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Schießerei in Kalifornien : Sie waren ausgerüstet wie für einen Kriegseinsatz

  • -Aktualisiert am

Der palmengesäumte Parkplatz vor dem Inland Regional Center, einer Einrichtung für Patienten mit Entwicklungsstörungen, glich nach dem Angriff einem Lazarett. Schwerverletzte wurden auf Tragen zu Krankenwagen geschoben, leichter Verletzte humpelten auf Bekannte gestützt zu ihren Autos. Die Einsatzkräfte blockierten unterdessen die Zufahrten zu dem Gebäudekomplex an der Waterman Avenue, um Neugierige fernzuhalten. Vermummte Beamte eines Sondereinsatzkommandos durchstreiften auf der Suche nach den Tätern Straßen und Grünflächen, während Schulen und öffentliche Einrichtungen abgeriegelt wurden. Die etwa 500 Schüler der Victoria Elementary School in der Nähe des Inland Regional Center konnten das Schulgebäude erst bei Einbruch der Dunkelheit wieder verlassen.

Wie nach den Schüssen während einer Bibelstunde in Charleston im Bundesstaat South Carolina wiederholte Präsident Barack Obama am Mittwoch abermals die Forderung nach strikteren Waffengesetzen. „Wir brauchen Regelungen, die auf gesundem Menschenverstand basieren“, sagte der Demokrat dem Sender CBS kurz nach dem Anschlag in San Bernardino. Menschen, die auf der schwarzen Liste der Fluggesellschaften stünden und keinen Flieger besteigen dürften, sollten auch nicht in der Lage sein, legal Schusswaffen zu kaufen. „Wir wissen noch nicht, aus welchem Motiv die Schützen handelten. Aber wir wissen, dass es Wege gibt, Amerika sicherer zu machen“, mahnte Obama.

Das Motiv gibt Rätsel auf

Der Anschlag in San Bernardino etwa 100 Kilometer östlich von Los Angeles gilt als das verheerendste „Mass shooting“ seit dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule vor drei Jahren. Damals hatte der 20 Jahre alte Adam Lanza 20 Erstklässler und sechs Erwachsene getötet, als er das Schulgebäude mit einem Sturmgewehr stürmte. Da Lanza nach dem Verbrechen Suizid beging, blieb sein Motiv um Dunklen.

Auch über die Beweggründe der Schützen von San Bernardino wurde am Donnerstag weiter gerätselt. Der 28 Jahre alte Syed Farook, dessen Leichnam die Fernsehkameras neben dem schwarzen Geländewagen filmten, soll die Weihnachtsfeier im Inland Regional Center vor dem Anschlag abrupt verlassen haben. Wie kalifornische Medien meldeten, hatte sich der Mitarbeiter des Gesundheitsamts angeblich zuvor mit einigen Kollegen gestritten.

Amerika : 14 Tote bei Schießerei in Kalifornien

Ob Farook, ein gebürtiger Amerikaner muslimischen Glaubens, mit der ebenfalls auf der Flucht getöteten Tashfeen Malik verheiratet war, blieb offen. Auf einer Website für werdende Mütter hatte die Siebenundzwanzigjährige, die Farook nach Recherchen der „Los Angeles Times“ online in Saudi-Arabien kennenlernte, für vergangenen Mai aber die Geburt eines Kindes angekündigt. Vor der Fahrt zu der Weihnachtsfeier sollen die mutmaßlichen Schützen ihre Tochter bei den Großeltern abgegeben haben. „Ich kann kaum in Worte fassen, wie traurig ich über das bin, was heute passiert ist. Ich hatte keine Ahnung, dass er so etwas tun würde“, sagte Farooks Schwager Farhan Kahn bei einer Pressekonferenz des Rats für Amerikanisch-Islamische Beziehungen im kalifornischen Anaheim.

Zu Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund, die in sozialen Netzwerken laut wurden, hielten sich die Justizbehörden vorerst zurück. „Bislang haben wir keine Hinweise, dass die Tat mit Terrorismus im traditionellen Sinn in Verbindung steht“, sagte San Bernardinos Polizeichef Burguan. „Wir haben es hier aber offensichtlich mindestens mit einer Form von Inlandsterrorismus zu tun.“

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