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Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“ : Der schwimmende Superlativ

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Eine Anekdote sagt, daß Cunard sich zuvor an den englischen König George V. gewandt hatte und bekanntgab, man trage sich mit dem Gedanken, den Dampfer auf den Namen einer bedeutenden englischen Königin zu taufen (man dachte an Victoria, ohne den Namen zu nennen). Prompt antwortete Georg V., er freue sich sehr, daß Cunard den Dampfer nach seiner Gemahlin "Queen Mary" nennen wolle. Cunard saß in der Tinte und mußte akzeptieren. Diese Ungeschicklichkeit leitete die große Tradition der Taufpaten ein: Insgesamt tauften Mitglieder des englischen Königshauses fünf Cunard-Liner - die neue "QM2" eingeschlossen - auf den Namen einer Queen.

GIs statt Kreuzfahrpassagiere

Der Zweite Weltkrieg brach aus, und "Queen Mary" und ihr inzwischen gebautes Schwesterschiff "Queen Elizabeth" wurden mit einem grauen Tarnanstrich versehen und als Truppentransporter auf dem Nordatlantik eingesetzt. Jedes der beiden Schiffe konnte mit einer einzigen Fahrt rund 10.000 GIs über den Atlantik bringen. Wie man später erfuhr, fuchste es die amerikanischen Militärs über die Maßen, daß sie keine vergleichbaren Schiffe hatten - was der Grund für den Bau der "United States" war, die als schneller Truppentransporter entworfen wurde.

Und noch jemand war von der Existenz der beiden "Queens" nicht gerade angetan: Nazi-Deutschland. Hitler soll seinen U-Boot-Kommandanten für den Abschuß der "Queen Mary" eine Prämie von 250.000 Dollar versprochen haben. Goebbels gab im November 1942 bekannt, daß U-704 die "Queen Elizabeth" versenkt habe. Eine vorschnelle Behauptung. In Wahrheit fuhren die beiden Ozeandampfer, beide etwa 29 Knoten schnell, jedem U-Boot davon. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden "Queens", die längst zu Legenden geworden waren, wieder zu normalen Passagierschiffen umgebaut und konnten erstmals 1947 Seite an Seite den Atlantik überqueren. "Queen Mary" war so beliebt, daß man ihr alles verzieh: die schwarzen Rußwolken auf dem Achterdeck, die starken Vibrationen und das berüchtigte "Queen-Mary"-Schlingern, das zahllose gedeckte Tische leerfegte. Während "Queen Elizabeth" 1972 im Hafen von Hongkong durch Brandstiftung unterging, war ihrem Schwesterschiff ein glücklicheres Schicksal vorgesehen: "Queen Mary" liegt heute als Konferenzschiff im Hafen von Long Beach in Kalifornien. Ihre ursprüngliche Art-deco-Ausstattung blieb bis heute erhalten.

Stilvolle Atlantiküberquerungen

"Queen Elizabeth 2" oder kurz "QE2" genannt (die Ziffer bezieht sich nicht auf Königin Elizabeth II., die sie 1967 taufte, sondern meint das zweite Schiff dieses Namens) konnte sich als letztes Linien-Passagierschiff auf dem Nordatlantik halten und wurde zur Legende für finanzkräftige Reisende, die den Atlantik wie in den dreißiger Jahren stilvoll mit dem Schiff überqueren wollen. All die Jahre hatte sie ein kleines Manko: "QE2" fuhr stets allein, sie hatte kein Schwesterschiff. Wenn im April 2004 "QM2" und "QE2" gemeinsam Seite an Seite über den Atlantik nach Southampton fahren werden, so wie es ihre Vorgängerinnen 1947 erstmals taten, wird die große Tradition der alten Ozean-Linienschiffe wieder lebendig. Der Umstand, daß der Neuling mit 150 000 BRZ (Bruttoregisterzahl) fast doppelt so groß ist wie "QE2" mit ihren rund 70 000 BRZ, wird das Bild nicht trüben können. Diese Fahrt wird einmal mehr zeigen, daß die Wiedergeburt eines alten Mythos gelungen ist.

Im April 2005 plant Cunard ein weiteres Passagierschiff. Es wird den Namen "Queen Victoria" tragen, und man darf annehmen, daß das britische Königshaus auch dieses Schiff taufen wird. Nach 71 langen Jahren kommt die Reederei endlich zu jenem Schiff, das sie bereits 1934 haben wollte. Wenn das kein langer Atem ist.

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