https://www.faz.net/-gum-6zjel

Amoklauf von Winnenden : BGH hebt Urteil gegen Vater des Schützen auf

  • Aktualisiert am

Tim K. hatte am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule in Winnenden sowie auf der Flucht insgesamt 15 Menschen erschossen und 14 weitere verletzt. Danach erschoss er sich. Bild: DAPD

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden aufgehoben. Er war wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nun muss der Prozess neu aufgerollt werden - wegen eines Verfahrensfehlers.

          1 Min.

          Der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob das Urteil gegen den 53 Jahre alten Mann auf. Als Begründung nannten die Richter in dem Beschluss vom 22. März Verfahrensfehler. Die Verteidigung habe keine Gelegenheit gehabt, eine Familientherapeutin als wichtige Zeugin zu befragen, heißt es in dem Beschluss (Az.: 1 StR 359/11). Der BGH verwies das Verfahren an eine andere Jugendkammer des Landgerichts Stuttgart zurück.

          Das Gericht hatte den Vater des Amokläufers Tim K. im Februar vergangenen Jahres wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Sein Sohn hatte am 11. März 2009 in seiner früheren Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) und auf der Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte sein Vater zuvor unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt.

          Jens Rabe, Anwalt einiger Nebenkläger, reagierte am Montag auf den BGH-Beschluss mit Unmut: „Das ist sehr ärgerlich und für die Angehörigen sehr belastend.“ Vom BGH selbst war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten; ebenso wenig wie von den beiden Anwälten des Vaters: Ihnen liege der Beschluss noch nicht vor, sagten Hans Steffan und Hubert Gorka.

          Da sich der BGH in seiner Begründung lediglich auf einen Verfahrensfehler bezieht, geht Rabe davon aus, dass das Gericht den Mann auch bei dem neu aufgerollten Prozess wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilen müsste.

          In der Gerichtsverhandlung hatten die Richter auch eine Therapeutin befragt, die die Familie des Amokläufers am Tattag betreut hatte und ihr auch später noch beistand. Sie hatte sich bei ihrer Aussage in Widersprüche verwickelt und sich dann auf ihr Aussageverweigerungsrecht berufen. Dass die Verteidigung zu keiner Zeit Gelegenheit hatte, die Zeugin zu befragen, sei zu Recht beanstandet worden, so die BGH-Richter.

          Die Verteidiger des Vaters hatten gegen das Urteil im Juni 2011 beim BGH Revision eingelegt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gergely Karácsony auf einer Aufnahme vom März 2018

          Kommunalwahlen in Ungarn : Orbans Fidesz verliert Budapest

          In Ungarns Großstädten hat die Partei von Regierungschef Viktor Orban einen schweren Stand. Der künftige Bürgermeister von Budapest will die Hauptstadt „transparent, solidarisch und grün“ machen.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.