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Ist der Joker ein „Incel“? : Einsam, weiß, männlich und zurückgewiesen von Frauen

  • -Aktualisiert am

Ein typischer „Incel“? Joaquin Phoenix als Arthuer Fleck in „Joker“ Bild: Courtesy of Warner Bros. Enterta

„Incels“, so nennen sich sexuell frustrierte Männer, die vereint sind im Hass gegen Frauen – und im Neid gegen Männer, die mit diesen Frauen zusammen sind. Der Psychothriller „Joker“ schürt nun in Amerika die Angst vor Gewalt durch Incels.

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          Rote Teppiche sind amerikanischen Kinobesuchern vertraut, massiver Polizeischutz bei Premieren weniger. Doch nach Warnungen vor möglichen Anschlägen bei Vorführungen von Todd Phillips’ Psychotriller „Joker“, der derzeit in Kinos von Los Angeles bis New York gezeigt wird, macht sich in den Vereinigten Staaten Anspannung breit. Die amerikanische Bundespolizei FBI und das Verteidigungsministerium hatten schon vor Wochen zur Vorsicht gemahnt. Im Darknet waren sie auf Gewaltphantasien von „Incels“ gestoßen. So nennen sich in den Foren männliche Nutzer, die keine Frauen abbekommen, sexuell frustriert sind. Abgeleitet ist der Begriff von den Worten „involuntary“ und „celibacy“, bedeutet also „unfreiwilliges Zölibat“. Auch Stephan B., der Attentäter von Halle, soll dieser Bewegung nahegestanden haben. Auch er fabulierte im Zusammenhang mit seinen Anschlagsplänen von sexuell gefügigen Frauen.

          Seit der Veröffentlichung des ersten Trailers von „Joker“ hatten sich Incels in den Tiefen des Internets auch über den Film ausgetauscht. Sie verwiesen auf die Ähnlichkeit der Hauptfigur des Psychothrillers mit Incels: einsam, weiß, männlich und zurückgewiesen von Frauen. „Wird der Film jemanden ermuntern, ER nachzueifern?“, wurde in den Chatrooms gefragt. „ER“ spielte auf Elliot Rodger an. Der Student hatte 2014 in der Nähe des Campus der University of California in Isla Vista sechs Menschen getötet und weitere 14 verletzt. Bevor er Suizid beging, lud der Zweiundzwanzigjährige ein Video hoch. Unter dem Titel „Elliot Rodgers Rache“ schwadronierte er über Frauen, die romantische Gefühle nicht erwiderten, und Männer, die er um ihre Partnerinnen beneidete. Rodger gilt inzwischen als Galionsfigur der amerikanischen Incel-Bewegung.

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