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Amokläufer von Blacksburg : „Ihr habt mich gezwungen, dies zu tun“

  • Aktualisiert am

Verkündete die Identität des Täters: Polizeipräsident Steven Flaherty Bild: dpa

Cho Seung-Hui, der Amokläufer von Blacksburg, wurde bei seiner Tat anscheinend von großem Hass auf seine Mitstudenten getrieben. „Ihr habt mich gezwungen, dies zu tun“, schrieb er in einer Abschiedsnotiz, die die Ermittler als „verstörend“ bezeichnen.

          Der Amokläufer von Blacksburg hegte allem Anschein nach einen abgrundtiefen Hass gegen seine Mitstudenten. In dem mehrseitigen Schreiben, dessen Inhalt die Ermittler als „verstörend“ bezeichneten, schimpft der Täter über „reiche Kinder“, „betrügerische Scharlatane“ und „Ausschweifungen“ auf dem Campus der Virginia-Tech-Universität. „Ihr habt mich gezwungen, dies zu tun“, zitierte der amerikanische Fernsehsender ABC aus der im Wohnheimzimmer des Studenten entdeckten Abschiedsnotiz.

          Zuvor hatte die Polizei die Identität des Amokläufers offenbart. Es handelt sich um einen 23 Jahre alten Studenten aus Südkorea, der seit 1992 in den Vereinigten Staaten lebt. Cho Seung-Hui habe an der Virginia Tech im Hauptfach Englisch studiert und auf dem Campus gewohnt, teilte Wendell Flinchum, der Chef der Universitätspolizei am Dientag mit. Die Polizei gab weiter bekannt, es gebe Hinweise darauf, dass der Amokläufer, der in einem Gebäude der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät 30 Menschen und anschließend sich selbst tötete, auch für die vorangegangene Schießerei in einem Wohnheim der Universität verantwortlich ist, bei der zwei Studenten erschossen wurden.

          „Liebesdrama“ Auslöser der Tat?

          Eine der beiden Waffen, die man in der Norris Hall gefunden habe, sei zwei Stunden zuvor für die Tat in dem Wohnheim benutzt worden, teilte Flinchum mit. Das hätten ballistische Untersuchungen ergeben. Steve Flaherty von der Polizei von Virginia sagte, es liege deshalb nahe, dass Cho Seung-Hui, den ein Universitätssprecher als „Einzelgänger“ beschrieb, über den man wenig Informationen habe, auch für die Tat in dem Wohnheim verantwortlich sei; eine Bestätigung gebe es dafür aber noch nicht. Die Polizei hat bislang keine Hinweise darauf, dass der Amokläufer Komplizen gehabt habe, ergänzte Flaherty.

          Zu den Motiven für den bisher schlimmsten Amoklauf in der amerikanischen Geschichte machte die Polizei keine genauen Angaben. Nimmt man die veröffentlichten Zitate aus der Abschiedsnotiz des Täters, so könnte großer Hass auf seine Umwelt der Grund für die Gewalttat gewesen sein. Es wird darüber spekuliert, dass ein Liebesdrama letztlich der Auslöser gewesen sein könnte. Angeblich habe Cho Seung-Hui Streit mit dem offenbar ersten Opfer des Massakers, einer jungen Frau, gehabt. Bestätigt wurden diese Angaben offiziell bisher nicht. Auch Hinweise darauf, dass der Amoklauf in Zusammenhang mit Bombendrohungen steht, die in der vergangenen Woche mehrfach bei der Universität eingingen, gibt es laut Polizei bislang nicht.

          Öffentliche Diskussion um Waffengesetze stockt noch

          Präsident George W. Bush und First Lady Laura Bush nahmen auf dem Campus an einer Gedenkfeier für die Opfer des Massakers teil. Gemeinsam mit etwa 30.000 Studenten und Lehrkräften gedachten sie der Opfer des Amoklaufes. Er und Ehefrau Laura seien mit den Herzen voller Trauer gekommen, sagte Bush. Es sei ein Tag der Trauer und Traurigkeit für die gesamte Nation. Für viele Menschen sei der blutigste Amoklauf in der Geschichte der amerikanischen Universitäten der schlimmste Tag ihres Lebens gewesen.

          Ebenso wie der amerikanische Präsident bekundeten zahlreiche Politiker in Washington Entsetzen und Trauer über das Blutbad. Vertreter beider politischer Lager vermieden es weitgehend, das kontroverse Thema strengerer Waffengesetze anzusprechen, das ähnlich wie nach dem Massaker an der Columbine High School 1999 mit 14 Todesopfern wieder öffentlich diskutiert wird. Schon kurz nach der Tat in Virginia hatte Bushs Sprecherin Dana Perino allerdings mitgeitelt: „Der Präsident ist der Ansicht, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen.“

          Der Justizausschuss des amerikanischen Senats verschob am Dienstag „aus Respekt für die Opferfamilien“ eine wichtige Anhörung von Justizminister Alberto Gonzales, die als entscheidend dafür gilt, ob der Minister sein Amt behält. An den Ermittlungen sind auch mehrere dem Justizministerium unterstellte Behörden beteiligt. Zu der Trauerfeier an der Universität wurde auch der demokratische Gouverneur von Virginia, Tim Kaine erwartet, der seine Japanreise abgebrochen und den Notstand über die Universität verhängt hatte, um Ressourcen für die Ermittlungen freizumachen.

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