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Amoklauf in Mittelfranken : „Und dann passiert so etwas vor der Haustür“

An dieser Tankstelle in Bad Windsheim konnte der mutmaßliche Schütze überwältigt werden. Bild: dpa

Im Landkreis Ansbach hat ein Mann aus seinem Auto heraus eine Frau und einen Fahrradfahrer erschossen. Kurz darauf konnten ihn die Mitarbeiter einer Tankstelle überwältigen. Sein Motiv gibt der Polizei Rätsel auf.

          Ein Mann hat am Freitagvormittag bei einem Amoklauf in der Gemeinde Leutershausen im bayerischen Landkreis Ansbach zwei Menschen aus einem Auto heraus erschossen. Weitere Personen wurden danach von ihm mit der Waffe bedroht, auf eine weitere Person hat der Täter zudem geschossen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Mann wurde am Mittag noch in einer Tankstelle festgenommen. Über das Motiv konnte die Polizei am Freitag noch keine Angaben machen. Zunächst hieß es, der Mann habe das erste Opfer gekannt, somit könne es sich um eine Beziehungstat handeln. Aber das stellte sich schnell als falsch heraus. Bislang deutet somit alles darauf hin, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden.

          Die Polizei teilte mit, der Mann habe nach seiner Festnahme „wirre Äußerungen“ von sich gegeben, die auf psychische Probleme schließen ließen. Ein Psychiater sei hinzugezogen worden. Es musste geklärt werden, ob der Tatverdächtige in die Psychiatrie oder in Untersuchungshaft kommt. Nach Polizeiangaben gab es zu dem Mann, der 1968 geboren wurde, bisher keine polizeilichen Erkenntnisse. Der Sportschütze Bernd G. hatte demnach eine Waffenbesitzkarte, jedoch keinen Waffenschein. Die beiden Waffen, die sichergestellt wurden, seien auf ihn zugelassen, das Fahrzeug auf seinen Vater.

          Der Täter erschoss im mittelfränkischen Tiefenthal, ein Dorf in der Gemeinde Leutershausen, aus seinem Mercedes-Cabriolet heraus zunächst eine 82 Jahre alte Frau. Kurz zuvor soll er noch mit ihr gesprochen haben.

          Die Polizei erfuhr von den Schüssen um zehn Uhr. Kurz darauf schoss der Mann im benachbarten Rammerdorf auf einen Fahrradfahrer. Beide Opfer seien noch am Tatort an ihren Schusswunden gestorben. Auch ein Haus in Leutershausen beschoss der Mann, wie die Polizei mitteilte. Dann sei er Richtung Norden in das rund 30 Kilometer entfernte Bad Windsheim gefahren. Nach Angaben der Ermittler schoss er dabei noch auf einen Landwirt und bedrohte einen Autofahrer mit der Waffe. Beide Personen wurden jedoch nicht verletzt.

          Die Polizei sperrte den Tatort in Tiefenthal ab.

          Gegen 11.45 Uhr wurde Bernd G. schließlich an einer Tankstelle festgenommen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigte am Nachmittag auf einer Pressekonferenz im Landratsamt Ansbach, dass Angestellte der Tankstelle den Mann überwältigt hätten. Nach Medienberichten hatte ein Mitarbeiter zuvor im Radio die Warnmeldung der Polizei gehört, bei der auch das Autokennzeichen des Cabriolets durchgegeben worden war. Er rief seinen Kollegen zu: „Vorsicht Überfall!“ Einige hätten sich in Sicherheit bringen können, doch mindestens zwei Personen seien von dem Täter ebenfalls mit der Waffe bedroht worden. Als dieser die Waffe abgelegt habe, hätten einige Angestellte der Tankstelle den um sich tretenden Mann überwältigt und mit Kabelbindern gefesselt.

          Die Polizei ordnete die Taten sogleich als „Amoklage“ ein. Rund 30 Polizisten hätten nach dem Täter gesucht. Unterstützt wurden sie zusätzlich von Beamten der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Das Gebiet um die Tankstelle wurde weiträumig abgesperrt, zunächst war vermutet worden, in seinem Auto befinde sich Sprengstoff. Der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Hess, sagte dem Bayerischen Rundfunk, in so einem ländlichen Gebiet könne man sich so etwas gar nicht vorstellen. „Und dann passiert so etwas vor der Haustür. Da fällt einem nichts mehr ein.“

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