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Kriminalität : Das Geschäft des Verschwindens

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Hilfe für Argentinien: Der kolumbianische Vize-Präsident Francisco Santos gibt Ratschläge Bild: AP

Schnelles Geld auf kriminelle Art: Argentinien leidet unter spektakulären Entführungen und läßt sich von Kolumbien beraten

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          „Ich ergebe mich nicht“, rief einer der Entführer und richtete sich selbst. Ein anderer Bandit wurde von den hereinstürmenden Sicherheitskräften erschossen. Fünf Personen kamen ins Gefängnis.

          Mit einem Schußwechsel ging in der Provinz Buenos Aires dieser Tage eine der spektakulärsten Entführungen der jüngsten Zeit zu Ende. Ein Polizist stürzte sich heldenhaft auf die Geisel, um sie vor den Kugeln zu schützen. Patricia Nine, die Tochter eines Unternehmers, hatte 25 Tage in der Gewalt der Geiselnehmer zugebracht. Der Sicherheitsminister der Provinz, León Arslanian, begleitete die Befreite nach Hause, Provinzgouverneur Solá und Präsident Néstor Kirchner atmeten auf. Es war gelungen, eine Entführung ohne Schaden für die Geisel zu beenden.

          Polizei selbst Teil des Problems

          Der Erfolg kam gerade zur rechten Zeit. Denn die Welle von erpresserischen Entführungen bringt die argentinische Regierung in immer größere Bedrängnis und legt Versäumnisse ihrer Sicherheitspolitik bloß. Bei vielen Entführungen griff die Polizei nicht ein, weil sie selbst Teil des Problems ist. Es ist kein Geheimnis, daß Beamte der Polizei der Provinz Buenos Aires, der berüchtigten „Bonaerense“, entweder selbst aktiv an vielen Geiselnahmen teilnahmen oder den Banditen das Terrain frei hielten.

          Die Bande, die Patricia Nine in ihrer Gewalt hatte, wird verdächtigt, acht weitere Entführungen begangen zu haben. Nine war Ende September verschleppt worden, als sie ihre beiden Töchter und ihre Neffen in die Schule brachte. Eine Woche lang gab es keine Nachricht von ihr. Das erste Lebenszeichen war ein handgeschriebener Brief, in dem sie ihre Familie bat, das geforderte Lösegeld von eineinhalb Millionen Dollar bereitzustellen. Freunde und Angehörige beteten öffentlich für sie. In 38 Orten kam es zu Solidaritätskundgebungen. 1500 Polizisten suchten nach der jungen Frau.

          Gemeinsame Razzia von „Side“ und „Bonaerense“

          Daß es zu einem glücklichen Ende kam, ist der Zusammenarbeit zwischen der Provinzpolizei und dem „Side“, dem staatlichen Geheimdienst, zu verdanken. Bis dahin hatten beide Institutionen eher gegeneinander gearbeitet. Der „Side“ erhielt mehr als hundert Hinweise, die „Bonaerense“ durchsuchte 150 Häuser. Dabei wurden Waffen und schußsichere Westen sichergestellt. Aufgrund der Razzia wurde die geplante Entführung eines Geschäftsmannes im Norden von Buenos Aires verhindert.

          Unter den inzwischen Festgenommenen befindet sich Cristian Carro Córdoba, einer der meistgesuchten Verbrecher Argentiniens. Auf ihn lautete ein Haftbefehl wegen der Entführung vier weiterer Personen. Er war vier Tage vor der Entführung von Patricia Nine aus Paraguay eingereist. Die Polizei vermutet, daß er in die Entführung von Cecilia Cubas, der Tochter des früheren paraguayischen Präsidenten Raúl Cubas, verwickelt ist. Mit Hilfe seiner Kalender und Handys konnte die Polizei nachvollziehen, mit wem er Kontakt hatte. Daraufhin wurden zwei seiner Komplizen festgenommen. Einer gab den entscheidenden Hinweis auf den Ort der Gefangenschaft von Patricia Nine.

          „Expreßentführungen“ nehmen überhand

          Ein mysteriöser Entführer ist bislang nicht identifiziert, möglicherweise befindet er sich sogar unter den Festgenommenen. Es ist „der Näselnde“ (“El Gangoso“), der die Familie Nine und Angehörige anderer Entführungsopfer anrief, um Lösegeldforderungen zu übermitteln. Trotz Stimmverzerrern glauben Fachleute, daß mehrere Erpresseranrufe von dieser einen Person kamen, die womöglich für mehrere kriminelle Organisationen tätig war.

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