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Amoktat von Aurora : Mutmaßlichem Schützen wird der Prozess gemacht

  • -Aktualisiert am

James Holmes auf einer Zeichnung von der Anhörung vor dem Gericht in Centennial. Bild: REUTERS

James Holmes, der im vergangen Juli in einem Kino mehrere Menschen erschossen haben soll, muss vor Gericht. Das entschied der Richter nach einer mehrtägigen Anhörung.

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          Der frühere Student James Holmes wird nach den Schüssen in einem Kino im amerikanischen Aurora (Colorado), durch die 12 Menschen starben und 58 weitere Personen verletzt wurden, vor Gericht gestellt. Nach einer dreitägigen Anhörung vor dem Obersten Bezirksgericht in Centennial entschied der Richter William Sylvester am Donnerstagabend (Ortszeit), dass die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise einen hinreichenden Verdacht zuließen. Wie die Ankläger gezeigt hatten, betrat Holmes am 20. Juli bei der nächtlichen Premiere des Films „Batman - The Dark Knight Rises“ schwerbewaffnet das Kino Century 16, um mit einem halbautomatischen Sturmgewehr auf das Publikum zu schießen.

          Nach den bisherigen Ermittlungen soll der als Einzelgänger bekannte Fünfundzwanzigjährige während eines 27 Sekunden langen Notrufs eines Verletzten mehr als 30 Schüsse auf die schreienden Menschen abgegeben haben. „Es war ihm gleichgültig, wen er tötete. Er wollte alle töten“, sagte die Staatsanwältin Karen Pearson. „Er wählte einen Ort mit vielen Menschen auf engem Raum, die kaum flüchten konnten.“ Gegen den früheren Studenten der Neurowissenschaften, der wenige Woche vor dem Attentat aus weiterhin unbekanntem Grund aus dem Doktorandenprogramm der University of Colorado ausschied, liegen mehr als 160 Anklagepunkte vor, darunter Mord, versuchter Mord und Verstoß gegen das Waffengesetz. Ihm droht die Todesstrafe. Die für Freitag geplante Verlesung der Anklage, bei der sich der Angeklagte schuldig oder nicht schuldig bekennt, wird jedoch voraussichtlich verschoben. Wie Holmes’ Verteidiger am Donnerstag mitteilten, sei der mutmaßliche Attentäter noch nicht bereit für die Entscheidung. Eigene Zeugen hatte die Verteidigung während der Anhörung nicht aufgerufen.

          „Er ist sehr, sehr kalt“

          Während die Anwälte wiederholt psychische Störungen ihres Mandanten andeuteten, beschrieb die Staatsanwaltschaft Holmes als kaltblütigen Mörder. Wie die Ankläger in den vergangenen Tagen durch Zeugenaussagen belegten, hatte der frühere Student schon im Mai begonnen, Tränengas, Chemikalien zur Herstellung von Napalm und Waffen zu kaufen oder im Internet zu bestellen. Nach dem Attentat fand die Polizei neben dem Sturmgewehr auch eine Schrotflinte, zwei Pistolen des Herstellers Glock und etwa 6300 Ladungen Munition. Seine Wohnung hatte Holmes zudem mit einem System von Sprengfallen und Stolperdrähten versehen, die das Gebäude in Brand setzen sollten, um die Einsatzkräfte abzulenken. Als die Polizei den schwarzgekleideten Attentäter nach den Schüssen auf dem Parkplatz des Kinos festnahm, gab er den Ermittlern jedoch einen Hinweis. Nach großräumigen Evakuierungen konnten die Sprengfallen damals entschärft werden.

          Bestürzung lösten in den vergangenen Tagen vor allem die Fotos aus, die die Staatsanwaltschaft bei der Anhörung vorlegte. Die Aufnahmen, von Holmes wenige Stunden vor den Schüssen mit einem Smartphone aufgenommen, zeigten den Fünfundzwanzigjährigen mit schwarzen Kontaktlinsen und rotgefärbten Haaren unter einer schwarzen Maske. Auf anderen Fotos posierte er lachend oder mit ausgestreckter Zunge neben Waffenläufen. Bei der Präsentation der Bilder im Gerichtssaal soll Holmes, der während der Anhörung meist teilnahmslos blieb, gelegentlich gelächelt haben. „Er ist kein bisschen verrückt. Er ist nur sehr, sehr kalt“, sagte Tom Teves, der Vater des getöteten 24 Jahre alten Alex Teves. Wie Überwachungskameras festhielten, hatte Holmes schon zwei Wochen vor dem Attentat das Kino besucht, um ein Ticket zu kaufen. Zur Vorbereitung soll er später auch Aufnahmen der Säle und Türen gemacht haben. Trotz der Eintrittskarte hatte Holmes das Century 16 in der Nacht des 20. Juli durch einen Notausgang betreten, den er durch eine Metallklemme entsperrte. Nach der Fülle von Beweisen, die die Staatsanwaltschaft bei der Anhörung präsentierte, erwarten Beobachter, dass die Verteidigung den mutmaßlichen Täter als schuldunfähig darstellt, um der Todesstrafe zu entgehen. „Die Unzurechnungsfähigkeit ist in der Regel der letzte Ausweg“, sagte der forensische Psychiater Robert Fairbairn der „Denver Post“.

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