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Amoklauf in den USA : „Sie werden ihre Kinder nie wiedersehen“

  • Aktualisiert am

Joe Biden, Präsident der USA, hält im Weißen Haus inne, während er über den Amoklauf an einer Grundschule im Bundesstaat Texas spricht. Bild: dpa

Bei einem der verheerendsten Schulmassaker in der US-Geschichte sind an einer texanischen Grundschule 19 Kinder und zwei Erwachsene getötet worden. Viele weitere wurden verletzt. Nun werden erste Details bekannt. Präsident Biden reagiert wütend – und sichtlich erschüttert.

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          Bei einem Amoklauf an einer Grundschule im Bundesstaat Texas sind mindestens 19 Kinder und zwei Erwachsene getötet worden. Das teilte die Polizei am späten Dienstag nach dem Angriff in der kleinen Stadt Uvalde nahe San Antonio mit; anfangs war von 14 Todesopfern die Rede gewesen. Der Schütze sei ebenfalls tot. Der Angreifer sei nach ersten Erkenntnissen ein 18 Jahre alter Mann, der von Beamten getötet worden sei. Die Polizei geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass der Schütze allein gehandelt habe. Es gebe mehrere Verletzte, Kinder wie auch Erwachsene. Konkrete Zahlen und weitere Details gab die Polizei zunächst nicht bekannt.

          US-Präsident Joe Biden forderte vor dem Hintergrund der Tat schärfere Waffengesetze. „Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden“, sagte Biden am Dienstagabend im Weißen Haus. „Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Junge in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen kann, ist einfach falsch.“

          Biden sagte sichtlich bewegt, unschuldige Zweit-, Dritt- und Viertklässler hätten in „einem Massaker“ ihr Leben gelassen. Ihre Eltern „werden ihr Kind nie wiedersehen, sie nie wieder ins Bett bringen und mit ihnen kuscheln können“, so der Demokrat.

          Polizeieinsatz an der Robb Elementary School in Uvalde/Texas
          Polizeieinsatz an der Robb Elementary School in Uvalde/Texas : Bild: dpa

          Erick Estrada von Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas schilderte sich im Gespräch mit dem Sender CNN die Ereignisse vor dem Massaker. Der Verdächtige habe zunächst auf seine Großmutter geschossen, sagte Estrada. Der Vorfall habe sich in der Wohnung der Großmutter ereignet - diese wurde in ein Krankenhaus gebracht. Über ihren Zustand war zunächst nichts bekannt.

          Schließlich sei der Schütze mit einem Auto zur Schule gefahren und habe dort einen Unfall gebaut, sagte Estrada. Er habe dann das Auto verlassen und sei mit einer Schutzweste bekleidet, einem Rucksack und einem Gewehr in die Schule eingedrungen. Dort habe er das Feuer eröffnet. Der 18-Jährige sei dann vom Sicherheitspersonal der Schule gestellt worden. Estrada betonte allerdings, dass die Ermittlungen noch liefen und diese Informationen noch vorläufig seien.

          Über den Hintergrund der Tat in Uvalde war zunächst wenig bekannt. Die Ermittler hielten sich bedeckt. Medienberichten nach soll der Schütze die bei der Tat verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben. Das Verhalten des Schützen habe sich zuletzt verändert, zitierte die „Washington Post“ einen Jugendfreund des Schützen. Er habe bei seiner Mutter und manchmal bei seiner Großmutter gelebt und sich in letzter Zeit aggressiv verhalten.

          Seit dem Massaker an der Grundschule Sandy Hook vor zehn Jahren im Bundesstaat Connecticut habe es mehr als 900 Vorfälle gegeben, bei denen Schüsse auf Schulgeländen gemeldet worden seien, sagte Biden. Man könne nicht jede Tragödie mit schärferen Waffengesetzen verhindern – aber diese Gesetze hätten positive Auswirkungen. Für eine Verschärfung der Waffengesetze ist der Kongress zuständig, das US-Parlament. Viele Republikaner lehnen einen solchen Schritt ab. Die Waffenlobby ist in den USA sehr mächtig.

          Biden erinnerte in seiner Rede auch an seinen Sohn Beau, der 2015 an Krebs gestorben war, und seine 1972 bei einem Autounfall getötete Tochter. „Ein Kind zu verlieren, ist, als würde einem ein Stück seiner Seele herausgerissen“, sagte er. Neben ihm stand seine Ehefrau Jill. Biden war gerade erst von einer Asien-Reise nach Washington zurückgekehrt.

          Biden ordnete umgehend an, angesichts der verheerenden Attacke bis einschließlich Samstag die Flaggen auf allen öffentlichen Gebäuden in den USA auf halbmast zu setzen.

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