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Al Qaida : Deutschlands Staatsfeind Nummer eins ist tot

  • -Aktualisiert am

Der friedliche Schein trügt: Mir Ali ist ein Treffpunkt für Terroristen Bild: REUTERS

Sein Name: Abu Obeida. Sein Job: die Ausbildung von Al-Qaida-Terroristen. Der Clou: Zeitweilig lebte er in Bayern und war einer der meistgesuchten Terroristen. Doch kaum jemand bei uns hat je von ihm gehört. Amerikanische Regierungskreise haben nun seinen Tod bestätigt. Ein „Märtyrertod“ war es nicht.

          Er war Deutschlands Staatsfeind Nummer eins - und kaum jemand bei uns hat je von ihm gehört. Sein Name: AUM. In Geheimdienstkreisen sind Kürzel ziemlich beliebt, denn komplizierte arabische Namen verwirren westliche Ermittler schnell. AUM steht für Abu Obeida al Masri.

          Ein Tarnname, der übersetzt nichts anderes bedeutet als „der ägyptische Vater von Obeida“; sein richtiger Name wurde nie ermittelt. Aus Ägypten stammt er jedoch tatsächlich, da sind sich seine Jäger sicher. Wie viele andere ägyptische Islamisten schloss sich Abu Obeida der Terrororganisation Al Qaida an - und machte in den vergangenen Jahren Karriere, bis er es schließlich zum „Chef für externe Operationen“ gebracht hatte.

          Der „gefährlichste Job der Welt“

          Damit hatte er den „gefährlichsten Job der Welt“, wie ein Geheimdienstler in den Vereinigten Staaten sagt. Denn die meisten von Abu Obeidas Vorgängern wurden verhaftet oder getötet.

          Abu Obeida hat die Londoner Anschläge im Juli 2005 eingefädelt.

          Warum die deutschen Ermittler so große Angst vor AUM hatten? Er sprach Deutsch. Und er kannte sich in Deutschland sehr gut aus, weil er in den neunziger Jahren lange hier gelebt hat. Ausgerechnet in Bayern begann seine Karriere als international agierender Terrorist. Von dort aus knüpfte er ungestört Kontakte mit jordanischen und ägyptischen Islamisten und Terroristen, die meist - wie AUM - als Asylbewerber in Deutschland lebten.

          Angriff auf Deutschland

          Abu Obeida al Masri war einer der Hauptgründe dafür, dass Innenminister Wolfgang Schäuble und das Führungspersonal des Bundeskriminalamts (BKA) in den vergangenen Monaten immer wieder vor einem möglichen Anschlag in Deutschland gewarnt haben. Gewunden formulierte das BKA: „In der Führung der Al Qaida ist die Entscheidung längst gefallen, Deutschland anzugreifen.“

          Britische und amerikanische Ermittler sind sich sicher, dass Abu Obeida eng in die Planung des jüngsten blutigen islamistischen Attentats auf europäischem Boden eingebunden war: die Londoner Anschläge vom 7. Juli 2005. AUM soll direkten Kontakt zu einem der damaligen Attentäter gehabt, ihn mit ausgebildet und instruiert haben.

          Gerücht bestätigt: Top-Terrorist Abu Obeida ist tot

          Doch Abu Obeida wird wohl nicht noch einmal zuschlagen. Amerikanische Regierungskreise haben nun ein Gerücht bestätigt, das sich seit Monaten hartnäckig hielt: AUM ist tot. Mindestens zweimal haben amerikanische Geheimdienste versucht, ihn in pakistanischen Verstecken aufzuspüren und zu töten.

          Im Januar 2006 zerstörten amerikanische Raketen mehrere Häuser in Damadola, wo AUM und andere ranghohe Al- Qaida-Mitglieder vermutet wurden. 18 Zivilisten starben; auch Abu Obeidas Tod wurde vermeldet, doch wenig später tauchte er wieder auf. Nun hat ihn offenbar weniger heldenhaft eine Hepatitis- C-Erkrankung dahingerafft.

          Ein Grund dafür, dass Abu Obeidas Taten und sein Tod nicht - wie bei anderen Kämpfern üblich - im Internet gefeiert werden. Deutsche Sicherheitsbehörden wollen den Tod von AUM bis jetzt weder bestätigen noch kommentieren.

          Geschwächte Al Qaida

          Al Qaida war allerdings schon vor Abu Obeidas Ableben deutlich geschwächt. Der handfeste Beweis dafür, dass die Organisation längst nicht zuschlagen kann, wann und wo sie will, ist die simple Tatsache, dass sie es seit inzwischen fast sieben Jahren nicht mehr geschafft hat, den Erzfeind, nämlich die Vereinigten Staaten, im eigenen Land anzugreifen.

          Stattdessen wird Al Qaida schon lange nur noch dort aktiv, wo sich gerade eine Möglichkeit bietet. Neue Rekruten, die aus England in die Lager im pakistanischen Grenzgebiet kommen, werden ermutigt, einen Anschlag in England zu verüben, und zwar auf Ziele, die ungeschützt und leicht zu treffen sind: „The terror of opportunity“, Gelegenheitsterror, heißt das bei Sicherheitsexperten.

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