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Prozessauftakt in Landau : Angeklagter im Fall Kandel will aussagen

  • -Aktualisiert am

Polizisten vor dem Landgerichtsgebäude in Landau Bild: EPA

Monatelang wurde diskutiert, demonstriert, polemisiert. Der Tod der 15-jährigen Mia aus Kandel hat Deutschland bewegt. Seit Montag steht Mias mutmaßlicher Mörder Abdul D. vor Gericht.

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          Im rheinland-pfälzischen Landau hat am Montag vor dem Landgericht der Prozess gegen einen afghanischen Asylbewerber begonnen, dem vorgeworfen wird, ein fünfzehnjähriges Mädchen in Kandel ermordet zu haben. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, er begann mit Verzögerungen. Zunächst waren nach Angaben eines Gerichtssprechers Prozessbeteiligte nicht erschienen, zudem hatte das Gericht dem Antrag des Verteidigers für einen Austausch des Dolmetschers stattgegeben. Vorgesehen waren für Montag neben dem Verlesen der Anklageschrift auch die Vernehmung von Sachverständigen und Zeugen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Der Verteidiger hatte angekündigt, dass sich sein Mandant zu „Person und Sache“ äußern werde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Abdul D. Mord vor. Er soll die fünfzehnjährige Mia am 27. Dezember 2017 in einem Drogeriemarkt in Kandel aus niederen Beweggründen, „aus übersteigerter Eifersucht und Rache aufgrund seiner kulturellen Herkunft“, erstochen haben, wie der Gerichtssprecher sagte. Mia hatte sich dem Gericht zufolge einen Monat vor der Tat von Abdul D. getrennt.

          Im Prozess dürfte das Alter des Angeklagten eine entscheidende Rolle spielen. Gutachten kamen zu dem Schluss, dass er mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt ist. Aufgrund der Unklarheit, ob Abdul D. volljährig ist, findet der Prozess nach Jugendstrafrecht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei einem Alter zwischen 18 und 21 Jahren gelte der Angeklagte juristisch als Heranwachsender, dann wäre seine „sittliche Reife“ entscheidend dafür, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden könnte, sagte der Sprecher des Landgerichts.

          Bei Heranwachsenden, die nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, ist bei Mord und einer besonderen Schwere der Schuld eine Höchststrafe von 15 Jahren möglich. Das Erwachsenenstrafrecht sieht bei Mord eine lebenslange Haftstrafe vor. Für den Prozess sind rund 80 Zeugen geladen und bisher zwölf weitere Verhandlungstage bis zum 29. August angesetzt. Zum Auftakt galten rund um das Gerichtsgebäude strenge Sicherheitsvorkehrungen.

          Der Mord an dem Mädchen hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, in Kandel gab es mehrere Demonstrationen. Der Angeklagte war im April 2016 ohne Ausweispapiere eingereist und als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling registriert worden. Er ging in Kandel zu Schule und lernte dort das Mädchen kennen. Im Februar 2017 wurde sein Asylantrag abgelehnt. Wegen eines Abschiebeverbots durfte er vorerst bleiben. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden faktisch aus der Bundesrepublik nicht abgeschoben.

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