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Kriegsberichterstattung : Unter Beschuß

Kriegsopfer: Der australische Journalist Paul Moran Bild: dpa

Der Irak-Krieg hat die ersten Opfer unter den Kriegsberichterstattern gefordert: ein australischer Fotoreporter starb, ein britisches Team wird vermisst. Sie waren auf eigene Faust unterwegs.

          Zwei Gesichter der ersten Kriegstoten, die der qatarische Fernsehsender “Al Dschazira“ am Wochenende für wenige Sekunden zeigte, kamen ITN-Redakteuren in London bekannt vor. Sie schienen zwei Korrespondenten des britischen Senders zu gleichen, die Samstag in der Nähe von Basra unter Beschuß gerieten und seither vermißt werden. Die Sorge wuchs, als es am Sonntag aus einem Krankenhaus in der südirakischen Stadt hieß, daß dort der Leichnam eines Europäers liege. Noch ist der Mann nicht identifiziert. Dem Vernehmen nach trug er aber die Visitenkarte eines Hotels in Kuweit-Stadt bei sich, in dem auch ITN-Mitarbeiter untergebracht sind.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der Zentrale des privaten Nachrichtensenders in London befürchtete man schon zuvor das Schlimmste: Die Angst um die insgesamt drei vermissten Redakteure - unter ihnen der bekannte Kriegskorrespondent Terry Lloyd - nehme zu, je länger sie verschwunden seien, teilte der Sender mit. Ein Mitglied des Teams konnte sich verletzt in Sicherheit bringen. Einer Reporterin der britischen Zeitung “Mail on Sunday“, die ihn am Straßenrand fand, berichtete er, daß sein Fahrzeug von einem Panzer der westlichen Kriegskoalition in Brand geschossen worden sei. Amerikanische und britische Militärsprecher in Kuweit-Stadt bestätigten bisher nur, das ITN-Team sei im Südirak verschwunden.

          Erstes Opfer: ein australischer Fotoreporter

          Sicher ist, daß der gefährliche Wettlauf um die ersten Exklusivgeschichten aus dem Irak schon mindestens ein Todesopfer gefordert hat: Am Samstag ist im Nordirak in der Nähe der iranischen Grenze ein australischer Fotoreporter bei einem Selbstmordanschlag eines Islamisten ums Leben gekommen. Der überraschend zügige Vormarsch der westlichen Kriegskoalition im Südirak trug dazu bei, daß einige der zum Teil seit Monaten knapp tausend in Kuweit-Stadt wartenden Journalisten die Risiken für kontrollierbar hielten.

          Vor den Hotels in Kuweit-Stadt standen schon seit Tagen mit Wasserflaschen und Ersatzkanistern bepackte Geländewagen der Fernsehteams bereit. Am Wochenende machten sich die ersten auf den Weg Richtung Norden, der bis kurz zuvor militärisches Sperrgebiet war. Trotz eindringlicher Warnungen der Militärs, sollen mittlerweile neben den ITN-Korrespondenten auch kanadische und französische Journalisten auf eigene Faust im Südirak unterwegs sein.
          Sie hoffen, endlich recherchieren und zeigen zu können, was sie wollen.

          Freiraum für "embedded journalists" begrenzt

          Denn das dürfen die knapp 600 Journalisten nicht, die Amerikaner und Briten “eingebettet“ in ihrem Troß mitgenommen haben. Live konnten diese die durch die Wüste rasenden Panzer zeigen und irakische Soldaten, die sich ergeben. Den journalistischen Freiraum dieser “embedded journalists“ aber bestimmen britische und amerikanische Offiziere. In Bagdad, wo sich immer noch das ZDF-Team um Ulrich Tilgner aufhält, schränken die irakischen Behörden die Möglichkeiten westlicher Journalisten immer stärker ein. Das CNN-Team aus Bagdad ist in Jordanien (siehe Interview CNN-Präsident Cramer über Kriegsberichterstattung), es mußte den Irak über Nacht verlassen. Im ersten Golfkrieg 1991 hatte CNN alleine live aus Bagdad berichtet.

          Zumindest in der arabischen Welt scheint “Al Dschazira“ die anderen Sender wieder auf die Plätze verwiesen zu haben - auch wenn der Sender mit “Abu Dhabi TV“ und dem neuen Programm “Al Arabija“ ernstzunehmende arabische Konkurrenz bekommen hat. Als einziger ausländischer Kanal hat er eigene Korrespondenten nicht nur in der irakischen Hauptstadt, sondern auch in Mosul im Norden des Irak sowie in Basra stationiert. Es war wohl kein Zufall, daß der irakische Informationsminister Mohammed al Sahaf in Bagdad die versammelte Weltpresse mit den Worten, da sei nun “Al Dschazira und der Rest“, begrüßte.

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