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Trauer in Bad Arolsen : Wie die Schule die Amokfahrt in Berlin aufarbeitet

Trauer in Bad Arolsen: Vor der betroffenen Schule sind Blumen abgelegt worden. Bild: Reuters

Tiefe Trauer, große Betroffenheit und die Frage: Wie mit dem umgehen, was da passiert ist in Berlin? In Bad Arolsen hat die Aufarbeitung des Erlebten begonnen.

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          Wie geht man mit dem um, was da passiert ist in Berlin? In der Kaulbach-Schule im nordhessischen Bad Arolsen begann die Aufarbeitung schon am Mittwoch, kurz bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr, dass nach der Amokfahrt eines 29 Jahre alten Mannes in der Hauptstadt eine Lehrerin der Haupt- und Realschule gestorben und zahlreiche Schüler einer zehnten Klasse verletzt worden waren.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Die Schulpsychologischen Kriseninterventionsteams (SKIT) des Landes Hessen können in solchen Fällen „in wenigen Minuten an der jeweiligen Schule“ sein, wie ein Sprecher des Kultus­ministeriums am Donnerstag sagte. An der Schule in Bad Arolsen konnten so mehrere Psychologen des Teams aus 120 Mitarbeitern im ganzen Bundesland verhindern, dass die Schüler vom Tod ihrer Lehrerin aus den Medien erfuhren.

          Am Donnerstag ging der Einsatz weiter: Acht SKIT-Psychologen betreuten die Schülern und das Personal. „Wir schauen, wie wir die Selbstheilungskräfte der Menschen aktivieren können, und erarbeiten mit ihnen Bewältigungsstrategien“, sagt Marion Müller-Staske, Schulpsychologin und verantwortlich für Krisenintervention und Bedrohungsmanagement im Hessischen Kultusministerium.

          Sozialer Kontakt wichtig

          Darüber hinaus kümmert sie sich mit ihren Kollegen auch um die Stabilisierung der Lehrkräfte, die als Bezugspersonen der Schüler eine wichtige Funktion erfüllen, sowie die Unterstützung der Schulleitung im Krisenmanagement. Am Donnerstag konnten die Schüler entweder den regulären Unterricht besuchen oder Gesprächsangebote wahrnehmen.

          Die empirische Forschung zeige, dass sozialer Kontakt wichtig sei, um eine solche Situation bewältigen zu können, sagt Müller-Staske. Deshalb werden vor allem Gruppengespräche angeboten, doch auch Gespräche zu zweit oder im kleineren Kreis sind möglich. „Die Menschen bekommen von uns so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Am allermeisten brauchen sie sich jetzt untereinander.“

          Betroffene können auch das Signal geben, zunächst unter sich bleiben zu wollen, berichtet Müller-Staske: „Aber wir sind natürlich weiter präsent.“ Das Angebot wird mindestens einige Tage, aber wohl eher sogar ein paar Wochen bestehen bleiben – wie nach dem Anschlag in Hanau oder der Amokfahrt in Volkmarsen. „Angebote gibt es, so lange ein Bedarf besteht.“ Weiterhin ist zudem eine Schulpsychologin aus Hessen zur Betreuung des verletzten Lehrers und der sieben verletzten Schüler in Berlin. Die restlichen betroffenen Schüler waren schon in der Nacht mit einem Bus in Bad Arolsen angekommen.

          Eine Rolle spielt bei der Aufarbeitung auch die Frage nach dem Warum. Das zeige die Erfahrung, sagt Müller-Staske: „Gestern hat wohl schon ein Kind gefragt: Warum passiert uns das schon wieder?“ Von Bad Arolsen nach Volkmarsen, wo im Februar 2020 ein Mann mit einem Auto während eines Faschingsumzugs in eine Menschenmenge gefahren war, sind es nur neun Kilometer. Ob diese Frage überhaupt beantwortet werden kann, hängt auch davon ab, was die Ermittlungen ergeben.

          Besucht haben am Donnerstag auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) die Haupt- und Realschule. Rhein sprach von einem „ganz schweren Tag“. Er habe der Schulgemeinde und den Opfern jede erdenkliche Hilfe seitens des Landes zugesagt und den Betroffenen auch finanzielle Unterstützung aus dem Opferfonds des Landes zugesichert.

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