https://www.faz.net/-gum-9kcx2

Wegen Kinderpornografie : 20 Jahre Haft für Magier Jan Rouven

  • Aktualisiert am

Der deutsche Magier Jan Rouven (r) während einer Probe zu einer TV-Sendung. Er wurde in den Vereinigten Staaten zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bild: dpa

Vor drei Jahren wurde der deutsche Magier Jan Rouven in Las Vegas festgenommen. Ermittler hatten in seiner Villa kinderpornografisches Material gefunden. Nun verurteilte ihn ein amerikanisches Gericht zu einer hohen Freiheitsstrafe.

          2 Min.

          Auf der Bühne in Las Vegas trumpfte Jan Rouven einst als „Der Mann mit den sieben Leben“ auf. Doch keiner seiner spektakulären Tricks kann dem deutschen Magier jetzt noch helfen. Der 41 Jahre alte Illusionist aus Kerpen ist in den Vereinigten Staaten wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem verhängte das Gericht in Las Vegas am Donnerstag auch eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Dollar (rund 440.000 Euro), wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

          „In diesem Gerichtssaal zumindest ist die Show vorbei“, sagte Richterin Gloria Navarro, als sie das Strafmaß verkündete, wie das „Las Vegas Review-Journal“ berichtete. Der Zeitung zufolge fiel Rouven im Gerichtssaal kurz in Ohnmacht, erholte sich dann aber wieder. Erst mit über 60 Jahren wird der Deutsche aus dem Gefängnis frei kommen.

          Bei der Anhörung am Donnerstag habe sich Rouven in einer kurzen Ansprache für seine Taten entschuldigt, schrieb das „Las Vegas Review-Journal“. Dabei führte er unter anderem an, dass er unter dem Einfluss von Party-Drogen den Blick für Gut und Böse verloren habe. Rouven sei kein „Monster“, sagte sein Anwalt Russell Marsh der Zeitung zufolge. Er habe ihn als „netten Kerl, der sehr schlimme Dinge machte“, bezeichnet. Die Verteidiger hatten auf eine geringere Strafe in Höhe von acht Jahren gehofft, während die Anklage gut 30 Jahre Haft forderte.

          Mehr als 9000 Videos und Fotos

          Der Magier, der mit seiner Show „The New Illusions“ in Las Vegas Erfolge feierte, war im März 2016 festgenommen worden. Die Vorwürfe wogen schwer. Mehr als 9000 Videos und Fotos, die Sex mit Minderjährigen, auch mit Kindern, zeigen, hatten die Ermittler in der Villa entdeckt, die Rouven mit seinem Mann und Manager Frank Alter bewohnte. Unter Decknamen wie „Lars45“ und „larusa22“ habe er sich Dateien beschafft und weiter verbreitet, gab die Anklage vor Gericht an.

          In dem langwierigen Verfahren wechselte Rouven mehrfach seine Anwälte. Er hatte die Vorwürfe zunächst abgestritten. Jemand anderes habe die Kinderpornos auf die Computer geladen, gab einer seiner Anwälte an. Der Deutsche sei sehr gastfreundlich und habe stets Besucher im Haus gehabt, die leicht Zugang zu den Geräten gehabt hätten.

          Im November 2016 legte Rouven dann überraschend ein Geständnis ab und räumte seine Schuld in mehreren Anklagepunkten ein. Später beantragte er, sein Geständnis zu widerrufen. Er sei von seinen damaligen Anwälten falsch beraten worden, machte Rouven geltend. Diesen Antrag lehnte das Gericht im vorigen Jahr ab und setzte nun das Strafmaß fest.

          Rouven war der erste deutsche Zauberkünstler nach Siegfried & Roy, der es auf den berühmten Strip der Casino-Stadt schaffte. Er ließ sich scheinbar von riesigen Bohrern aufspießen, gefesselt in einen Wassertank einschließen, von brennenden Kreissägen umgeben. 2014 kürte ihn die weltgrößte Zaubervereinigung IMS zum „Illusionisten des Jahres“.

          Doch „Der Mann mit den sieben Leben“ hat in der Casino-Stadt verspielt, selbst ein mildes Strafmaß hätte daran nichts geändert. Sein Arbeitsvisum hat die Einwanderungsbehörde längst aberkannt. Nach Absitzen der Strafe würde er aus den Vereinigten Staaten abgeschoben werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

          Weitere Themen

          Bisher 300 Hochhausbewohner getestet

          Liveblog zum Coronavirus : Bisher 300 Hochhausbewohner getestet

          350 Personen nach Gottesdiensten in Vorpommern isoliert +++ Niederländische Farmen müssen Nerze töten +++ RKI: 407 bestätigte neue Fälle +++ Medikament Hydroxychloroquine bei Studie durchgefallen +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Gut gelaunt mit amerikanischen Soldaten am Truppenstützpunkt Ramstein: Amerikas Präsident Donald Trump im Jahr 2018.

          Trumps Abzugspläne : Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten Tausende amerikanische Soldaten Deutschland verlassen, würde das vor allem dem Pentagon selbst zu schaffen machen. Für das transatlantische Verhältnis aber verheißt er nichts Gutes.

          Proteste gegen Rassismus : Die Welt solidarisiert sich mit George Floyd

          In Deutschland protestieren Zehntausende in mehreren Großstädten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Allein in München gehen mehr als 20.000 Menschen auf die Straße. Auch in anderen Ländern kommt es zu Protesten – entgegen der Empfehlung der Behörden.
          Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen.

          4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

          Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.