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Frau hinter Auto hergeschleift : 14 Jahre Haft nach Bluttat von Hameln

Der abgesperrte Tatort im November 2016. Hier hatte der jetzt Verurteilte seine ehemalige Partnerin hinter seinem Auto hergeschleift. Bild: dpa

Die Tat hatte im November für Entsetzen gesorgt: Ein Mann hatte seine frühere Partnerin an einem Seil hinter seinem Auto hergeschleift. Er hatte gestanden, sie auf grausame Art töten zu wollen.

          Am letzten Tag des Prozesses war immer wieder von einem „Wunder“ die Rede. Anders sei kaum zu erklären, dass Kader K. das Martyrium überlebte, das ihr von ihrem früheren Lebensgefährten Nurettin B. zugefügt worden ist. Selbst dessen Anwälte stellten am Mittwoch in ihren Plädoyers nicht in Abrede, dass Nurettin B. seine 28 Jahre alte frühere Partnerin im vergangenen November mitten in Hameln öffentlich hinrichten wollte. Im Beisein des gemeinsamen, drei Jahre alten Sohns schlug der 39 Jahre alte Polsterer Kader K. zunächst mit der Faust nieder. Dann holte er ein Küchenmesser hervor, stach mehrfach zu und fügte ihr lebensbedrohliche Verletzungen am Herzen zu. Nurettin B. lief kurz zu seinem Wagen und holte ein Beil, mit dessen stumpfer Seite er einmal auf ihren Körper einschlug. Dann nahm er ein zwei Meter langes Seil aus dem Auto. Das eine Ende knotete er um den Hals von Kader K., das andere an die Anhängerkupplung seines VW Passats. Nurettin B. setzte sich hinter das Steuer, gab kräftig Gas und schleifte Kader K. über die Straße. Nach 208 Metern Strecke löste sich allerdings das Seil in einer Kurve vom Auto.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Diesem Umstand verdankt Kader K. vermutlich ihr Leben. Trotz ihrer inneren Verletzungen und eines offenen Schädelbruchs gelang es den Rettungskräften gleich zweifach, die junge Frau zu reanimieren. Kader K. überlebte die Tat knapp und ist heute körperlich sogar weitgehend wieder hergestellt.

          Nurettin B. stellte sich kurz nach der Tat auf der Polizeiwache. Zu Prozessbeginn gestand er in einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung seine „grauenvolle, widerliche und abscheuliche Tat“. Am Mittwoch wendete sich der athletische Mann, der den Prozess ansonsten scheinbar emotionslos verfolgte, dann noch einmal direkt an seine frühere Lebensgefährtin: „Es tut mir unendlich leid, was ich dir angetan habe und unserem gemeinsamen Sohn“, sagte Nurettin B. Seine frühere Partnerin, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, hielt sich währenddessen die Ohren zu.

          Mehrfach bedrohte Nurettin B. seine Frau mit dem Tod

          Mit sichtlichem Unverständnis reagierte Kader K. dann wenig später auf die Verkündung des Urteils. Die Strafkammer des Landgerichts Hannover verurteilte Nurettin B. wegen versuchten Mordes und schweren Körperverletzung, blieb aber bei der Zumessung der Strafe unter der von Staatsanwaltschaft und Nebenklage geforderten lebenslangen Haftstrafe. Wie von der Verteidigung gefordert lautete das Urteil 14 Jahre Haft. In der Urteilsbegründung ging der Richter auch auf den kulturellen Hintergrund der Tat ein. Denn sowohl Opfer wie Täter stammen aus den türkischen Kurdengebieten.

          Beide hatten sich bei einer Demonstration für die Belange der Kurden in Straßburg kennengelernt und waren in Deutschland nur nach islamischem Recht verheiratet. Schon bald missfiel Nurettin B. jedoch, dass Kader K. selbstbestimmt außer Haus gehen wollte. Es kam zur Trennung, der erbitterte Streitigkeiten über Unterhaltszahlungen und die in Goldschmuck geleistete Morgengabe für die Braut im Wert von 20.400 Euro folgten. Mehrfach bedrohte Nurettin B. seine Frau mit dem Tod.

          Der Angeklagte habe ein Frauenbild, „das mit den Vorstellungen unserer Zeit nicht mehr vereinbar ist“, kritisierte der Richter am Mittwoch und sagte, dass für die Kammer unzweifelhaft feststehe, dass Nurettin B. voll schuldfähig sei und die Tat auch nicht spontan erfolgte. Weil Nurettin B. sich aber schon kurz nach der Tat bei der Polizei stellte, zu Prozessbeginn ein Geständnis ablegte und 137.000 Euro Schmerzensgeld zahlen will, sei trotz der Brutalität des Verbrechens von einer lebenslangen Haftstrafe abzusehen.

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