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Korruption : Bestechungsskandal kratzt am Image der Ärzte

  • Aktualisiert am

Wehe, wenn Ärzte bestechlich werden ... Bild: dpa

Der aktuelle bundesweite Bestechungsskandal zieht immer weitere Kreise und kratzt am guten Image der Ärzte. Die Bundesärztekammer ruft zur „Besonnenheit“ auf.

          Fast täglich neue Ermittlungsfälle, tausende deutscher Ärzte unter Bestechungsverdacht. Der Ruf der „Halbgötter in weiß“ leidet massiv. Schlimmer ist, dass die Patienten zunehmend das Vertrauen in die Seriosität von Medizinern verlieren. Kein Wunder, dass die Bundesärztekammer zu retten versucht, was zu retten ist. Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe mahnte angesichts der Vielzahl der Verdachtsfälle in einem Interview mit der ARD zur Besonnenheit.

          Hoppe mahnte eine genaue Untersuchung der derzeit rund 3.500 Ermittlungsfälle an, bei denen Ärzte an deutschen Krankenhäusern vorgeworfen wird, vom Münchner Pharmahersteller SmithKline Beecham Sachwerte in einem Wert von bis zu 26.000 Euro erhalten zu haben, um im Gegenzug Präparate des Unternehmens bei der Behandlung ihrer Patienten zu verwenden. Der Ärztekammerpräsident wies darauf hin, dass Krankenhausärzte „eigentlich nicht die Möglichkeit haben zu entscheiden, was sie verschreiben“. Sie wählten vielmehr lediglich den Wirkstoff aus. Einfluss auf die Wahl des genauen Medikaments bestehe eher in den Arztpraxen.

          Hoppe: Dimension wird sich noch verringern

          Nach Ansicht Hoppes müsste auch beachtet werden, ob sich die derzeit abzeichnende Dimension des Skandals als realistisch erweise. Der Ärztekammer-Chef verwies in diesem Zusammenhang auf den ähnlich dramatisch anmutenden, bundesweiten Herzklappen-Skandal der vergangenen Jahre. Nach zahllosen Verdachtsfällen seien letztlich 22 konkrete Fälle übrig geblieben. Auch im aktuellen Skandal wurden bereits mindestens 1.500 Ermittlungen wegen Geringfügigkeit eingestellt.

          Image der Ärzte leidet schwer

          Nach Einschätzung des Allensbach-Instituts ist allerdings bereits jetzt ein Ansehensverlust für Ärzte nicht mehr zu vermeiden. „Das schlägt sich natürlich auf das Image nieder“, kommentierte Institutssprecher Edgar Piel den Skandal. Allerdings werde auch dieser gravierende Vorfall nichts daran ändern können, dass Mediziner in der so genannten Image-Skala der Berufe weit vorne rangierten. Damit sich daran etwas ändere „müsste noch ganz viel passieren“, so Piel.

          Nach der aktuell gültigen Allensbacher Berufsprestige-Skala vom vergangenen Jahr rangiert der Arzt mit einem Wert von 74 Prozent Zustimmung weit vorne vor dem Pfarrer (38 Prozent) und dem Hochschulprofessor (33). 1966 lag die Zustimmung für Ärzte sogar bei 84 Prozent. Am wenigstens geachtet sind den alle zwei Jahre durchgeführten Allensbach-Erhebungen zufolge die Berufsgruppen Politiker (zehn Prozent), Gewerkschaftsführer (acht) und Buchhändler (sieben).

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