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Great Barrier Reef : Ein Viertel dieses Naturwunders ist zerstört

Vor dem Absterben: Ein Taucher prüft das Ausmaß der Korallenbleiche bei Lizard Island im Great Barrier Reef. Bild: AFP

Das Great Barrier Reef ist das größte von Lebewesen geschaffene Gebilde der Welt. Doch die Korallenbleiche hat fast ein Viertel des Riffs zerstört. Schuld sind Klimawandel – und mangelnder Schutz. Ein Ortsbesuch.

          Das Schnellboot reitet über die Wellen des tiefblauen Meeres. Weißer Schaum spritzt am Boot empor, Wassertropfen sprühen wie dünner Regen quer über das Deck. Der Festlandstreifen wird immer schmaler, bis er hinter dem Horizont verschwindet. Im Inneren der Kabine streifen sich die Gäste schwarze Anzüge aus Neopren über: Ein paar Touristen und eine Gruppe amerikanischer Studenten. Sie werden von einem schlanken weißhaarigen Mann begleitet.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          John Rumney will den Studenten aus dem Bundesstaat Georgia das Great Barrier Reef zeigen. Das größte Korallenriff der Welt ist eine Ikone der australischen Natur. Doch einer, der es kennt wie kaum ein anderer, ist ausgerechnet Amerikaner. John Rumney taucht, fischt und navigiert seit mehr als 40 Jahren in den Gewässern vor der Küste der Kleinstadt Port Douglas. Am Abend zuvor hat der 66 Jahre alte „Großvater des Great Barrier Reef“, wie er sich selbst bezeichnet, die Studenten schon auf das vorbereitet, was sie nun erwarten wird. Das Riff ist bis heute ein unvergleichliches Naturschauspiel. Aber es hat Schaden erlitten wie nie zuvor.

          Wassertemperaturen von 33 Grad

          Fast ein Viertel der Korallen sind tot, zerstört von einer beispiellosen Korallenbleiche. Das Phänomen lässt sich im australischen Sommer immer wieder beobachten. Doch in diesem Jahr war es so schlimm wie noch nie. Hier, im nördlichen Teil des Riffs, hatte das Wasser zeitweilig eine Temperatur von 33 Grad. Schuld ist der Klimawandel. Die überdurchschnittliche Wärme und das viele Sonnenlicht verursachen eine Bleiche. „Bis Dezember war es hier unberührt. Und dann kamen wir hier raus, und bis zu 80 Prozent der Korallen sind ausgeblichen“, sagt Rumney. Fotos der am schlimmsten getroffenen Riffe zeigen eine trostlose Unterwasserlandschaft aus weißen Skeletten und überwucherten Korallenresten.

          John Rumney will den Studenten ein eigenes Bild vermitteln. Sie bekommen einen Teil des Riffs gezeigt, der ebenfalls schwer gelitten hat, in dem aber noch viele Korallen überlebt haben. Nach eineinhalb Stunden Fahrt wird das Boot langsamer. Die jungen Leute streifen sich Flossen und Taucherbrillen über. Sie reißen Witze. Für ein Praxisseminar über Gesundheit und Umwelt sind sie den langen Weg hierhergereist. Das Anschauungsobjekt ist wirklich etwas Besonderes.

          Das Riff retten: John Rumney, amerikanischer Korallenschützer

          Das Boot nähert sich einem hell türkisfarbenen Flecken im Wasser, unter dem sich ein Teil des berühmten Riffs befindet. Genau genommen ist das Great Barrier Reef ein System aus rund 3000 Riffen, das sich über eine Fläche von fast der Größe Deutschlands erstreckt. Mehr als 2000 Kilometer verläuft es entlang der Küste des Bundesstaates Queensland im Nordosten Australiens. Es ist das größte von Lebewesen geschaffene Gebilde der Welt. Die bedrohten Korallen sind die Architekten.

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