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Kongress der Zeugen Jehovas : Gott wird abwischen alle Tränen

  • -Aktualisiert am

Zum Bezirkskongress in der Commerzbank Arena kamen Zeugen Jehovas aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg. Bild: Kien Hoang Le

Im Frankfurter Stadion haben sich rund 17.000 Zeugen Jehovas getroffen. Sie sind so etwas wie christliche Fundamentalisten. Sie hoffen auf das Paradies. Denn vieles deutet für sie auf ein nahes Ende der Erde hin.

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          Ruben Vinski schüttelt sich das Wasser aus dem Ohr. Soeben hat ihn ein Helfer rücklings in ein Bassin mit warmem Wasser getaucht. Der Täufer, gekleidet in ein weißes T-Shirt und schwarze Shorts, hatte ihm zuvor geraten, sich die Nase zuzuhalten. Ganz schnell tauchte Ruben Vinski unter. Nun klettert er über eine Edelstahlleiter aus dem Becken. Er schlüpft in seine Badelatschen und lässt sich sein Handtuch reichen - es ist kalt in der Frankfurter Commerzbank-Arena.

          Rund 17.000 Zeugen Jehovas aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem nördlichen Baden-Württemberg haben sich hier am Wochenende zu ihrem jährlichen Bezirkskongress versammelt. Seit 1903 gibt es in Deutschland Zeugen Jehovas. Sie orientieren sich an der Lehre des Amerikaners Charles Russell und sind so etwas wie christliche Fundamentalisten. Sie leisten keinen Dienst an der Waffe, wählen nicht, feiern keine Geburtstage und lehnen Bluttransfusionen ab, weil das so in der Bibel stehe. Andere Ausprägungen des Christentums halten sie für falsch. In ihrer Deutschland-Zentrale in Selters im Taunus kümmern sich etwa 1000 „Vollzeit-Diener“ für ein Taschengeld um den Druck ihrer Schriften. Viele Bundesländer haben sie als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt.

          In einem großen Pool lassen sich Jugendliche taufen

          Etwa 170.000 Mitglieder haben die Zeugen Jehovas in Deutschland. Seit Samstag sind es ein paar hundert mehr. Allein 80 Jugendliche und Erwachsene wurden im großen Pool auf der Tartanbahn des Stadions getauft. In mehreren anderen Städten fanden gleichzeitig Kongresse statt, ebenfalls mit Taufen und den gleichen Ansprachen, so in Dortmund und in Glauchau bei Zwickau. Eine Woche zuvor tagten die Zeugen in der Hamburger Imtech-Arena und im Münchner Olympiastadion, zwei Wochen zuvor im Berliner Velodrom und im Nürnberger Frankenstadion. An den kommenden Wochenenden folgen Kongresse mit Massentaufen in Hannover, Stuttgart und Friedrichshafen. Sogar die Musik ist überall die gleiche: Amerikanisch anmutende Streichersätze werden in die Stadion-Lautsprecheranlage von einer CD eingespielt. Die Liederbücher, die jeder dabeihat, tragen die kitschigen Bilder fröhlicher Menschen, die ähnlich auch die Titel der „Wachtturm“-Heftchen zieren.

          Sinn im Chaos der Welt: Wegweiser für den Bezirkskongress der Zeugen Jehovas

          Die meisten Täuflinge stammen aus Zeugen-Familien. Einige sind aber auch durch Freunde oder ihren Ehepartner zu ihrem Glauben gekommen. Ruben Vinski, ein 34 Jahre alter Bankkaufmann aus Mannheim und Vater zweier kleiner Jungen, kennt die Zeugen Jehovas durch seine aus Kroatien stammenden Eltern. Doch er ging nicht mehr in die Versammlungen, seit er 20 war. Seine Frau Paulina, ursprünglich katholisch, kam über Vinskis Eltern dazu. „Vor genau fünf Jahren wurde ich hier getauft“, erzählt sie, als sie auf ihren Mann wartet, der sich in der Spieler-Umkleide anzieht. Heute hat sie Tränen der Rührung in den Augen: „Es macht mich glücklich, dass jetzt für uns beide gemeinsam Jehova an erster Stelle steht. Und dass wir gemeinsam eine Hoffnung auf ewiges Leben haben. Sonst wäre doch alles umsonst.“

          144.000 Plätze sind im Himmel reserviert

          Sie tupft sich vorsichtig mit einem Papiertaschentuch die Tränen ab, damit die Wimperntusche nicht verläuft. Ihr Schwiegervater, überglücklich wie sie, findet auch den Aspekt des ewigen Lebens am wichtigsten: „Sehen Sie, ich bin schon 70. Wenn es Jehova nicht gäbe, was wären wir? Ich habe mich nur dreimal umgeschaut, und schon bin ich alt, und das Leben ist fast vorbei.“

          Dabei ist das mit dem ewigen Leben eine schwierige Sache bei den Zeugen Jehovas. 144.000 Plätze sind nach ihrer Lehre im Himmel reserviert. Die meisten davon allerdings, meint Patric Kutscher, ein 52 Jahre alter Rhetorik- und Verkaufs-Trainer, der Ruben Vinski zwei Jahre lang durch das Studium der eigenen Bibelübersetzung der Zeugen Jehovas auf die Taufe vorbereitet hat, seien wohl schon besetzt. Für alle anderen gebe es ein ewiges Leben im „Paradies auf Erden“, das Jehova nach dem Ende der Welt wieder errichte.

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