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Konklave : „Wider die Diktatur des Relativismus“

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Selten waren Kardinäle so aufmerksam wie bei der Predigt in der Petersbasilika von Joseph Kardinal Ratzinger am Montag vormittag in der Petersbasilika. Seine Sicht der geistesgeschichtlichen und kirchenpolitischen Lage erschien vielen fast wie ein künftiges Pontifikats-Programm.

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          Selten waren Kardinäle so aufmerksam wie bei der Predigt von Joseph Kardinal Ratzinger am Montag vormittag in der Petersbasilika. Drei Lesungen waren zuvor in dem feierlichen Pontifikalamt am Hochaltar von Sankt Peter vorgetragen worden, dort, wo sonst nur der Papst die Messe feiert.

          Vor dem Hochaltar stand der 78 Jahre alte Deutsche als Dekan des Kollegiums. Es war den gespannten Gesichtern der Kardinäle anzusehen, daß sie Ratzinger prüften. Denn es war bekannt geworden, daß sich die relativ größte Gruppe für ihn als ersten Favoriten für die Nachfolge Johannes Pauls II. ausgesprochen hatte.

          Niemanden kennen die Kardinäle, die aus der Kurie wie die aus den großen Erzbistümern, so gut wie Ratzinger. Seit 1981/82 leitete er als Präfekt die „Kongregation für die Glaubenslehre“, unzählige Male hat er bei den Konsistorien das Wort ergriffen. Nicht wenige Kardinäle hatten sich über seine deutlichen Worte immer wieder geärgert. Manche waren sogar empört über die Härte seiner Urteile. Aber auch die schärfsten Kritiker konnten ihm nie intellektuelle Unschärfe vorwerfen.

          Befreiung statt Maulkorb

          Selbst in der Ablehnung nagt an ihnen der Zweifel, ob Ratzingers Analysen für die Kirchenführung nicht doch das richtige Rezept seien - eine sehr bittere Medizin, verabreicht von einem strengen Zuchtmeister. Die Generalkongregationen seit dem Tod Johannes Pauls II. hatte der Dekan souverän geleitet. Selbst daß er sie auf Verschwiegenheit im Umgang mit den Medien hinwies, empfanden mehr Kardinäle als Befreiung von lästigen Fragern denn als Maulkorb für die Gesprächigen. Alle fragten sich, ob sie sich diesen Deutschen als Papst vorstellen könnten.

          Die drei Lesungen aus der Bibel, dem Alten und dem Neuen Testament, aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 61, aus dem Brief an die Epheser, 4. Kapitel, und aus dem 15. Kapitel des Johannesevangeliums, waren verklungen. Kardinal Ratzinger trat an das Predigerpult. Und wie ein guter Rabbiner in der Synagoge, wie ein protestantischer Geistlicher als guter Kenner der heiligen Schriften wollte er nichts anderes tun, als diese heiligen Texte auslegen, deuten für den heutigen Tag. Die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja hatte Trost und Verheißung den Glaubenden zusprechen sollen. Aber es war darin nicht nur von göttlicher Gnade, sondern auch vom Zorn Gottes die Rede.

          Ein belesener Exeget

          Ratzinger, ein gründlicher Theologe und belesener Exeget, schwankte in der Deutung für diesen scheinbaren Widerspruch zwischen der Barmherzigkeit Gottes und dem Tag der Vergeltung Gottes, seiner Rache, und hielt sich an jene, die Jesus Christus selbst nach dem Bericht des Evangeliums seiner Botschaft gegeben hatte. Aber, so der deutsche Dekan des Kardinalskollegiums weiter - und da begann er programmatisch zu werden -, „die Barmherzigkeit Christi ist keine billige Begnadigung. Sie besagt nicht eine Banalisierung des Bösen“. Sie erfüllt sich in dem christlichen Geheimnis von Tod und Erlösung.

          Schärfer noch war die Deutung der zweiten Lesung, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser. Darin heißt es im vierten Kapitel über die „Reife des Glaubens“: „... daß wir nicht mehr unmündig seien und uns bewegen und umhertreiben lassen von jeglichem Wind der Lehre durch Bosheit der Menschen und Täuschungen, womit sie uns beschleichen und uns verführen“. Kardinal Ratzinger bezeichnete diese Worte des Apostels vor 2000 Jahren als „sehr aktuell“.

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