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Kreuzfahrtschiff havariert : Augenzeuge: „So ähnlich wie im Film ‚Titanic‘“

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Dieses Bild machte Peter Honvehlmann: Es zeigt sein Rettungsboot von Innen Bild: dpa

Der Deutsche Peter Honvehlmann aus Nordrhein-Westfalen hat das Schiffsunglück der „Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste miterlebt. In einem Telefonat schildert er seine Eindrücke.

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          Nach dem Schiffsunglück vor der  Westküste Italiens fehlen den Behörden noch Informationen über den Verbleib von dutzenden Menschen. Der Deutsche Peter Honvehlmann konnte sich als einer der Ersten retten. Es war die erste Kreuzfahrt des Imbiss-Betreibers aus Oer-Erkenschwick in Nordrhein-Westfalen - „und sicherlich auch die letzte“. Er ist noch hörbar aufgewühlt, als er nach seiner Rettung von Bord der verunglückten „Costa Concordia“ mit der Nachrichtenagentur dpa telefoniert. Unversehrt war der 38-jährige Geschäftsmann zusammen mit seiner Frau gleich zu Beginn der Evakuierung von Bord gebracht worden.

          „Wir sind jetzt gerade im Hafenbereich von der Insel Giglio. Wir sind vorhin auf Grund gelaufen mit der "Costa Concordia"“, berichtete er. „Es ging ein Ruck durch das Schiff“, sagte Honvehlmann, als die „Costa Concordia“ gegen 22.00 Uhr auf Grund lief. „Innerhalb kürzester Zeit bekam es eine Schräglage, so dass die Vasen von den Tischen fielen, von den Tresen fiel alles runter, (...) einige Leute stolperten von den Treppen runter. Ohne Quatsch - so ähnlich wie im Film "Titanic", man hat es nicht geglaubt.“

          Und der Blick zurück: Das Kreuzfahrtschiff hatte zu dieser Zeit schon deutlich Schlagseite
          Und der Blick zurück: Das Kreuzfahrtschiff hatte zu dieser Zeit schon deutlich Schlagseite : Bild: dpa

          „Als das Schiff die erste Schräglage kriegte, sind einige Leute umgefallen, die sind sicherlich verletzt“, vermutete Honvehlmann. Es seien viele ältere Passagiere an Bord gewesen. „Der ein oder andere wird sicher Panik gehabt haben.“ Er habe aber nicht gesehen, dass jemand von Bord gesprungen sei.

          „Dann bin ich mit meiner Frau aufs Zimmer gegangen. Wir haben uns erstmal wärmere Sachen angezogen, das Nötigste genommen und dann Rettungsweste an und erstmal nach oben, mal schauen, was ist da los.“ Zunächst seien die Passagiere von einem technischen Defekt unterrichtet worden, sagte Honvehlmann. Die Mannschaft habe versucht, die Leute zu beruhigen. „Dann trieb das Schiff immer mehr auf die Küste zu.“

          Eine Rettungsinsel wird in den Hafen geschleppt
          Eine Rettungsinsel wird in den Hafen geschleppt : Bild: dpa

          Die Lage sei anfangs chaotisch gewesen. „Das Schiff hat natürlich Schlagseite gehabt zur Beifahrerseite, sag' ich jetzt mal. Und die Leute standen auf der Fahrerseite und wollten in die Rettungsboote rein. Da sag' ich zu meiner Frau, lass uns mal auf die andere Seite gehen, da kommen die Rettungsboote wenigstens ins Wasser und werden nicht aufs Deck gedrückt. Und genauso war es dann auch. Und so sind wir als einige der ersten von Bord gekommen.“

          In den Booten hätten die Leute relativ ruhig gesessen. „Dann knarrte und knallte es überall. Nach einigen Minuten sind wir dann abgeseilt worden.“ Innerhalb von fünf Minuten sei das Boot dann im nahe gelegenen Hafen gewesen.

          „Das war die erste Kreuzfahrt in meinem Leben und sicherlich auch die letzte, sowas geht ja gar nicht. Da rechnet ja nun kein Mensch mit.“

          „Wir sind als einige der ersten von Bord gekommen“, sagt Honvehlmann.
          „Wir sind als einige der ersten von Bord gekommen“, sagt Honvehlmann. : Bild: dpa

          Honvehlmann berichtete auch von der Unterstützung, die den Menschen nach der Rettung im Hafen zuteil wurde. „Leute von hier haben uns Decken gegeben, was zu trinken und einen Jogginganzug, dass es nicht so kalt ist. Das ist schon mal sehr gut.“

          Nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere waren unter den mehr als 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord der „Costa Concordia“ etwa 500 Deutsche.

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