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Geiseldrama um Theo Albrecht : „Wir haben Ihren Mann entführt!“

  • -Aktualisiert am

Wieder frei: Das Entführungsopfer Theo Albrecht gibt einen Tag nach seiner Rückkehr nach Hause eine Presseerklärung ab. Bild: Picture Alliance

Vor 50 Jahren kidnappten ein Anwalt und ein Tresorknacker den Aldi-Mitgründer Theo Albrecht. Von der Hälfte des Lösegelds fehlt bis heute jede Spur. Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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          Das Haus Graf-Adolf-Straße 45, direkt neben dem Savoy-Theater im Zentrum von Düsseldorf, ist ein unscheinbares Gebäude aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Die Gegend unweit des Hauptbahnhofs ist ständig im Wandel, hat schon bessere Zeiten gesehen. Seit einiger Zeit befindet sich im Laden­lokal im Erdgeschoss von Haus Nummer 45 eine Spielhalle. Darüber liegen Wohnungen – mit Ausnahme der zweiten Etage, die von einer Anwaltskanzlei genutzt wird. Selbst für Spezialisten ist dieser Umstand der einzige vage Hinweis darauf, dass das Haus vor 50 Jahren zu den Tatorten in einem der bis heute spektakulärsten Kriminalfälle in Deutschland zählte. Nicht im zweiten, sondern im vierten Geschoss hatte damals der Anwalt Heinz Joachim Ollenburg seine Büro- und Wohnräume. Gemeinsam mit Paul Kron hielt Ollenburg Ende 1971 dort 17 Tage lang den Aldi-Mitgründer Theo Albrecht hinter einer Schrankwand gefangen, während nebenan der Kanzleibetrieb mit den ahnungslosen Angestellten weiterlief.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Schon die Wahl des Verstecks wirft ein Licht darauf, wie skrupellos die beiden Kidnapper vorgingen. Zermürbend lange ließen sie auch die Familie Albrecht im Ungewissen über die Lösegeldforderung. Schließlich verlangten Ollenburg und Kron die Fantasiesumme von sieben Millionen Mark – nie zuvor hatten Kidnapper auch nur annähernd so viel Geld gefordert. Spektakulär war auch die Geldübergabe am 16. Dezember 1971 durch den damaligen Ruhrbischof Franz Hengsbach. Der Verbleib der Hälfte des Lösegelds ist bis heute ungeklärt.

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