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Krankenhauskeime : Antibiotika ohne Wirkung

  • -Aktualisiert am

Blick in einen klinischen Reinraum Bild: dpa

Die Resistenz von Keimen gegenüber Antibiotika wächst zusehends. Ursachen sind unter andrem unzureichende Hygienevorkehrungen und der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht.

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          Die gängigen Antibiotika verlieren zunehmend an Wirkung. Selbst jene Medikamente erweisen sich erschreckend oft als nutzlos, die bislang als Ultima Ratio gegen besonders hartnäckige Bakterien eingesetzt wurden. Um die Bedrohlichkeit dieser Entwicklung ins öffentliche Bewusstsein zu rufen, hat das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) den 18. November zum „Europäischen Antibiotikatag“ deklariert. Unterstützt von Kampagnen einschlägiger nationaler Institutionen, will das ECDC der Bevölkerung nahebringen, weshalb unsere antibakteriellen Waffen zunehmend versagen. Der wichtigste Grund für die Wirkungslosigkeit von immer mehr Antibiotika besteht demnach in einem unsachgemäßen, ja vielfach verantwortungslosen Umgang mit solchen Mitteln. So werden diese häufig unnötigerweise in zu geringen Dosen oder auch zu kurz angewandt.

          Eine mindestens ebenso große Bedrohung stellt die nach wie vor offenbar unkontrollierte Anwendung von Antibiotika in der Tierzucht dar. Erst kürzlich haben Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen ergeben, dass der Gebrauch von Antibiotika in deutschen Hühnermastbetrieben weiterhin gang und gäbe ist. Indes werden die Weltgesundheitsbehörde und andere Institutionen nicht müde, vor den Gefahren eines solchen Missbrauchs zu warnen.

          Weckruf durch den Tod der drei Bremer Frühchen

          Es gibt freilich noch andere Faktoren, die der Ausbreitung resistenter Keime Vorschub leisten. Hierzu zählen an erster Stelle unzureichende Hygienevorkehrungen im Krankenhaus. Ein neuer Weckruf war der Tod der drei Bremer Frühchen, die unlängst den Folgen einer nicht behandelbaren nosokomialen - im Hospital erworbenen - Infektion erlegen sind. Laut aktuellen Schätzungen erkranken hierzulande jedes Jahr zwischen 400000 und 600000 Menschen an solchen Infektionen. Bei 1500 bis 4500 von ihnen endet eine solche Infektion tödlich.

          Der unbedachte Umgang mit Antibiotika und die Lücken in der Prävention sind allerdings nur ein Grund, weshalb die wachsende Zahl an resistenten Keimen eine so große gesundheitliche Gefahr darstellt. Erschwerend hinzu kommt, dass die Entwicklung neuer Antibiotika beinahe stillsteht. Die britische Immunologin Laura Piddock von der Universität in Birmingham spricht in diesem Zusammenhang von einer Krise. Wie sie in der heutigen Online-Ausgabe des renommierten Britischen Fachblatts „Lancet“ schreibt, spielen ökonomische Überlegungen dabei eine wesentliche Rolle. So sei die Entwicklung neuer Medikamente nicht zuletzt wegen der hohen Zulassungshürden außerordentlich kostspielig. Gerade an Antibiotika könne die Pharmaindustrie nicht viel verdienen. Zum einen würden solche Medikamente in der Regel nur kurzfristig angewandt und zum anderen verlören sie früher oder später ihre Wirkung. Frau Piddock plädiert daher dafür, auf politischer Ebene alles zu unternehmen, damit die Antibiotikaforschung wieder in Schwung kommt. Sonst bestehe die Gefahr, dass gewöhnliche Infektionen schon bald wieder zu einer unmittelbaren Lebensbedrohung werden.

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