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Amanda Knox in Italien : „Ich bin kein Monster“

Amanda Knox trat am Samstag auf einem Kongress zu Justizirrtümern in Modena auf: Sie selbst saß fast vier Jahre in Haft, bevor sie freigesprochen wurde. Bild: EPA

Bei einem Kongress zu Justizirrtümern spricht Amanda Knox über die Vorverurteilung durch die Gesellschaft in ihrem Fall. Die Amerikanerin saß vier Jahre wegen Mordes im Gefängnis, bevor sie freigesprochen wurde.

          Es ist eine aufwühlende, eine tränenreiche Rückkehr für Amanda Knox. Zum ersten Mal, seit sie vor acht Jahren vom Vorwurf des Mordes freigesprochen und hernach aus dem Gefängnis entlassen wurde, kehrt sie nach Italien zurück. In das Land ihrer frühen Marterqualen, das längst zu einem Teil ihrer selbst geworden ist, wie sie heute sagt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Schon die Ankunft am Flughafen Mailand-Linate vom Donnerstag wird zum medialen Spießrutenlauf. Begleitet wird sie von ihrem Verlobten Christopher Robinson, dazu von ihrer Mutter, ihren Anwälten. Auf Schritt und Tritt Blitzlichtgewitter. Fotografen, Kameraleute, Reporter rennen neben ihr her, fragen sie lautstark, wie sie sich nun in Italien fühle. Als sie, begleitet von zwei italienischen Polizisten in Zivil, schließlich in dem Auto sitzt, das sie nach Modena bringen wird, legt ihr Verlobter den Arm um ihre Schulter, um sie von den Kameras abzuschirmen. Sie selbst senkt den Blick.

          Amanda Knox, heute 31 Jahre alt, hat vor ihrer Reise nach Modena mitgeteilt, sie werde während ihres Aufenthalts in Italien keine Interviews geben und keine Fragen beantworten. Daran hält sie sich. Anlass für ihre Rückkehr nach Italien ist das erste „Festival der Strafjustiz“, veranstaltet von der juristischen Fakultät der örtlichen Universität, vom „Italy Innocence Project“, das sich der Untersuchung und Aufarbeitung von Justizirrtümern widmet, sowie von der Strafkammer von Modena. Das Thema des dreitägigen Kongresses lautet „Fehlurteile und Populismus in der Rechtsprechung“. Es ist wie zugeschnitten auf den Fall Amanda Knox. Die Amerikanerin ist nur eine von Dutzenden Rednern, zieht aber naturgemäß das meiste öffentliche Interesse auf sich.

          Ihr Strafprozess gilt heute als Musterbeispiel für Populismus in der Rechtssprechung

          Vor ihrer Ankunft hat Amanda Knox über Twitter mitgeteilt: „Ich kehre als freie Frau zurück.“ Es ist die erkennbar grundfalsche Beschreibung ihres Seelenzustands: Die mehr als vierjährige Gefangenschaft, von 2007 bis 2011, in italienischen Vollzugsanstalten als Untersuchungshäftling und später als verurteilte Mörderin, mögen lange hinter ihr liegen. Befreit hat sie sich davon nicht. Schon am Freitag bricht sie, als Zuhörerin bei dem Kongress, in Tränen aus beim Erlebnisbericht und Vortrag des Iren Peter Pringle, der 1980 wegen Mordes an zwei Polizisten zunächst zum Tode, später zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ehe er nach fast 15 Jahren Haft schließlich freigesprochen wurde. Und auch ihr eigener Vortrag vom Samstag, gehalten in tadellosem Italienisch, zieht sich auf fast eine Dreiviertelstunde in die Länge, weil sie immer wieder weinen und für Minuten unterbrechen muss.

          Rückblende: Am 2. November 2007 kehrte die damals 20 Jahre alte amerikanische Sprachstudentin Amanda Knox in ihre Wohnung in der Via della Pergola 7 von Perugia zurück. Damals wie heute ist die pittoreske Stadt in Umbrien ein Magnet für junge Studenten aus aller Welt, um dort Italienisch zu lernen und Italien zu enträtseln. Die Wohnung teilte sich Knox mit der 21 Jahre alten Britin Meredith Kercher und weiteren Kommilitonen. Die von Amanda Knox alarmierte Polizei fand in der Wohnung, in die offenkundig jemand eingebrochen war, in Kerchers verriegeltem Schlafzimmer deren Leichnam – halbnackt, mit durchschnittener Kehle und 47 Messerstichen. Die Autopsie ergab, dass die britische Studentin vergewaltigt worden war.

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