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Einsatz gegen Osmanen : 1000 Polizisten gegen Rocker-Kriminalität im Einsatz

Polizisten stehen am Mittwochmorgen vor einem Bürokomplex im hessischen Dietzenbach. Hier und an vielen anderen Orten haben sie nach Waffen, Munition und Drogen gesucht. Bild: dpa

Mit einer großen Razzia ist die Polizei in sechs Bundesländern gegen die rockerähnliche Gruppe der Osmanen vorgegangen. Drei Männer wurden festgenommen. Was wird ihnen vorgeworfen?

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          Mit mehr als tausend Einsatzkräften ist die Polizei am Mittwoch in einer bundesweiten Aktion gegen Mitglieder der rockerähnlichen Vereinigung Osmanen Germania vorgegangen. Die schnell wachsende Gruppierung, die etwa 1500 Personen umfasst und eine enge Anbindung ans Kampfsportmilieu hat, gilt als türkisch-nationalistisch. Am Mittwoch wurden rund 50 Wohnungen und andere Räume durchsucht, sieben Männer wurden festgenommen. Das hessische Landeskriminalamt koordinierte den Einsatz. Ziel der Aktion war es nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU), die Stärke des Rechtsstaats zu dokumentieren, aber auch, Beweismittel zu finden und die Struktur der Organisation weiter aufzuhellen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Nach Informationen dieser Zeitung soll es dabei konkret auch um die politische Rolle der Osmanen gehen, die schon seit längerem im Verdacht stehen, enge Beziehungen zur türkischen Regierung zu pflegen. Dem Vernehmen nach ist deswegen auch der Staatsschutz eingeschaltet. Zumindest einzelne Akteure sollen nationalistisch geprägt sein. Nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli nahmen sie auf Seiten von Anhängern Erdogans an Demonstrationen teil.

          Im Zusammenhang damit steht auch der Konflikt mit der kurdischen Gruppierung Bahoz. Ende Juli war es zu einem Anschlag mit einer Handgranate auf eine Shisha-Bar in Saarbrücken gekommen, der mutmaßlich von einem Mitglied der Osmanen aus Hessen verübt worden war und offenbar Bahoz-Anhängern galt. Die Bar diente als Treffpunkt der kurdischen Vereinigung.

          Die Sicherheitsbehörden befürchten, die Osmanen Germania könnten ihre Macht von Hessen aus weiter ausdehnen. Im Kreis Offenbach haben sie derzeit ihren Hauptsitz, das sogenannte World Chapter. Ein Ermittlungsverfahren in diesem Raum im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Waffengesetz soll zumindest formal den Ausschlag für die jetzigen Durchsuchungen gegeben haben. Im Rhein-Main-Gebiet sehen sich die Osmanen einer starken Präsenz der Hells Angels gegenüber, auf den rockerüblichen Geschäftsfeldern im Türsteher- oder Rotlichtmilieu sind sie daher bisher nicht wie gewünscht zum Zug gekommen.

          Den Ermittlern machen die Osmanen auch deshalb Sorgen, weil sie weniger homogen sind als die Hells Angels, weniger strikte Regeln und weniger Traditionen haben. Sie gelten als unberechenbarer. Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon sagte am Mittwoch, es sei gelungen, die Strukturen der Osmanen im Saarland zu zerschlagen.

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