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Amoklauf bei „Batman“-Premiere : Amerika sucht eine Erklärung

  • Aktualisiert am

Kerzen für die Opfer des Amoklaufs von Aurora. Bild: AFP

Bei der Premiere des neuen „Batman“-Films hat ein Schütze zwölf Menschen getötet, elf schweben noch in Lebensgefahr. Jetzt sucht Amerika nach einem Motiv für die Tat. Bisher war der Verdächtige der Polizei nicht aufgefallen - aber er hatte die Tat offenbar lange geplant.

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          Nach dem Amoklauf von Aurora stehen die Vereinigten Staaten unter Schock. Bewohner des Vororts von Denver im US-Staat Colorado legten am Freitag vor dem Kino, in dem ein Bewaffneter bei der Premiere des neuen „Batman“-Films zwölf Menschen getötet hatte, Kerzen und Blumen nieder. Mehrere hundert Menschen kamen in der Nähe zu einer Gedenkmesse für die Opfer, viele weinten und konnten die Bluttat noch immer nicht fassen.

          Auch die Polizei hat bisher keine Angaben zu einem möglichen Motiv gemacht. Offensichtlich hatte der 24 Jahre alte James H. seine Tat von langer Hand vorbereitet: Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung, die er bei dem Blutbad mit 12 Toten nutzte, hatte er in den vergangenen Monaten ganz legal erworben, seine Wohnung in Aurora bei Denver mit Sprengfallen präpariert, bevor er in der Nacht zum Freitag in der Mitternachtspremiere des Batman-Film „The Dark Knight Rises“ wahllos das Feuer auf die Kinobesucher eröffnete.

          6000 Schuss Munition im Internet gekauft

          Nach Einschätzung der Polizei handelte der Student der Neurowissenschaften allein. Der 24-Jährige sei der Polizei zuvor nicht bekannt gewesen, er hatte keine Vorstrafen. Am Montag soll der Verdächtige erstmals vor Gericht erscheinen. 2010 wurde er Bachelor für Neurowissenschaften. Nach Angeben eines Bekannten der Familie hat James H. anschließend noch ein Masterstudium angehängt, aber dennoch keinen Job gefunden. Der Bekannte, Tom Mai, beschrieb ihn als netten und schüchternen jungen Mann.

          Allein 6000 Schuss Munition habe James H. im Internet gekauft, sagte Auroras Polizeichef Dan Oates laut dem Sender CNN. Während der Tat habe er eine Faustfeuerwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr und ein Schrotgewehr benutzt, berichteten amerikanische Medien. Außerdem habe man in seinem Auto eine weitere Pistole gefunden.

          Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film Bilderstrecke

          Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die mit Sprengsätzen präparierte Wohnung des Amokschützen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, „was wir noch nie gesehen haben“. „Es gibt eine Menge Drähte“, sagte er. Frühestens im Laufe des Samstags könnten Experten die Wohnung betreten. Auch der Einsatz von Spezialrobotern war im Gespräch.

          Berichte, wonach die Tat in Zusammenhang mit dem neuen „Batman“-Film „The Dark Knight Rises“ stand, bei dessen Premiere H. das Feuer eröffnete, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. In dem Film stürmen ein Maskierter und seine Helfer in ein voll besetztes Football-Stadion, schießen um sich und zünden Sprengsätze.

          Warner-Studios sagen die Batman-Premiere in Paris ab

          Das Studio Warner Bros. sagte die für Freitag geplante Premiere des Streifens in Paris ab, zu der auch Regisseur Christopher Nolan sowie die Darsteller Christian Bale, Anne Hathaway, Morgan Freeman und Michael Caine erwartet worden warnen. Warner Bros. und die Filmemacher sind tieftraurig über diesen schockierenden Vorfall„, hieß es in einer Stellungnahme des Studios. Regisseur Nolan sprach von einer „sinnlosen Tragödie“.

          Der Polizeichef von New York, Raymond Kelly, sagte, der Verdächtige habe seine Haare rot gefärbt und gesagt, er sei der „Joker“, ein Bösewicht aus den „Batman“-Filmen und -Comicbüchern. “Das ist meines Wissens nach nicht wahr“, sagte hingegen Oates, erklärte aber mit Kelly gesprochen zu haben.

          Der mutmaßliche Schütze hatte eine Eintrittskarte

          Indessen versuchten die Behörden den genauen Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Ein FBI-Beamter erklärte, H. habe sich gemeinsam mit den anderen Kinobesuchern eine reguläre Eintrittskarte gekauft. Als die Mitternachtspremiere angelaufen sei, habe er einen Ausgangstür geöffnet und sich offenbar außerhalb des Saales einen Helm, Schutzbekleidung sowie eine Gasmaske angezogen. Anschließend warf er Behördenangaben zufolge Gaskanister in den Raum und begann inmitten des Rauches, der sich dadurch entwickelte, mit einem halbautomatischen Maschinengewehr, einer Pistole und einer Schrotflinte wahllos auf die Besucher zu feuern.

          Zwölf Menschen kamen bei einem der blutigsten Amokläufe in der jüngeren US-Geschichte ums Leben, 58 weitere wurden verletzt. Elf waren nach Angaben der Polizei am Freitagabend amerikanischer Zeit noch in Lebensgefahr. Im Bundesstaat Colorado ereignete sich 1999 auch das Massaker von Columbine, bei dem zwei Schüler zwölf ihrer Klassenkameraden sowie einen Lehrer und anschließend sich selbst töteten.

          In den amerikanischen Kinos wurden nach den tödlichen Schüssen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die zweitgrößte Kinokette AMC teilte mit, dass es bis auf weiteres in ihren Häusern nicht erlaubt sei, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen. Vor allem Fans von Comic-Verfilmungen verkleiden sich gern wie ihre Leinwandhelden.

          Angesichts der Bluttat stellten Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ihren zuletzt immer härter geführten Wahlkampf zurück und sprachen den Familien der Opfer ihr Mitleid aus. Keiner der beiden äußerte sich aber zunächst zum Thema der Kontrolle von Waffenbesitz.

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