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Korruptionsaffäre : Wenn nur der Schwiegersohn nicht wäre

  • -Aktualisiert am

Spaniens Prinzessin Cristina und ihr Mann Inaki Urdangarin Bild: dpa

Iñaki Urdangarin, der Schwiegersohn des spanischen Königs Juan Carlos I., steht unter Korruptionsverdacht. Ihm könnte demnächst der Prozess gemacht werden. Die Folgen für das Ansehen des populären Königshauses sind noch nicht abzusehen.

          Der spanische König ist sein Geld wert. Wenn es stimmt, dass es das diplomatische Geschick von Juan Carlos I. war, das seinem Land gerade den lukrativsten Auslandsauftrag in seiner Geschichte eintrug, dann sind die jährlichen acht Millionen Euro Apanage wirklich Peanuts. Vor wenigen Tagen wurde der Vertrag eines spanischen Konsortiums mit Saudi-Arabien über den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges von Mekka nach Medina mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro unterzeichnet. Der persönliche Rapport des Monarchen mit König Abdullah soll ausschlaggebend gewesen sein. Kurz danach war Juan Carlos schon wieder unterwegs, diesmal in Abu Dhabi, um dort für den Eurofighter zu werben. Den will ein Konsortium verkaufen, dem Spanien angehört.

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          Der König also ist über alle Zweifel erhaben. Das kann man indes nicht über seinen einzigen noch verbliebenen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin behaupten. Der Mann seiner jüngsten Tochter Cristina mit dem Titel eines Herzogs von Palma de Mallorca ist das erste Mitglied der spanischen Königsfamilie, gegen das die Justiz wegen mutmaßlicher Korruption und Missbrauchs öffentlichen Geldes ermittelt.

          Mehrere 100.000 Euro versickert

          Der hochgewachsene ehemalige Handballspieler, ein Baske, der für den FC Barcelona spielte, ist seit 1997 mit der Infantin Cristina verheiratet. Dass er sich schon wenige Jahre nach der Trauung dort einen Palast im Wert von rund sechs Millionen Euro leisten konnte, rief damals Verwunderung hervor. Diesmal geht es um rund fünf Millionen, die der Herzog als Präsident einer Art gemeinnütziger Nichtregierungsorganisation namens "Nóos-Institut" zwischen 2004 und 2006 eingenommen haben soll. Als Gegenleistung für Aufträge der von der konservativen Volkspartei regierten Regionen Balearen und Valencia richtete Nóos Veranstaltungen zu den Themen Sport und Gesundheit aus.

          Der zuständige Ermittlungsrichter José Castro Aragón moniert, dass Belege über große Summen fehlen und Rechnungen für bescheidene Leistungen aufgeblasen wurden. Mehrere 100 000 Euro sollen sogar in einem Steuerparadies in der Karibik versickert sein. Die Polizei hat drei Büros des Instituts in Barcelona, Palma und Valencia durchsucht. Der einzige Verdächtige ist bislang Urdangarins ehemalige rechte Hand und Nachfolger als Nóos-Vorsitzender, Diego Torres. Er bestreitet alle Vorwürfe.

          Fingierte Wettbewerbe

          Dabei bleibt es aber offenbar nicht. So wurde bekannt, dass Nóos und die Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten der Balearen Jaume Matas - gegen den schon länger ein separates Korruptionsverfahren läuft - im Jahr 2004 einen "Wettbewerb" für die Ausrichtung eines Sport- und Tourismuskongresses fingiert hätten. Alle drei Angebote, einschließlich des siegreichen, seien von dem gleichen Fax-Gerät des Instituts unter verschiedenen Briefköpfen abgeschickt worden - eines mit der Unterschrift Urdangarins.

          Der Herzog kehrte am Freitag aus Washington, wo er mit seiner Familie seit zwei Jahren lebt und als eine Art Auslandsvertreter für eine spanische Telefongesellschaft tätig ist, nach Madrid zurück. In einem kurzen Kommuniqué versicherte er, dass er "seine Ehre und Unschuld" verteidigen werde, sobald er die Einzelheiten der Anschuldigungen kenne. Er habe sich in all seinen beruflichen Angelegenheiten "immer korrekt verhalten".

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