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Kommunikation : E-Mails machen zuviel Müll

Spam liegt manchem schwer im Magen. Bild: Duke University

Die elektronische Post kostet Kraft. Vor allem bei der Entsorgung und Verwaltung. Spam nervt. Dennoch lieben die Leute die Kommunikation via E-Mail.

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          Der Chef der Medizintechnikfirma B. Braun, Ludwig Georg Braun, ist ein hartnäckiger Verfechter der elektronischen Post in Deutschland. Wenn er über E-Mails redet, gerät der Mann ins Schwärmen. Vor allem, wenn es um deren Effizienz geht. "Da fallen die Floskeln weg", sagt Braun.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Millionen von Büromenschen machen Tag für Tag freilich auch andere Erfahrungen. Sie werden mit Werbe-Mails ("Spams") zugemüllt. Und nach einem Urlaub dauert es Tage, bis die eingegangene Post abgearbeitet ist. Die Lage dürfte sich in den kommenden Jahren verschärfen. Schätzen Experten die Zahl der E-Mails rund um den Globus derzeit auf gut 30 Milliarden täglich, sollen es 2006 bereits doppelt so viele sein.

          Mühe frißt Nutzen auf

          Schon schlagen Fachleute Alarm. Mark Levitt vom Marktforschungsunternehmen IDC glaubt, daß der stetig anschwellende E-Mail-Verkehr die Menschen überfordert. Die Berater der Boston Consulting Group haben herausgefunden, daß die Mühe für die E-Mail-Verwaltung den Nutzen der elektronischen Post zuweilen auffrißt. Selbst das Bundesverwaltungsamt macht sich Sorgen: "Wenn die Empfänger immer mehr Zeit aufwenden müssen, um elektronische Posteingänge zu sichten, verkehrt sich der Vorteil vermeintlich schneller Information in sein Gegenteil."

          Was tun? Der Wirtschaftswissenschaftler Bruno S. Frey publizierte jüngst eine bestechende Idee: "Wer E-Mails versendet, soll bezahlen", fordert der Schweizer. Ob der Ratschlag technisch einfach umsetzbar ist, daran hegt Frey selbst seine Zweifel. Auf alle Fälle würde eine Berechnung das Kommunikationsmittel Mail seinen Konkurrenten Brief, Fax und Telefon gleichstellen. Sie alle sind schließlich gebührenpflichtig.

          Die Hälfte der Interviewten zeigte sich überzeugt, ohne E-Mail nicht leben zu können

          Trotz aller Skepsis: Den gerufenen Geist Elektro-Post wird die Menschheit nicht mehr los - und sie will es auch nicht, wie eine Untersuchung des Softwareunternehmens Oracle ergab. Die Firma ließ im Juni mehr als 4500 Profi-Nutzer in neun Ländern befragen. Wichtigstes Ergebnis: Die Hälfte der Interviewten zeigte sich überzeugt, ohne E-Mail nicht leben zu können. Diese Gruppe gab zugleich an, die Computer-Post mache ihre Arbeit produktiver. Für rund ein Drittel in jedem Land stehen Mails im Vergleich der Kommunikationsvarianten ganz oben. Die Studie offenbarte zugleich deutliche Unterschiede von Land zu Land. Briten und Deutsche nutzen lieber Telefon als Mail, während sich Amerikaner, Franzosen, Italiener und Kanadier als große Freunde der elektronischen Briefkästen outeten. Den höchsten Wert auf persönlichen Kontakt legen die Dänen: Die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ziehen 28 Prozent vor (Telefon: 31 Prozent, E-Mail: 26 Prozent).

          Immerhin offenbarte die Studie auch die Grenzen des Mail-Versands. Fast jeder zehnte Befragte in Kanada gab an, die Computerkommunikation schränke seine Produktivität ein. Kein Wunder: Nach zweiwöchigen Ferien müssen dort elf Prozent zwischen 200 und 300 E-Mail-, Voice-Mail- oder Fax-Nachrichten abarbeiten.

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