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Alkoholverbot in Nürnberg : Deutsche Bahn wehrt sich gegen Partyszene

  • Aktualisiert am

Ein Aufsteller informiert im Nürnberger Hauptbahnhof über das neue Alkoholverbot. Bild: dpa

Anfangs waren es nur einige wenige, inzwischen treffen sich Wochenende für Wochenende bis zu 500 Partygänger im Nürnberger Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn reagiert nun mit einem partiellen Alkoholverbot.

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          Die Deutsche Bahn will mit einem Alkoholverbot die Gewalt im Nürnberger Hauptbahnhof zurückdrängen. In den Wochenendnächten sei künftig im gesamten Hauptbahnhof der Konsum von Bier, Wein und Schnäpsen verboten - ausgenommen seien Bahnhofslokale mit entsprechender Schankerlaubnis, teilte ein Bahnsprecher am Freitag in Berlin mit.

          Die Regelung soll an diesem Freitagabend in Kraft treten. Wer trotz Lautsprecherdurchsagen dagegen verstoße, solle zunächst von Bahn-Mitarbeitern ermahnt werden. Wer dann weiterhin das Verbot missachte, dem drohe ein Hausverbot, das notfalls von der Bundespolizei durchgesetzt werde, kündigte die Deutsche Bahn an.

          Das Verbot gilt in den Nächten auf Samstag und Sonntag sowie vor Feiertagen von 20 bis 6 Uhr - und zwar im gesamten Hauptbahnhof einschließlich der Bahnsteigtunnel und der Bahnsteige. Die Bahn reagiere damit auf einen vielfach von Reisenden geäußerten Wunsch, teilte die örtliche Bahnhofsmanagerin Claudia Gremer mit.

          Nürnberg soll ein Einzelfall bleiben

          Nach Angaben des Inspektionsleiters der Bundespolizei Nürnberg, Albert Blersch, richtet sich das Verbot in erster Linie gegen die örtliche Partyszene. Diese nutze seit zweieinhalb Jahren den Bahnhof als Treffpunkt. Vor allem in der Osthalle des Bahnhofs, wo es mehrere Schnellimbisse gebe, träfen sich an Wochenenden zum Auftakt der Partynacht bis zu 500 junge Leute.

          Seit 2009 habe die Zahl der Gewaltdelikte im Hauptbahnhof erheblich zugenommen. Immer wieder würden Bundespolizisten gerufen, weil es zwischen verschiedenen Gruppen zu Pöbeleien, Rempeleien oder Schlägereien komme. Inzwischen gingen zwei Drittel der im Hauptbahnhof registrierten Gewaltdelikte auf das Konto junger Partygänger.

          Bahn und Bundespolizei sehen im Hauptbahnhof Nürnberg eine bundesweit einmalige Situation. In direkter Nachbarschaft liege Nürnbergs Partymeile mit mehreren Discos. Die jungen Leute träfen sich abends vor dem Clubbesuch im Bahnhof und stimmten sich mit meist mitgebrachtem Alkohol auf die Partynacht ein, berichtete Inspektions-Chef Blersch. „Das Alkoholverbot bietet der Bahn und uns die Möglichkeit, frühzeitig einzuschreiten, bevor es zu Pöbeleien und Rempeleien kommt.“

          Alkoholverbote im Nahverkehr haben Erfolg

          Auf anderen Bahnhöfen plant die Deutsche Bahn kein Alkoholverbot. Ein bundesweites Verbot wäre unverhältnismäßig, die Bahn werde aber auf ähnliche Situationen auch in Zukunft flexibel reagieren, sagte ein Bahnsprecher. Ein ähnliches Verbot war im Vorjahr auf dem Hauptbahnhof Hannover verhängt worden. Dort hatten Bahn und Bundespolizei auf ein Verkaufsverbot von Alkohol im Bahnhof gesetzt. Das Verbot habe aber nicht die erhoffte Wirkung gehabt und sei deswegen wieder aufgehoben worden, berichtete ein Bahnsprecher.

          In öffentlichen Verkehrsmitteln werden Alkoholverbote in einigen Städten schon seit längerer Zeit genutzt. In Hamburg etwa gilt in nahezu allen Fahrzeugen des Hamburger Verkehrsverbundes seit dem 1. September 2011 ein ausnahmsloses Alkoholkonsumverbot. Bei den Fahrgästen in der Hansestadt kommt das Verbot laut einer Umfrage gut an: 34 Prozent sprachen demnach von einer Verbesserung der Zustände in den Bahnen. Auch in München ist der Verzehr alkoholischer Getränke im Nahverkehr untersagt. Im Fernverkehr nutzt der vornehmlich im Norden Deutschlands vekehrende Bahnkonkurrent Metronom ein konsequentes Alkoholverbot in seinen Zügen.

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