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Krankheiten : Neue Angst vor Sars in China

  • Aktualisiert am

Delikatesse oder Sars-Überträger? Bild: dpa/dpaweb

Nach der Bestätigung eines neuen Sars-Falles im Süden Chinas durch Gesundheitsexperten haben die Behörden die Schlachtung von rund 10.000 Wildtieren angeordnet.

          3 Min.

          Die Bestätigung eines neuen Sars-Falls in China hat in ganz Asien Angst vor einer zweiten Epidemie der gefährlichen Lungenkrankheit geweckt. Das Gesundheitsministerium in Peking erklärte am Montag, der Verdacht auf Sars bei einem 32 Jahre alten Patienten aus der Provinz Guangdong (Kanton) habe sich bestätigt.

          Aus Angst vor einer Übertragung der Lungenkrankheit wollte China daraufhin in der südlichen Provinz Guangdong rund 10.000 Wildtiere töten und zahlreiche Märkte für Wildtiere schließen lassen. Zu den betroffenen Arten gehören unter anderem Larvenroller, Marderhunde und Frettchen. Die Vorbeugungsmaßnahme gegen die lebensgefährliche Krankheit folgte auf Enthüllungen von Wissenschaftlern, daß ein Sars-Verdachtsfall in Kanton möglicherweise auf den Larvenroller, eine Schleichkatze, zurückgeht, die in Südchina gerne als Delikatesse verspeist wird.

          Der Patient in Guangdong befinde sich in stabilem Zustand, erklärte das Gesundheitsministerium. Aus seinem Umfeld habe bislang noch niemand Symptome einer Sars-Erkrankung gezeigt. Der Erkrankung des 32jährigen Fernsehproduzenten ist die erste in China seit Juli. Der Patient war am 20. Dezember mit Kopfschmerzen und Fieber ins Krankenhaus gekommen. Er ist der erste Sars-Fall der neuen Saison in der Bevölkerung. Zuvor waren bereits zwei Wissenschaftler in Singapur und Taiwan erkrankt, die sich vermutlich in Labors mit dem Virus infizierten.

          Mensch und Tier tragen Coronavirus

          Das Zentrum für Seuchenkontrolle der chinesischen Provinz Guangdong teilte nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit, daß das bei dem Patienten unter Sars-Verdacht gefundene Virus dem Coronavirus gleiche, das in wilden Tieren der Gattung Paguma larvata festgestellt worden sei. Damit wurde der Verdacht bestärkt, daß hinter der Krankheit ein Virus steckt, das von wilden Tieren auf den Menschen übertragen worden ist. „Es besteht die Möglichkeit, dass dies der Anfang eines neuen großen Ausbruchs wie im vergangenen Jahr ist“, sagte Professor K.Y. Yuen von der Hongkong Universität.

          Viele Wissenschaftler gehen davon aus, daß sich Sars im vergangenen Jahr von Bauernhöfen in Südchina aus weltweit verbreitet hat und möglicherweise von Tieren wie Larvenrollern, Enten, Schweinen und Ratten auf den Menschen übertragen wurde. China hatte den Handel mit Larvenrollern und 53 weiteren Arten im April gestoppt, das Verbot im August jedoch entgegen anders lautender Warnungen wieder aufgehoben.

          Der erste neue Fall der Lungenkrankheit Sars trifft Guandgong nicht unvorbereitet. 158 Krankenhäuser wählten die Behörden bereits in den vergangenen Monaten vorsorglich dafür aus, mögliche Sars-Patienten zu betreuen. 532 Spezialbetten wurden aufgestellt, jedes von ihnen hat ein Beatmungsgerät. Mehr als 440.000 Ärzte und Krankenschwestern erhielten eine spezielle Ausbildung zur Diagnose und Behandlung der ansteckenden Krankheit. Guangdong war besonders vorsichtig, weil in der Provinz vor mehr als einem Jahr der weltweit erste Sars-Fall aufgetreten war. Im übrigen China startete die Regierung in Peking im November ein landesweites Frühwarnsystem, um potentiell Infizierte schnellstmöglich in die Krankenhäuser zu bringen. Insgesamt 1,3 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) will die Regierung in den kommenden drei Jahren in die Sars-Bekämpfung investieren. In der Hauptstadt Peking wurde eine Telefonberatung eingerichtet, unter der rund um die Uhr Experten erreichbar sind.

          Neuer Verdacht auf den Philippinen

          Auf den Philippinen wurden wegen Sars-Verdachts eine 41jährige Frau und ihr Mann unter Quarantäne gestellt. Die Frau arbeitete den Angaben der Behörden zufolge als Haushaltshilfe in Hongkong und wird wegen einer Lungenentzündung behandelt. Ihr Mann habe Fieber. Noch sei es jedoch zu früh um von einem Sars-Fall zu sprechen. Als Vorsichtsmaßnahme sei auch der Arzt unter Quarantäne gestellt worden, der das Paar zuerst behandelt hatte. Er weise jedoch keinerlei Symptome der Krankheit auf.

          Die Behörden in Malaysia schlossen bei einer 31jährigen Patientin eine Sars-Erkrankung aus. Die Frau war nach einem Besuch in Guangzhou mit Fieber ins Krankenhaus gekommen.

          Die Sars-Krankheitswelle hatte im vergangenen Winter besonders die asiatische Wirtschaft stark belastet und weltweit vor allem der Tourismusbranche Einbußen bescherte. 8.000 Menschen steckten sich an der Krankheit an, rund 800 Patienten starben daran.

          Larvenroller oder Zibetkatze?

          Das Tier, das als möglicher Überträger von Sars ausgemacht wurde, wird oft Zibetkatze genannt. Diese deutsche Bezeichnung ist allerdings irreführend - nicht zuletzt, weil das damit beschriebene Tier enger mit den Hyänen als mit den Katzen (Felidae) verwandt ist. Tatsächlich heißt Paguma larvata, so der wissenschaftliche Name des Tieres, im Deutschen „Larvenroller“. Der Larvenroller wird wegen seines englischen Namens „masked palm civet“ häufig falsch als Zibetkatze ins Deutsche übersetzt. Die verschiedenen gemeinhin als Zibetkatzen bezeichneten Tiere gehören zwar zur gleichen Karnivorenfamilie wie der Larvenroller, nämlich zu den Schleichkatzen (Viverridae), jedoch zu einer anderen Unterfamilie.

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