozesstag in nicht-öffentlicher Sitzung seine Attacke mit 15 verletzten Schülern zugegeben. Gefragt nach den Gefühlen, sagte der 19 Jahre alte Angeklagte einem Gerichtssprecher zufolge, sein Mitleid halte sich aktuell in Grenzen.

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          Sieben Monate nach dem Amoklauf in einer Schule im fränkischen Ansbach hat der Angeklagte vor Gericht die Tat gestanden. Der Neunzehnjährige ließ am ersten Prozesstag von seinem Anwalt eine Erklärung verlesen, in der er die Attacke mit 15 Verletzten zugab. Nach Angaben eines Justizsprechers korrigierte Georg R. in der nicht- öffentlichen Verhandlung am Donnerstag nur wenige Details der Anklage. So habe er die zum Tatort geeilten Polizisten nicht töten wollen, sondern gehofft, sie würden ihn erschießen.

          Gefragt nach seinen Gefühlen für die Opfer sagte der junge Mann dem Sprecher zufolge, sein Mitgefühl würde sich aktuell in Grenzen halten. Bei Flashbacks - dem Wiedererleben früherer Erlebnisse - erschrecke er jedoch und empfinde Scham. „Er würde sich wünschen, die Zeit zurückdrehen zu können“, sagte der Justizsprecher. „Er hat fast wörtlich gesagt, er strebt das Ziel an, Mitleid zu empfinden.“ Bei seinen Opfern entschuldigt hat sich der psychisch Kranke bisher nicht.

          Der 19-Jährige ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Die Anklage wirft ihm unter anderem versuchten Mord in 47 Fällen vor. Er war laut Anklage am 17. September vergangenen Jahres bewaffnet mit Molotow-Cocktails, einem Beil, einem Hammer und mehreren Messern in seine Schule eingedrungen. In zwei Klassenräumen zündete er die selbstgebauten Brandsätze, außerdem schlug er mit seinem Beil um sich. Einem Mädchen fügte er durch Axthiebe lebensbedrohliche Kopfverletzungen zu. Insgesamt verletzte der Abiturient der Anklage zufolge dreizehn Schüler und zwei Lehrer zum Teil schwer. Bevor Georg R. durch Schüsse eines Polizisten außer Gefecht gesetzt wurde, hatte er sich demnach noch versucht, sich umzubringen.

          Georg R. habe heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln versucht, Menschen zu töten, heißt es in der Anklageschrift. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft handelte der Angeklagte aus „Hass gegen die Menschheit im Allgemeinen und gegen die Institution Schule“. Es sei davon auszugehen, dass Georg R. weitere „erhebliche rechtswidrige Taten“ begehen werde. Er sei deshalb „für die Allgemeinheit gefährlich“.

          Wegen einer gravierenden Persönlichkeitsstörung gilt der Angeklagte als vermindert schuldfähig, er ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das Landgericht Ansbach schloss zum Prozessbeginn die Öffentlichkeit weitgehend aus. Sie war am Donnerstag nur zur Anklageverlesung zugelassen. Für den 29. April ist das Urteil geplant. Dann soll die Öffentlichkeit auch wieder zugelassen werden.

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