https://www.faz.net/-gum-8meuq

Sicherheitsexperte erklärt : Woran erkenne ich einen Terroristen?

„Diese Bilder werden Sie im schlimmsten Falle nie wieder los“: Ruinen des World Trade Centers Bild: dpa

Wie wir Attentäter erkennen und uns vor ihnen schützen können, erklärt der Sicherheitsexperte Florian Peil im Gespräch. Auch für den Umgang mit der eigenen Angst gibt es Strategien.

          6 Min.

          Herr Peil, wenn Sie der Nachbar des mutmaßlichen Terroristen Jaber Albakr gewesen wären, der sich in der Haft getötet hat – hätten Sie dann gemerkt, dass er eine Bombe baut?

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vermutlich nicht. Bei der Herstellung einer Bombe und der Verarbeitung der Chemikalien können zwar starke und ungewöhnliche Gerüche entstehen. Der Sprengstoff Semtex zum Beispiel riecht beißend nach Marzipan oder Mandel. Das in Chemnitz verwendete TATP ist aber in Sachen Geruch unauffällig. Da brauchten Sie schon einen Hund, der auf die Erkennung von Sprengstoffen trainiert ist. Es gibt allerdings eine Reihe von anderen Hinweisen, die auf den Bau eines Sprengsatzes hindeuten können: Wenn jemand sich ungewöhnlich verhält. Ist der neue Nachbar sehr scheu, meidet er den Kontakt, empfängt er keine Post und öffnet er nicht, wenn es klingelt? Das wird zwar in 99 Prozent der Fälle keine Bedeutung haben, kann aber andererseits auch ein Hinweis darauf sein, dass er etwas zu verbergen versucht. Oder wenn Sie Ihren Nachbarn dabei beobachten, wie er größere Mengen an Chemikalien in seine Stadtwohnung schleppt, etwa Düngemittel. Dann kann das ein Alarmzeichen sein, und Sie sollten die Polizei informieren. Grundsätzlich gilt: Wer weiß, worauf er achten muss, nimmt Anschlagsvorbereitungen eher wahr als jemand, der das nicht weiß.

          Aber manchmal können Beobachtungen ja auch schwer zu interpretieren sein. Kürzlich saß ein Bekannter von mir in einem Café, und da kam ein arabisch aussehender Mann mit Bart herein. Er sah sich suchend um, dann deponierte er eine gefüllte Plastiktüte unter einem Barhocker und ging wieder hinaus. Mein Bekannter hat sich leicht unwohl gefühlt. Finden Sie das übertrieben?

          Nein, ich finde das absolut nachvollziehbar. Durch die ständige Berichterstattung der Medien über das Thema Terrorismus sind die Menschen natürlich sensibilisiert. Und das Verhalten des Mannes war ja wirklich ungewöhnlich. Die große Gefahr besteht allerdings darin, dass irgendwann jeder arabisch aussehende Mensch als potentieller Terrorist wahrgenommen werden könnte. Zu einer solchen Entwicklung darf es nicht kommen. Denn die überwältigende Mehrheit dieser Menschen sind ja keine Terroristen, sondern genauso gegen den Terrorismus wie alle anderen auch. Ich finde aber die Frage spannend, was man tun sollte, wenn man als Betroffener in so eine Situation hineingerät.

          Florian Peil
          Florian Peil : Bild: privat

          Was denn?

          Wenn Ihnen etwas auffällt, was eine potentielle Bedrohung darstellen könnte, konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf diese Sache. Bezogen auf die Situation mit der Plastiktüte, bedeutet das: Beobachten Sie, ob der Mann wiederkommt und eventuell weitere Tüten bringt. Wenn er das nicht bald tut, zögern Sie nicht lange, sondern nähern Sie sich vorsichtig der Tüte, ohne sie anzufassen. Versuchen Sie zu erkennen, was drin ist. Sehen Sie lediglich ein paar Stangen Lauch, prima. Dann ist die Sache erledigt. Können Sie nichts erkennen, dann fragen Sie beim Personal nach, ob es den Mann kennt. Vielleicht ist er ein Mitarbeiter aus der Küche? Ist der Mann unbekannt, dann informieren Sie so schnell wie möglich die anderen Gäste und verlassen Sie das Lokal. Während Sie Abstand zwischen sich und die mögliche Bombe bringen, rufen Sie die Polizei.

          Mein Bekannter hat tatsächlich gefragt, ob jemand den Mann kennt, und er war ein Mitarbeiter aus der Küche.

          Sehr gut, dann hat er richtig gehandelt. Viele Leute denken ja, sie müssten Terroristen mit den eigenen Händen unschädlich machen, so wie in Hollywood-Filmen. Aber das ist Unsinn. In Wirklichkeit genügen wenige einfache Sachen: aufmerksam sein, die Situation zu erfassen versuchen, entscheiden, was zu tun ist – also in die Tüte reingucken – und handeln – also weglaufen, falls man keine Entwarnung geben kann, und die Polizei informieren.

          Weitere Themen

          Alles nur Symbolik?

          Abschiebungen nach Syrien : Alles nur Symbolik?

          Wieder ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Gefährder und Straftäter nach Syrien abgeschoben werden sollten. Dabei sind die rechtlichen und praktischen Probleme unverändert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.