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Amokläufer von Oregon : Ein einsamer Mann mit 13 Waffen im Schrank

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Trauer in Roseburg: In der 20.000-Einwohner-Stadt in Oregon kamen bei einem Amoklauf zehn Menschen um. Bild: AFP

Er war ein Waffennarr und zeigte zunehmend Interesse an anderen Amokläufern: Das Bild von Christopher Harper-Mercer, der in Oregon neun Menschen und sich selbst tötete, nimmt immer mehr Kontur an.

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          Christopher Harper-Mercer war bei seinem Amoklauf in einem College im amerikanischen Bundesstaat Oregon schwer bewaffnet. Von seinen insgesamt 13 Waffen habe die Polizei sieben am Tatort in Roseburg und sechs bei ihm zu Hause entdeckt, sagte Celinez Nunez von der Bundespolizei ATF. Außerdem fand die Polizei neben seinem Gewehr am College eine schusssichere Weste und fünf Magazine. Den Ermittlern zufolge hatte sich der Schützen offenbar auf eine längere Belagerung durch die Polizei eingestellt. Dazu kam es jedoch nicht. Nachdem Harper-Mercer neun Menschen erschossen und sieben weitere verletzt hatte, wurde er bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt. Dann richtete er sich selbst.

          Ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge könnte die Tat religiös motiviert sein. Laut Augenzeugen soll Harper-Mercer gezielt Christen ins Visier genommen haben, seine Opfer nach ihrer Religion gefragt und Christen in den Kopf geschossen haben, anderen dagegen ins Bein oder auf eine andere Stelle ihres Körpers.

          In ihm zugeschriebenen Profilen in sozialen Netzwerken beschreibt sich Harper-Mercer als „nicht religiös, aber spirituell“ und zeigt Interesse an der bewaffneten irischen Untergrundorganisation IRA. Im veralteten Profil einer Website zur Partnersuche bezeichnet er sich laut „New York Times“ als „introvertierten“ Menschen, der eine Abneigung gegen „organisierte Religion“ habe.

          Schütze hinterließ ein Manifest

          Bei der Suche nach dem Motiv von Harper-Mercer stützen sich die Ermittler auf eine Reihe von Postings in verschiedenen Online-Foren und sozialen Netzwerken sowie auf ein maschinengeschriebenes Manifest, das der Schütze hinterlassen hat. Ein Ermittler fasste gegenüber der „New York Times“ das Schreiben so zusammen, dass Harper-Mercer offenbar mit seinem Platz im Leben haderte: „Es ist offensichtlich, dass er sich in einer sehr schlechten mentalen Verfassung befand.“

          Das bislang zusammengesetzte Bild von Harper-Mercer zeigt einen jungen Mann, der wütend war, weil er alleine durchs Leben ging, und zuletzt zunehmend Interesse an anderen Amokläufern bekundete. In einem Eintrag, der ihm zugeschrieben wird, äußerte er sich der „New York Times“ zufolge zu einem anderen amerikanischen Amokläufer: „Ich habe festgestellt, dass Leute wie er einsam und unbekannt sind, wenn sie aber ein bisschen Blut vergießen, weiß die ganze Welt, wer sie sind.“ Darauf folgt die Feststellung: „Je mehr Menschen man tötete, desto mehr steht man offenbar im Rampenlicht.“

          Amerikanische Medien, die sich in der Nachbarschaft von Harper-Mercer umgehört haben, beschreiben ihn als extrem schüchternen jungen Mann, der selten außerhalb der Wohnung anzutreffen war und nur mit seiner Mutter Umgang pflegte. Wie ein früherer Nachbar erzählte, sei Harper-Mercer nur bei einem Thema offen und gesprächig gewesen: Waffen.

          Hinweise auf Autismus

          Berichten amerikanischer Medien zufolge war Harper-Mercer kurzzeitig bei der Armee. Im Jahr 2008 absolvierte er demnach ein Training, wurde für den Militärdienst aber als untauglich eingestuft. Im Jahr darauf beendete er den Angaben zufolge die Ausbildung an einer kalifornischen Privatschule für Kinder mit Lernschwierigkeiten, Autismus oder Gesundheitsproblemen. Auch ein Beitrag in einem Forum, der laut „New York Times“ der Mutter des Schützen zugeordnet wird, weist auf Autismus hin: „Ich bin Krankenschwester und habe ebenfalls ein Kind mit Asperger-Syndrom“

          Während die Suche nach Harper-Mercers Motiv weitergeht, diskutieren die Vereinigten Staaten einmal mehr ihr Verhältnis zu Schusswaffen und über die Häufung vergleichbarer Taten.  „Es gibt keine einzelne Lösung, die jede Schießerei verhindern wird“, sagte Oregons Gouverneurin Kate Brown. „Aber wir müssen und werden mehr tun, um diese Art von sinnloser Gewalt besser zu verhindern.“ Worte und gute Absichten seien nicht genug, sagte Oregons Senator Ron Wyden. „Als Land können wir nicht einfach mit den Schultern zucken und weitermachen.“ Kompromisse seien notwendig.

          In Washington hatte sich Präsident Barack Obama am Abend nach der Tat in einer bewegenden Ansprache an die Nation gewandt. „Wir sind das einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massen-Schießereien alle paar Monate erlebt“, sagte der sichtlich erschütterte Obama. Die mächtige Waffenlobby und viele Republikaner im Kongress wollen strengere Regeln für den Besitz von Waffen unbedingt verhindern. Deshalb ist Obama bislang mit allen Versuchen gescheitert, die Waffengesetzgebung zu verschärfen.

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