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Diebstahl in Spanien : Die Altpapiermafia wurde zerfleddert

Auf frischer Tat ertappt: Eine Person steckt in einem spanischen Altpapiercontainer. Bild: Europol

In Madrid haben Diebe und organisierte Banden jahrelang Sammelcontainer geplündert und Karton ins Ausland verschifft. Der Polizei ist es jetzt gelungen, 48 Verdächtige festzunehmen.

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          Sie gehörten zum Straßenbild von Madrid: klapprige Lastwagen, die bis obenhin mit Tonnen von Altpapier und Karton gefüllt sind. Ihre Fahrer plünderten manchmal mehrmals am Tag die kommunalen Altpapier-Container. Um sie zu leeren, zwängten sich die schmalsten von ihnen durch die Schlitze, um an den begehrten Rohstoff zu kommen. Nun hat die spanische Polizei der „Mafia del Cartón“ ein Ende bereitet.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach Angaben der Stadtverwaltung entwendeten gut organisierte Banden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 67.000 Tonnen Karton und Altpapier im Wert von 16 Millionen Euro. Allein im vergangenen Jahr sollen es mehr als 9000 Tonnen im Wert von 1,3 Millionen Euro gewesen sein. In Lateinamerika kennt man diese Müllsammler schon viel länger. In Spanien nennt man sie „Ladrones de papel“: Papierdiebe. Wie die Polizei nun mitteilte, handelte es sich zum großen Teil um Rumänen. „Operation Hartie“ hieß deshalb die jüngste Aktion, bei der 48 Verdächtigte festgenommen wurden – Hartie heißt Papier auf Rumänisch. Auch Südamerikaner und Spanier waren unter den Festgenommenen. Das Raubgut lieferten sie an ein spanisches Unternehmen in Madrid, das es mit legal gesammeltem Altpapier mischte und über den Hafen von Valencia nach China, Indien, Südkorea und Indonesien exportierte, um es dort wieder aufbereiten zu lassen.

          Zeitweise wurde fast die Hälfte des Altpapiers gestohlen. Es war ein lukratives Geschäft, denn jahrelang stiegen die Preise, so dass sich mit einem Lastwagen im Monat bis zu 10.000 Euro verdienen ließen. Um sich diese Einnahmen nicht entgehen zu lassen, begann die Stadtverwaltung zunächst damit, neue Container aufzustellen, die noch schwerer auszuräumen waren.

          Aber das half nicht weiter. Die Diebe brachen die engeren Öffnungen einfach auf. Schließlich wandte sich die überforderte städtische Polizei an die Guardia Civil, deren Sondereinheit für Umweltdelikte mehrere Monate benötigte, um die Altpapier-Mafia zu zerschlagen.

          Laut „El País“ wurden elf Lastwagen beschlagnahmt. Sie waren auf 18 Routen eingesetzt, die mehrere Clans im ganzen Stadtgebiet unter sich aufgeteilt hatten und die sie angeblich auch mit Schusswaffen verteidigten. Einmal ging bei solchen Revierstreitigkeiten ein Fahrzeug in Flammen auf. Vor allem in wohlhabenden Vierteln wie Chamartín und Salamanca waren die grauen Sammelbehälter umkämpft, denn schwerere Kataloge und besseres Papier bringen mehr Geld. Bis zu drei Mal sollen sie dort innerhalb von 24 Stunden unterwegs gewesen sein. Das ist nun wohl endgültig vorüber. Eine Ermittlerin sagte der Zeitung ABC erleichtert: „Das Problem ist beseitigt.“

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