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Verhaftungen auch in Köln : Schlag gegen Cosa Nostra und ’ndrangheta

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Ein abgehörtes Zitat wird auf einer Pressekonferenz in Rom gezeigt: „So ist die Gesellschaft nun einmal. Sie kommt korrupt zur Welt und stirbt korrupt. Niemand kann diese Welt ändern.“ Bild: AP

Zur Verhaftung von 37 Mafia-Mitgliedern hat eine international angelegte Polizei-Operation von Sizilien bis nach Köln am Mittwoch geführt. Dabei wurden auch Details über die Strukturen der Verbrecher-Organisation in Deutschland bekannt.

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          Eine international angelegte Operation der italienischen Anti-Mafia-Einheiten und der deutschen Kriminalpolizei von Sizilien bis über die Alpen hat am Mittwoch zur Verhaftung von 37 Mitgliedern der sizilianischen Cosa Nostra und der kalabrischen ’ndrangheta geführt. Ein römischer Anwalt und zwei Carabinieri gehören genauso zu den Festgenommenen wie der 57 Jahre alte Boss Salvatore Rinzivillo. Dieser Rädelsführer der Cosa Nostra war erst 2013 aus dem Gefängnis entlassen worden, während seine beiden zu lebenslanger Haft verurteilten Brüder noch einsitzen.

          Zwischen dem sizilianischen Caltanisetta und Köln beschlagnahmten die 600 italienischen und deutschen Beamten bei den Operationen Druso und Extra Fines Werte und Immobilien im Wert von mehr als elf Millionen Euro. In den Kölner Stadtteilen Sürth und Porz wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Clan-Mitglieder festgenommen. Ihnen wird Rauschgifthandel und in einem Fall die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Nach den zwei Verdächtigen hatten die italienischen Behörden mit europäischen Haftbefehlen gefahndet.

          Der Rinzivillo-Clan aus dem sizilianischen Gela arbeitet mit der Cosa Nostra von Corleone zusammen, deren Boss der zu lebenslanger Haft verurteilte „Capo di tutti i capi“ (Boss der Boss) ist. Der 86 Jahre alte Salvatore „Totò“ Riina muss trotz schwerer Krankheit wegen seiner Gefährlichkeit im Hochsicherheitsgefängnis von Parma bleiben. Die Rinzivillos haben seit Ende der achtziger Jahren nach blutigen Fehden mit 120 Todesopfern das Mafia-Monopol bei Betrug und Erpressung im Handel mit Agrarprodukten, vor allem auf dem Fischereisektor. In Deutschland breitete sich dieser Zweig der Cosa Nostra im Rauschgifthandel aus und arbeitete dabei mit der kalabrischen ’ndrangheta unter dem noch immer Gesuchten Antonio Strangio aus San Luca zusammen. Das ist der Eigentümer jenes Restaurants „Da Bruno“ in Duisburg, vor dem im August 2007 sechs Mafiosi in einer Familienfehde erschossen wurden.

          Nach Angaben der Ermittler baute Clan-Chef Salvatore Rinzivillo über einen bis dahin unverdächtigen Stellvertreter in Karlsruhe und Köln kriminelle Zellen auf. Ferner delegierte er einen Verwandten für das Kokain-Geschäft; dieser sollte zugleich deutsche Investitionsmöglichkeiten im Bau- und Lebensmittelsektor sondieren. Auch über diverse Rückzugsorte soll der Clan in Deutschland verfügen. In einer Stellungnahme des Oberstaatsanwalts von Rom hieß es am Mittwoch: „Die Mafia kann genauso wie die Korruption bekämpft und besiegt werden.“ Der jüngste Schlag gegen die Mafia belege, dass der festgenommene Rinzivillo Unrecht habe mit dem abgehörten Kommentar: „So ist die Gesellschaft nun einmal. Sie kommt korrupt zur Welt und stirbt korrupt. Niemand kann diese Welt ändern.“ Gerade so sei die Welt eben nicht, konterte Oberstaatsanwalt Giuseppe Pignatone: „Heute werden wir die Mafia bekämpfen; morgen werden das andere genauso entschieden tun.“

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