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Kreuzfahrt : Die Kranken dürfen endlich von Bord

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Die „Aurora” wird bewacht Bild: AP

Weil auf der „Aurora“ das „Norwalk-Virus“ grassiert, durften die Passagiere erst nach einer Odysee durchs Mittelmeer in Gibraltar von Bord gehen. In einer ungewöhnlichen harschen Reaktion machte Spanien sofort die Grenze dicht.

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          Die unglückliche Reise des britischen Kreuzfahrtschiffes “Aurora", auf dem sich in der vergangenen Woche mehr als fünfhundert Virus-Erkrankte befanden, nähert sich einem guten Ende, hat aber zu Verstimmung zwischen Gibraltar und Spanien geführt. Nachdem die Hafenbehörden von Piräus, Venedig und Dubrovnik nicht nur den kranken, sondern auch den gesunden Passagieren den Landgang untersagt hatten, gestattete die Gesundheitsbehörde von Gibraltar dem Schiff das Anlegen, um die Kranken durch Ärzte untersuchen zu lassen.

          Am Montagmorgen hieß es, es befänden sich nur noch achtzehn erkrankte Passagiere an Bord. Die 270 Meter lange, zehngeschossige „Aurora“ war am 20. Oktober in Southampton ausgelaufen und kreuzt mit 1.900 Reisegästen und einer Mannschaft von 837 Personen durch das Mittelmeer. Bei der kurz nach Beginn der Reise ausgebrochenen Erkrankung handelt es sich um das sogenannte „Norwalk-Virus“, das hohes Fieber, Durchfall und Erbrechen verursacht. Es wird durch Wasser, Nahrungsmittel oder körperlichen Kontakt übertragen.

          Diplomatie muß Wogen glätten

          Am Wochenende hatte sich der Zustand der meisten Passagiere allerdings deutlich gebessert, und die Zahl der Neuerkrankungen war stark zurückgegangen. Da sich das Magen-Darm-Virus an Bord der „Aurora“ nur durch strikte Hygienemaßnahmen bekämpfen läßt und seine Ursache noch unbekannt ist, erwog die Gesundheitsbehörde Gibraltars die Einweisung der Erkrankten in nahegelegene Krankenhäuser, darunter auch Einrichtungen in Südspanien. Dem Gutachten der Ärzte kam die spanische Regierung zuvor, indem sie die Grenze zu Gibraltar am Montagmorgen um 7.30 Uhr schließen ließ, ein einmaliger Vorgang seit deren Öffnung im Jahr 1985.

          Die Äußerung der spanischen Gesundheitsministerin Ana Pastor, für die öffentliche Gesundheit bestehe „keinerlei Gefahr“, taucht die „Präventivmaßnahme“ in ein gewisses Zwielicht. Wenig überraschend, legte der Erste Minister Gibraltars, Peter Caruana, gegen das Vorgehen Spaniens scharfen Protest ein. Bei der Schließung der Grenze handele es sich um eine „unerträgliche, überzogene Reaktion, die durch keinen ärztlichen Befund gerechtfertigt“ sei, sagte Caruana. Die Beruhigung der Gemüter wird, wie stets in Fällen, die Gibraltar betreffen, der britischen und spanischen Diplomatie überlassen sein.

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