https://www.faz.net/-gum-8vg14

Fahrlässige Tötung? : Alter Mann in Pflegeheim in Wanne verbrüht

  • Aktualisiert am

Zwei Mitarbeiterinnen eines Pflegeheims sollen einen halbseitig gelähmten 79-Jährigen alleine in einer Badewanne zurückgelassen haben. Weil das Wasser viel zu heiß war, starb er an Verbrühungen.

          1 Min.

          Verbrühungen durch viel zu heißes Badewasser haben zum grausamen Tod eines 79-Jährigen aus einem Pflegeheim in Sachsen-Anhalt geführt. Zwei Mitarbeiterinnen des Pflegeheims in Allstedt sollen Ende Februar den halbseitig gelähmten Mann, der nicht um Hilfe rufen konnte, in der Badewanne allein zurückgelassen haben. Gegen die beiden Frauen werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, Klaus Wiechmann, am Mittwoch.

          Der Mann war später im Brandverletztenzentrum in Halle gestorben. Nach Angaben Wiechmanns ergab eine Obduktion eindeutig, dass die Verbrühungen die Todesursache waren. „Es besteht hier eine Kausalität“, sagte der Staatsanwalt. Es seien aber noch viele Details zu klären.

          Gegenwärtig gehe die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass der Mann die Wassertemperatur selbstständig erhöht hat. Derart pflegebedürftige Patienten würden mit einer Art Kran in die Wanne gelegt und wieder herausgehoben. „Wenn man in der Wanne ist, kommt man nicht an die Armaturen heran und man kommt nicht an den Notfallknopf ran“, sagte Wiechmann. Geprüft werde jetzt, ob geltende Standards bei der Betreuung des Mannes verletzt wurden. Er wisse noch nicht, warum die Mitarbeiterinnen den Mann allein gelassen hätten.

          Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, in jedem Bundesland müssten amtsärztliche Leichenschauen bei Pflegebedürftigen zur Pflicht werden. Denn es sei nicht das erste Mal, dass eine Staatsanwaltschaft in Deutschland wegen Verbrühungen in Pflegeheimen ermittelt. Bisher seien solche Verfahren aber meist eingestellt worden. Denn es sei schwierig nachzuweisen, ob die Verbrühungen Ursache für den Tod waren. Solche Fälle kämen auch in der häuslichen Umgebung vor.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Radfahrer fährt am Terminal des Flughafens Frankfurt-Hahn vorbei.

          Ziel vieler Billigflieger : Flughafen Frankfurt-Hahn ist insolvent

          Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH im Bundesland Rheinland-Pfalz hat Insolvenz angemeldet. Der Flughafen musste zuletzt immer wieder Rückgänge beim Passagieraufkommen hinnehmen – auch schon vor der Corona-Pandemie.
          Blut-Spritzen-Verletzungs-Phobie: Was für die meisten Patienten nur ein unangenehmer Pieks ist, führt bei manchen zu schlimmen Panikattacken.

          Spritzen-Phobie : „Manche denken, sie müssten sterben“

          Seit März 2021 therapiert die Psychiaterin Angelika Erhardt Menschen, die unter krankhafter Angst vor Blut und Spritzen leiden. Ein Interview über das „Angst­gedächtnis“, Therapiemöglichkeiten und den Wunsch nach einer Corona-Impfung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.