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Drogenmissbrauch : Abermals Freiheitsstrafe für den Mörder von Dominik Brunner

Das Denkmal für Dominik Brunner am Bahnsteig des S-Bahnhofs Solln in München. Bild: dpa

2019 war der Mörder von Dominik Brunner unter Führungsaufsicht aus der Haft entlassen worden. Doch nach Verstößen gegen ein Drogenverbot musste er sich am Donnerstag abermals vor Gericht verantworten.

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          Kein Alkohol, keine Drogen sowie regelmäßige Kontrollen, ob die Verbote eingehalten werden: Mit diesen Auflagen der Führungsaufsicht gemäß Paragraph 68 f des Strafgesetzbuchs wurde der junge Mann 2019 aus dem Gefängnis entlassen. Die Führungsaufsicht als eine der „Maßregeln der Besserung und Sicherung“ soll die Rückfallgefahr minimieren. Festgesetzt wurde sie bei dem jungen Mann auf fünf Jahre.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Denn er hatte gerade wegen Mordes eine Jugendstrafe von neun Jahren und zehn Monaten verbüßt. Zusammen mit einem Freund hatte er Dominik Brunner auf dem S-Bahnhof München-Solln so getreten und geschlagen, dass der Fünfzigjährige im Krankenhaus starb. Brunner hatte sich zuvor schützend vor Schüler gestellt, die von den jungen Männern drangsaliert worden waren.

          Am Donnerstag musste sich der heute 29 Jahre alte Mann wieder vor Gericht verantworten. Zur Last gelegt wurde ihm vor dem Amtsgericht München ein Verstoß gegen die Weisungen während der Führungsaufsicht. Er habe im Juni und im August 2020 „nicht unerhebliche Mengen Kokain“ konsumiert – und damit den Zweck der Maßregel gefährdet, ihn vor neuen Straftaten zu bewahren. Die Anklage stützt sich auf Urinproben, die positiv auf Kokainabbauprodukte gewesen seien.

          Neun Monate ohne Bewährung

          Es ist nicht der erste Verstoß gegen die Auflagen, der ihm zur Last gelegt wird. Schon kurz nach seiner Haftentlassung im Frühjahr 2019 hat er die Verbote missachtet. Im Juni des Jahres hatte eine Alkoholkontrolle nach einem Clubbesuch einen Wert von einer Promille ergeben. Geahndet wurde das hart: fünf Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Durch sein Verhalten, so heißt es im Urteil, habe er „den Zweck der Maßregel gefährdet, ihn von weiteren Straftaten abzuhalten“. Und: „Bei einer derartigen Alkoholisierung sinkt die Hemmschwelle, Straftaten und insbesondere Gewaltdelikte zu begehen.“ Zu seinem Gunsten berücksichtigte das Gericht jedoch sein „vollumfängliches Geständnis“ und sein „Nachtatverhalten“: Er sei vor Ort geblieben und habe auf die Polizei gewartet. Positiv wertete das Gericht zudem, dass er zuverlässig Kontakt zur Bewährungshilfe halte. Die Aussetzung der Strafe auf Bewährung galt als „zweite Chance“.

          Am Donnerstag hat ihn das Amtsgericht München zu neun Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte noch drei Monate mehr gefordert. Der Angeklagte hatte vor Gericht versucht, zu seinem Gunsten zu argumentieren: Die Folgekontrollen seien unauffällig gewesen, er habe den Wohnort gewechselt, halte sich von seiner Münchner Clique fern. Auch seine Verlobung führte er ins Feld. Die Richterin verwies jedoch laut dem Gerichtssprecher auf die vorhergehende Verhandlung: Dort habe er auch schon um eine letzte Chance gebeten – und sie bekommen.

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