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Terrorverdacht : Anklage gegen mutmaßlichen IS-Sympathisanten aus Deutschland

Terrorverdacht: Ein deutscher Staatsbürger soll nach Ägypten gereist sein, um sich dem IS anzuschließen. Bild: dpa

Ein deutscher Staatsbürger soll in Ägypten eine schwere Staatsgefährdende Tat geplant haben. Nun wird dem jungen Mann in Deutschland der Prozess gemacht

          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Anklage gegen den 18 Jahre alten Schüler aus Gießen erhoben, der im Dezember 2018 von Frankfurt aus nach Ägypten geflogen war und sich dort mutmaßlich terroristischen Gruppen anschließen wollte. Wie eine Sprecherin gestern sagte, wird dem Jugendlichen, der die ägyptische und die deutsche Staatsbürgerschaft hat, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und die Anleitung zu derselben vorgeworfen. Der Anklage zufolge soll er zunächst nach Luxor geflogen sein, um dann weiter Richtung Sinai-Halbinsel zu reisen. Dort habe er sich im Gebrauch von Schusswaffen und Sprengvorrichtungen unterweisen lassen wollen, um sich anschließend an Kämpfen und Anschlägen zu beteiligen. Er wurde jedoch von ägyptischen Sicherheitskräften am Flughafen Luxor festgenommen.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie die Sprecherin weiter mitteilte, war der Jugendliche daraufhin vier Wochen im Gewahrsam der Ägypter, bevor er Mitte Januar 2019 nach Deutschland ausgewiesen wurde. In Frankfurt nahmen ihn die Sicherheitsbehörden in Empfang, er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittler fanden auf dem Handy des Schülers Videos und andere Dateien mit Kennzeichen der Terrororganisation „Islamischer Staat“, die er über seinen Telegram-Account verschickt haben soll. Außerdem hatte er laut Staatsanwaltschaft in diversen Chat-Gruppen Anleitungen zum Bombenbau und zum Giftmischen geteilt.

          Seit er in Haft sitzt, hat sich der Jugendliche der Sprecherin zufolge weiter radikalisiert. Sein Erscheinungsbild weise deutliche Bezüge zur salafistischen Szene auf, sagte sie. Dies sei zum Zeitpunkt der Festnahme noch nicht so gewesen. Außerdem hätten unter anderen Psychologen, die im Gefängnis Gespräche mit dem Jugendlichen führten, Entsprechendes berichtet.

          Die Familie des Angeklagten hatte sich im Januar nach Bekanntwerden der Vorwürfe für die Freilassung des Jugendlichen eingesetzt. Der Vater reiste umgehend nach Ägypten, um seinen Sohn zu treffen. Den Behörden dort warf er Folter vor. Gegenüber deutschen Medien sagte er, sein Sohn sei schuldfrei. Er habe lediglich den Großvater in Kairo besuchen wollen. Einen Termin für den Prozess, den eine Jugendkammer des Landgerichts führen wird, gibt es noch nicht.

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