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Nach Amoklauf : Thailand unter Schock

Bild: AFP

Ein Soldat hat bei einem Amoklauf in Thailand 26 Menschen getötet und 57 verletzt. Sein letztes Opfer war ein Polizist, der in einem Schusswechsel mit dem Amokläufer getötet wurde.

          2 Min.

          Thailand steht nach dem blutigen Amoklauf unter Schock. „Eine solche Situation hat Thailand noch nicht erlebt“, sagte der Ministerpräsident, der ehemalige General Prayuth Chan-ocha. „Und es darf nie wieder passieren.“ Der Soldat Jakkrapanth Thomma habe bei seinem Amoklauf in Nakhon Ratchasima 26 Menschen getötet und 57 verletzt, teilte der Regierungschef am Sonntag bei einem Besuch in der Stadt im Nordosten des Landes mit. Der Regierungschef verteidigte den langwierigen Polizeieinsatz.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der rund 17 Stunden lang dauernde Amoklauf begann am Samstag am Militärstützpunkt Surathampithak im Nordosten des Landes. Dort nahm der Soldat Waffen und Munition an sich und tötete seinen Vorgesetzten und zwei weitere Personen. Von dem Stützpunkt fuhr er in einem gestohlenen Militärwagen in das Einkaufszentrum „Terminal 21“, das am Samstagabend gut besucht war. Dort schoss er wahllos auf Verkehrsteilnehmer und Kunden. Dann verschanzte er sich rund zwölf Stunden lang in dem Einkaufszentrum, zuletzt in einem Supermarkt. Laut thailändischer Presse war sein letztes Opfer ein Polizist, der in einem Schusswechsel mit dem Amokläufer getötet wurde. Am Sonntagmorgen gegen neun Uhr schließlich wurde der Mann von einem Polizeikommando erschossen.

          Das Motiv des Täters war zunächst unklar. Nach Angaben des Regierungschefs hatte sich der Bewaffnete wegen eines Grundstücksgeschäfts mit einer Verwandten des Vorgesetzten mit dem Kommandeur gestritten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums hatte zuvor gesagt, es gebe keine Erklärung für die Tat. „Es sieht so aus, als sei er verrückt geworden.“ Der Täter übertrug einen Teil seines Amoklaufs live auf Facebook. „Ich bin müde“, sagte er auf einem der Videos in die Kamera. „Ich kann meinen Finger nicht mehr bewegen.“ Kurz danach brach der Livestream ab.

          Bis in die Morgenstunden war aus dem Einkaufszentrum immer wieder Gewehrfeuer zu hören. Aufnahmen zeigten Hunderte Menschen, die am Abend in Panik aus dem Einkaufszentrum flohen. „Ich bin dankbar, dass ich überlebt habe“, sagte die 48 Jahre alte Sottiyanee Unchalee der Agentur AFP. Sie habe sich in der Toilette eines Fitnesscenters versteckt, als sie die Schüsse hörte. „Es tut mir so leid für diejenigen, die gestorben sind.“ Die Öffentlichkeit war von der Polizei angehalten worden, sich von dem Gebiet fernzuhalten und zu Hause zu bleiben.

          Die Stadt Nakhon Ratchasima, auch unter dem Namen Korat bekannt, ist Standort einer der größten Militärkasernen Thailands. Nach dem Amoklauf warfen einige Kommentatoren die Frage auf, ob die Waffenarsenale des Militärs ausreichend geschützt seien. Das Militär spielt in der thailändischen Politik und Gesellschaft eine hervorgehobene Rolle. Zuletzt hatte es die Macht im Jahr 2014 bei einem Coup an sich gerissen. Der damalige Putschgeneral Prayuth zeigte sich bei seinem Besuch am Tatort am Sonntag wie schon bei früheren Gelegenheiten dünnhäutig. Er fuhr ausländische wie thailändische Journalisten bei einem Pressetermin wütend an. Bei einem Besuch von Verletzten im Krankenhaus zeigte er sich dann freundlicher.

          Eine solche Massenschießerei mit Dutzenden Opfern hatte es in Thailand noch nicht gegeben. Dabei hat das Land eine der höchsten Todesraten durch Schusswaffen in Asien. Nach offiziellen Angaben gibt es in Thailand mit rund 69 Millionen Menschen mehr als sechs Millionen registrierte Schusswaffen. Hinzu kommen nach Schätzungen bis zu vier Millionen Gewehre und Pistolen, die illegal erworben wurden. Auch kommt es immer wieder zu Terroranschlägen, vor allem im muslimisch geprägten äußersten Süden des Landes. Dort sind bei Anschlägen durch Separatisten seit 2004 mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen.

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