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Graz : Rätselraten über Motiv des Amokfahrers

Bild: AP

Der mutmaßliche Täter spricht von einer „Messerstecherei“ – dass er auf dem Weg zum Tatort Menschen angefahren hat, hält er für „möglich“. Es herrscht weiter Unklarheit darüber, was den 26 Jahre alten Österreicher zur Bluttat trieb.

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          Über die Motive des Amokfahrers, der am Samstag in Graz drei Menschen getötet und 36 zum Teil lebensgefährlich verletzt hatte, herrschte am Montag weiterhin öffentlich Unklarheit. Über das Ergebnis von Vernehmungen, die seit Sonntagnachmittag geführt wurden, gab es nur rudimentäre Mitteilungen. Der 26 Jahre alte Österreicher mit bosnischem Familienhintergrund habe zwar verhört werden können, doch sei er immer wieder ausgewichen. Am Montag wurde auch die Ehefrau des Mannes, die von ihm getrennt lebt, als Zeugin vernommen. Auch darüber gab es keine Auskünfte außer der, dass er ihr die Amokfahrt anscheinend nicht angekündigt habe. Am Sonntag soll ein Gedenkmarsch in der steirischen Hauptstadt entlang der Route führen, auf der der Amokfahrer die Opfer teils überfahren, teils mit einem Messer angegriffen hatte.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft teilte mit, der mutmaßliche Täter solle bei seiner Festnahme von einer Messerstecherei gesprochen haben. Dass er auf dem Weg bis zu der Stelle, an der er festgenommen wurde, mit dem Auto jemanden angefahren habe, habe er für möglich gehalten. Das Ausmaß sei ihm in diesem Moment anscheinend nicht bewusst gewesen. Zu der Festnahme sei es ohne Gegenwehr des Fahrers eines dunklen Geländewagens gekommen, er sei schon langsam gefahren, als ihn die Beamten vor einer Polizeiinspektion angehalten hätten.

          Trauer: Menschen in Graz stellen Kerzen und Beileidsbekundungen am Tatort aus.
          Trauer: Menschen in Graz stellen Kerzen und Beileidsbekundungen am Tatort aus. : Bild: dpa

          In Medienberichten hieß es, dass der Mann früher schon mehrfach wegen Gewalttätigkeiten in Konflikt mit den Behörden gekommen sei. Seine Familie sei 1993 während des Bosnienkrieges aus einer muslimischen Enklave in Bosnien-Hercegovina nach Österreich geflohen. Sie habe in der Nachbarschaft als sehr schlecht integriert gegolten. Gegen den Vater habe es schon Anzeigen wegen Angriffen mit einem Messer auf Hunde sowie wegen durchstochener Reifen gegeben. Auch seien in der Umgebung des verwahrlost wirkenden Hauses Schüsse gefallen. Auch der Sohn sei wegen Gewalttätigkeiten, vor allem gegen seine Frau und seine Kinder, mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er habe wiederholt seine Frau geprügelt und sie unter Schlägen gezwungen, ein Kopftuch zu tragen. Am 28. Mai habe sie ihn schließlich angezeigt. Daraufhin sei ihm der weitere Umgang mit ihr, die sich in ein Frauenhaus geflüchtet habe, und den beiden Kindern verboten worden.

          Die Behörden haben sich schon am Samstag, nur wenige Stunden nach der Tat, auf die Erklärung festgelegt, dass es sich um einen Amoklauf wegen einer psychotischen Störung gehandelt habe. Religiösen Fanatismus oder Terrorismus schlossen sie aus. In dieser Frage kam es zu einem politischen Streit zwischen dem Vorsitzenden der Partei FPÖ, Heinz-Christian Strache, und Politikern anderer Parteien sowie Medienkommentatoren. Strache hatte in sozialen Netzwerken auf Berichte in Online-Medien verwiesen, in denen Zweifel an dieser Darstellung durch die Behörden geäußert wurden.

          Strache überschrieb dieses (mittlerweile bearbeitete) Posting mit den Worten: „Wahnsinnstat in Graz! Der Täter ist aus Bosnien. Ein religiös begründetes Attentat wird nicht ausgeschlossen!“ Strache wies am Montag in einer Stellungnahme den Vorwurf zurück, dieser Eintrag auf seiner Facebook-Seite zeuge von Ausländerfeindlichkeit, oder er habe das schreckliche Geschehen in Graz politisch missbrauchen wollen. Diese Behauptungen seien „völlig unangebracht und haltlos“. Es sei eine Tatsache, „dass wir in einer Zeit leben, in der furchtbare Anschläge und Attentate (international!) leider traurige Realität geworden sind“. Es gebe in immer kürzeren Abständen „Schreckensmeldungen dieser Art“. Er selbst habe nur den Informationsstand zu dem betreffenden Zeitpunkt am Samstag und Sonntag „gemäß Medienberichten“ geteilt und inhaltlich übernommen.

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