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Affäre Dominique Strauss-Kahn : Das Zimmermädchen als Opfer, Hure, Kämpferin

  • -Aktualisiert am

Auf dem Cover sämtlicher Zeitungen: Dominique Strauss-Kahn. Auch über das Zimmermädchen wird einiges geschrieben. Bild: dpa

Über das Zimmermädchen, das Dominique Strauss-Kahn der Vergewaltigung beschuldigt, ist wenig bekannt. Das Hotel beschreibt sie als zuverlässige Mitarbeiterin. Sie ist um keinen Trick verlegen, ergeben die Ermittlungen.

          Auch sieben Wochen nach dem Vorfall im New Yorker Sofitel Hotel kann man sich nur schwer ein Bild machen von dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo, das Dominique Strauss-Kahn der Vergewaltigung beschuldigt. Alles, was Staatsanwälte und Journalisten über die Frau aus Guinea zusammentragen, ändert sich fast so schnell wieder wie die Anzeigen auf dem Billboard am Times Square.

          Aus dem verängstigten Opfer, das sich nach dem angeblich von Strauss-Kahn erzwungenen Oralsex auf dem Hotelflur versteckte oder weiterputzte, ist in den vergangenen Tagen eine Prostituierte geworden und jetzt eine mutige Frau, die es nicht nur mit der Staatsanwaltschaft und Strauss-Kahns Anwalt Benjamin Brafman, sondern auch noch mit der mächtigen „New York Post“ aufnimmt: Die 32 Jahre alte Einwanderin reichte am Dienstag Verleumdungsklage gegen die Zeitung ein, weil das Blatt berichtet hatte, Diallo habe „Sex gegen Geld“ angeboten.

          „Einvernehmlichen Sex hat es nie gegeben“, sagt ihr Anwalt

          Schon nach der Anhörung ihres mutmaßlichen Peinigers vor dem Obersten Gerichtshof von New York, das die Zweifel an Diallos Glaubwürdigkeit mit der Entlassung des ehemaligen Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Hausarrest honorierte, setzte die Wandlung des Zimmermädchens ein.

          „Sie wird allen erzählen, was Dominique Strauss-Kahn ihr angetan hat. Das Opfer wird sich an die Öffentlichkeit wenden“, schrie Diallos Anwalt Kenneth Thompson der wartenden Presse vor dem Gerichtsgebäude entgegen. Obwohl seine untergetauchte Mandantin „einige Fehler“ begangen habe, sei sie bei der Schilderung des angeblichen sexuellen Missbrauchs durch den 62 Jahre alten Franzosen stets bei der Wahrheit geblieben. „Dass sie Fehler gemacht hat, bedeutet nicht, dass sie kein Vergewaltigungsopfer ist“, ließ Thompson wissen und berichtete von Diallos verletzter Vagina, einem Bänderriss an der Schulter und einer zerfetzten Strumpfhose nach dem Vorfall in Strauss-Kahns Suite am 14. Mai. Den „einvernehmlichen Sex“ habe es nie gegeben.

          Diallo scheint um keinen Trick verlegen, ergeben Ermittlungen

          Die Ermittlungen der New Yorker Staatsanwältin Joan Illuzzi-Orbon werfen ein weniger schmeichelhaftes Licht auf die Westafrikanerin. Diallos Angaben während ihres Asylverfahrens im Jahr 2004 decken sich nicht mit den Aussagen, die sie in den vergangenen Wochen machte. Guineische Regierungssoldaten hatten nicht wie behauptet das Haus der Familie niedergebrannt, ihren Ehemann ins Gefängnis geworfen und dort zu Tode gequält. Auch Diallos unter Tränen vorgetragene Schilderung einer Vergewaltigung durch mehrere Soldaten entpuppte sich als Lüge. Wie Thompson später geraderückte, wurde sie in Guinea zwar sexuell missbraucht und an den Genitalien verstümmelt, die Gruppenvergewaltigung sei aber frei erfunden.

          Illuzzi-Orbon, in Manhattan als besonders erfahrene Juristin bekannt, entdeckte zudem Mogeleien bei Diallos Steuererklärung. Um Vergünstigungen in Anspruch nehmen zu können, war die in einer einfachen Lehmhütte in dem kleinen Ort Tchiakoullé aufgewachsene Afrikanerin mit den amerikanische Steuergesetzen immerhin so vertraut, dass sie auf der Steuererklärung neben ihrer 15 Jahre alten Tochter ein Nachbarkind eintrug. Selbst eine HIV-Infektion soll Diallo erfunden haben, um im Stadtteil Bronx in einem durch das „Harlem United Community Aids“-Zentrum unterstützten Wohnhaus günstig unterzukommen. Zudem soll Diallos Lebensgefährte seit Monaten wegen Marihuana-Schmuggels im Gefängnis sitzen.

          Sie war stets eine zuverlässige Mitarbeiterin, heißt es im Hotel

          Bei den Managern des Sofitel galt die als Tochter eines Imams streng muslimisch aufgewachsene Diallo als zuverlässige Mitarbeiterin, die drei Jahre „unbescholten“ gearbeitet habe. Der Vorwurf der „New York Post“, dass Diallo betuchten männlichen Gästen auch nach dem allabendlichen Aufdecken des Bettes noch Gesellschaft leistete, will dazu nicht passen. „Die Hexenjagd auf das Opfer ist aber nicht ungewöhnlich, besonders wenn es um einen mächtigen Mann und eine Frau aus einfachen Verhältnissen geht“, sagte die Anwältin Lisa Bloom, die Vergewaltigungsopfer vertritt. Da sexuelle Kontakte durch DNA-Analysen heute eindeutig nachzuweisen sind, entscheide bei Vergewaltigungsprozessen die Glaubwürdigkeit der Beteiligten.

          Dennoch scheint der Vorschlag der „New York Post“ verfrüht, Strauss-Kahn solle schon mal den Champagner öffnen. In Paris hat die Journalistin Tristane Banon gerade Anzeige erstattet: Strauss-Kahn habe vor acht Jahren versucht, sie zu vergewaltigen. Und auch Diallos Anwalt Thompson kündigte an, er werde seine Mandantin in den Zeugenstand rufen, sobald der Prozess gegen Strauss-Kahn am 18. Juli fortgesetzt wird.

          Die New Yorker Staatsanwaltschaft hält derweil an der Anklage gegen Strauss-Kahn fest. „Die Ermittlungen gehen weiter“, erklärte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch nach einem Treffen mit den Anwälten Strauss-Kahns. Zuvor hatten Medien spekuliert, dass die Anklage wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers möglicherweise bald ganz fallengelassen werden könnte.

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