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Interview mit Catherine Martin : „Mit Kostümen und Frisuren entwerfe ich Bilder“

  • -Aktualisiert am

Sieht aus wie in den Siebzigern: Szene aus der ersten Staffel von „The Get Down“ Bild: dpa

„The Great Gatsby“ oder „Australia“: Kostümdesignerin Catherine Martin versetzt Zuschauer in längst vergangene Epochen. Ein Interview über die Arbeit für die neue Serie „The Get Down“ und den Hip-Hop der Siebziger.

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          Frau Martin, Sie haben als Kostüm- und Produktionsdesignerin für die Filme Ihres Mannes Baz Luhrmann schon die unterschiedlichsten Welten entworfen, sei es die Ostküsten-Oberschicht des „Great Gatsby“ oder Ihr Heimatland um 1940 in „Australia“. Das schwarze New York der ausgehenden Siebziger in „The Get Down“ scheint weiter entfernt von Ihnen persönlich zu sein als alles davor, oder?

          In gewisser Weise sicherlich. Baz kokettiert damit ja selbst immer: „Was gibt einem alten weißen Mann aus Australien das Recht, eine Geschichte aus der Bronx zu erzählen?“ Doch für ihn und für mich kommt es einfach darauf an, einen ganz persönlichen Zugang zum Stoff zu finden.

          Wie würden Sie den persönlichen Bezug bei „The Get Down“ beschreiben?

          Eines der Themen, die sich durch unsere gesamte gemeinsame Arbeit ziehen, ist die Unterdrückung von Kreativität, sind die Widerstände, auf die man als Künstler trifft. Für Baz wurzelt das in seiner Jugend, als ihm in seiner katholischen Schule in der australischen Provinz eine Nonne sagte, er werde mit Sicherheit niemals im Leben die Werke Shakespeares lesen. Schon in unserem ersten Film „Strictly Ballroom“ griff er das auf; da wollen die Protagonisten gegen die Regeln der Tanz-Föderation mit einem Cha-Cha-Cha beim Turnier antreten. In „The Get Down“ sind es nun diese jungen Kids, die gegen die Umstände aufbegehren. Sie haben nichts, nicht einmal vernünftige Musikprogramme in der Schule, deswegen bleibt ihnen nichts als Plattenspieler und ihre Stimme, um Kunst zu schaffen und etwas aus ihrem Talent zu machen.

          Die Zeit, in der die Serie spielt, ist hinreichend dokumentiert, „The Get Down“ greift obendrein die Biographien realer Personen auf. Unter welchem Druck stehen Sie da als Designerin, historisch korrekte Arbeit abzuliefern?

          Letztlich gibt natürlich der Regisseur vor, wo es langgeht. In diesem Fall waren unsere Recherchen unglaublich umfangreich. Mit einigen der realen Beteiligten haben wir eng zusammengearbeitet, HipHop-Legende Grandmaster zum Beispiel. Deren Vorstellungen musste ich natürlich auch gerecht werden.

          Klingt nicht nach vielen Freiheiten in den Entwürfen.

          Doch, die gab es schon. Musste es auch geben. Dank Netflix ist „The Get Down“ in 190 Ländern auf der ganzen Welt zu sehen, und etliche dieser kulturell höchst unterschiedlich geprägten Zuschauer haben sicherlich eine gewisse Ahnung von der Entstehung des Hip-Hop. Aber viele eben auch nicht. Deswegen gab es natürlich immer mal wieder historische Details, die ein universelles Verständnis womöglich erschweren. Die mussten dann innerhalb der Geschichte erklärt werden – oder ich musste sie weglassen.

          Geben Sie doch mal ein Beispiel dafür, wo Sie bei den Kostümen nicht wirklich authentisch blieben?

          Mit meiner Ko-Designerin Jeriana San Juan, die mich unterstützte und nach der neunzigminütigen Pilotfolge die Hauptverantwortung übernahm, hatte ich viele Diskussionen über Säume. Ich fand in vielen Fällen, dass wir die Mädchen in zu kurze Sachen steckten. Doch ihr Argument war, dass wir heute nun einmal in einer Zeit leben, in der nur „kurz“ auch automatisch mit „sexy“ assoziiert wird. Das war damals nicht zwingend so. Viele Frauen trugen damals Röcke und Kleider die bis unters Knie gingen, auch wenn sie sich abends für den Club zurechtmachten. Das würden Zuschauer heute womöglich falsch verstehen. Zumal wir genau die gleiche Länge bei unserer Protagonistin Mylene schon einsetzen, wenn sie ihre biederen Kirchen-Klamotten trägt. Dazu brauchten wir einen Gegensatz.

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