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Kriminalbiologe Mark Benecke : Der Führer hatte Mundgeruch

Bei der Untersuchung eines Schädels ist Genauigkeit gefragt. Benecke demonstriert das in seinem Kölner Labor an einem Exemplar, das definitiv nicht zu Hitler gehörte. Bild: Stefan Finger

Vor 70 Jahren erschoss sich Adolf Hitler. Oder nahm er doch Zyankali? Auf einer irren Reise wollte der Kriminalbiologe Mark Benecke diese Frage in Moskau klären. Er fand Knochen, die durch etliche Hände gegangen waren – und Beweise für Hitlers gesundheitliche Probleme.

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          Irgendwann auf dieser Reise, die an irren Momenten nicht arm war, hatte der Kameramann einen besonders verrückten Einfall. Das Filmteam war nach Moskau gekommen, um eine Dokumentation darüber zu drehen, wie der deutsche Kriminalbiologe Mark Benecke die angeblichen Überreste Adolf Hitlers untersucht. Benecke und das Team hatten schon eine skurrile Begegnung mit einer Archivarin hinter sich, die Hitlers angeblichen Schädelknochen jahrelang in einem Schrank verstauben ließ, als sie im Archiv des russischen Inlandsgeheimdienstes (FSB) ankamen, um noch Teile eines Kiefers in Augenschein zu nehmen. Und als sie da zwischen lauter altem Nazi-Plunder aus dem Führerbunker standen, fragte der Kameramann, ob er nicht mal diese Uniform dort anprobieren dürfe. Der Archivleiter hatte nichts dagegen. Also zog er die Uniform über, die, wie der Mann vom FSB anschließend versicherte, einst Joseph Goebbels getragen hatte.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Mehr als zehn Jahre später erzählt Mark Benecke in seinem Labor in Köln die Anekdote noch immer mit viel Lust an der Pointe. Die Geschichte mag nicht jedermanns Humor treffen, aber der Kriminalbiologe ist da wenig zimperlich. Wie man das auch von jemandem erwartet, der von Art und Größe der Maden auf einem Leichnam auf Ort und Zeitpunkt des Todes schließt und der auch sonst seine Eigenheiten pflegt. Der ganzkörpertätowierte Spezialist für forensische Entomologie ist unter anderem auch Vorsitzender des Vereins ProTattoo und Landesvorsitzender der Satirepartei „Die Partei“ in Nordrhein-Westfalen.

          Die Anekdote über Goebbels’ Uniform dient aber nicht nur der Image-Pflege. Benecke will veranschaulichen, wie nachlässig die russischen Archive die Überbleibsel Hitlers und seiner Getreuen behandelten. Wenn schon ein Kameramann die Uniform des Propagandaministers anziehen darf, wird auch das, was angeblich von Adolf Hitler übrig ist, durch viele Hände gegangen sein, die es womöglich für eine wissenschaftliche Untersuchung verdorben haben. Dabei könnten die Überbleibsel helfen, nicht unbedeutende Fragen abschließend zu klären: Wie starb Hitler? Und: Haben die Alliierten seinen Leichnam tatsächlich gefunden?

          Hat Hitler sich vergiftet?

          Ernstzunehmende Menschen sind sich einig, dass sich Adolf Hitler am 30. April 1945 im Führerbunker das Leben nahm. Konsens herrscht auch darüber, dass sich Hitler erschossen hat. Der endgültige Beweis fehlt aber. Mark Benecke hoffte, ihn in Moskau zu finden. Seines Wissens ist er der einzige Wissenschaftler, der - eingefädelt vom Fernsehsender „National Geographic“ - sowohl den Schädel als auch die Zähne gründlich untersuchen durfte. Aber von Gewissheit ist in dieser Geschichte eigentlich kaum etwas.

          Der Geschichtskrimi setzt in den letzten Tagen im Führerbunker vor der Reichskanzlei ein. Draußen war die Rote Armee bis auf wenige hundert Meter herangerückt, drinnen witterte der „Führer“ überall Verrat. In der Nacht auf den 29. April 1945 heiratete er Eva Braun, anschließend diktierte er seiner Sekretärin Traudl Junge sein Testament. Am 30. April um 15 Uhr verabschiedete er sich von seinen Anhängern und zog sich mit seiner Frau in den Wohnraum zurück.

          „Was dann geschah, hat sich eindeutig nicht mehr aufklären lassen“, schrieb Joachim Fest in seiner Hitler-Biographie. Sicher ist: Als die Tür geöffnet wurde, waren Adolf und Eva Hitler tot. Doch die Aussagen widersprechen sich. Hat sich Hitler mit Zyankali vergiftet? Schoss er sich in den Kopf? Tat er beides? Befahl er gar einem Getreuen, ihn nach Eintritt des Gifttodes noch zu erschießen? Gewissheit kann nur der Leichnam geben.

          Die Zähne des Diktators

          Doch Hitler traf Vorbereitungen, auch tot nicht in die Hände des Feindes zu fallen. Zu SS-Adjutant Otto Günsche soll er gesagt haben: „Ich möchte nicht, dass meine Leiche von den Russen in einem Panoptikum ausgestellt wird.“ Also übergossen Günsche, Hitlers Kammerdiener Heinz Linge und Privatsekretär Martin Bormann den Leichnam mit Benzin und zündeten ihn wie befohlen an - aber er verbrannte nicht restlos. Nur wenige Tage später grub eine Einheit des sowjetischen Militärgeheimdienstes „Smersch“ vor dem Führerbunker zwei Körper aus. Die Zähne des einen identifizierten eine Zahnarzthelferin und ein Zahntechniker als die von Adolf Hitler.

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